Britcoin: Briten prüfen Einführung einer eigenen digitalen Währung

Großbritannien wird künftig eine von der Bank of England unterstützte Einführung der Kryptowährung namens Britcoin prüfen.

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Großbritannien erwägt Einführung vom Britcoin
Bildquelle: bluebudgie

(Die britischen Behörden prüfen aktuell die Möglichkeit, eine neue digitale Zentralbankwährung (CBDC) zu schaffen. Finanzchef Rishi Sunak kündigte diese als „Britcoin“ an. Die Bank of England und das Finanzministerium gaben bekannt, für das Projekt eine Taskforce einzurichten. Die am Montag angekündigte gemeinsame Arbeitsgruppe soll die Umsetzbarkeit einer zentralbankgestützten digitalen Version der Landeswährung Pfund ausloten, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

In einer Zeit, in der Barzahlungen im Allgemeinen coronabedingt rückläufig sind, gaben die Bank of England und das Finanzministerium am Montag bekannt, dass sie zusammenarbeiten werden, um die Vorteile einer digitalen Währung der Zentralbank zu bewerten. Der Einsatz von Bargeld bei Finanztransaktionen ist in den letzten Jahren stetig zurückgegangen, während die Zahlungen mit Debitkarten zugenommen haben. Die Verwendung von Kreditkarten und Lastschriften haben ebenfalls zugenommen.

Einerseits wird also der Trend zu bargeldlosen Transaktionen beschleunigt, andererseits gewinnen Kryptowährungen, wie Bitcoin oder Dogecoin, an Zugkraft. Somit ergreift die Zentralbank Maßnahmen, um sicherzustellen, dass sie nicht ins Hintertreffen gerät. Die Taskforce wird gemeinsam vom stellvertretenden Gouverneur der Bank für Finanzstabilität, Sir Jon Cunliffe, und der Generaldirektorin für Finanzdienstleistungen des Finanzministeriums, Katharine Braddick, geleitet

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„Die Regierung und die Bank of England haben noch keine Entscheidung über die Einführung eines CBDC in Großbritannien getroffen und werden sich in großem Umfang mit den Interessengruppen über die Vorteile, Risiken und praktischen Aspekte austauschen“, sagte die BoE in einer Erklärung am Montag.

Britcoin – die künftige digitale Währung in England?

Laut Bank of England soll die neue Währung, Britcoin, als eine neue Form des digitalen Geldes für Haushalte und Unternehmen fungieren. Sie würde neben Bargeld und Bankeinlagen existieren, anstatt diese zu ersetzen. Digitale Währungen, wie sie in Großbritannien in Betracht gezogen werden, unterscheiden sich jedoch in einem wesentlichen Sinne von Bitcoin, da sie von staatlichen Behörden ausgegeben werden. CBDCs sind zwar von Bitcoin inspiriert, unterscheiden sich jedoch dadurch, dass es sich um elektronische Versionen einer Fiat-Währung, wie dem Pfund handelt. Digitale Währungen der Zentralbank verwenden weitgehend dieselbe Technologie wie die gängigen Kryptowährungen, wie Bitcoin. Sie werden aber von einem zentralen Akteur und nicht von einer dezentralen Benutzergruppe gesteuert. Infolge unterliegen sie keinen extremen Preisschwankungen, die auf dem dezentralen Kryptowährungsmarkt üblich sind.

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Britcoin wird zentral reguliert sein

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Grundsätzlich erstellt die Zentralbank E-Geld-Token genauso wie Papiergeld. Die Öffentlichkeit kann diese dann als Wertspeicher für den Kauf und Verkauf von Waren und Dienstleistungen oder einfach zur Ersparnis nutzen. Zentralbanken könnten es den Menschen ermöglichen, Geld elektronisch über ein universelles Zentralbankkonto zu halten.

Das wäre möglich, ohne sich auf Banken und Clearingstellen verlassen zu müssen. Dies würde bedeuten, dass Menschen und Unternehmen Zwischenhändler, wie Banken und Abwicklungsdienste, umgehen. Sie könnten das Eigentum an den symbolisierten Pfund sofort und nahtlos untereinander übertragen.

Digitale Währungen auf dem Weg zum Mainstream

Anne Boden, Gründerin und Geschäftsführerin der App-basierten Starling Bank, begründet die Maßnahme.

„Die Welt geht den Weg der digitalen Währungen und wir müssen einen Platz für sie im Mainstream finden“.

Einer der Vorteile einer digitalen Währung Britcoin wäre die Sicherung von Kartenzahlungen, wenn die Barzahlungen in den kommenden Jahren weiter sinken. Bis zum Ende dieses Jahrzehnts erwartet man, dass nur eine von zehn Zahlungen in Großbritannien mit traditionellem Papiergeld erfolgen. Befürworter digitaler Währungen glauben auch, dass sie Menschen eine andere Möglichkeit bieten können, online einzukaufen.

Derzeit haben nur die Bahamas eine solche Währung, obwohl China sie in mehreren Städten testet. Schweden hat angegeben, dass es bis 2026 eine eigene digitale Währung haben könnte. Während die Europäische Zentralbank angegeben hat, dass innerhalb von vier Jahren ein elektronischer Euro geschaffen werden könnte.

Die neue britische Task Force ist Teil einer Reihe von Maßnahmen. Finanzchef Rishi Sunak hofft, dass sie dem britischen Finanztechnologiesektor helfen werden. Auf einer Fintech-Konferenz bekundet er

„Unsere Vision (vom Britcoin) ist ein offenerer, umweltfreundlicherer und technologisch fortschrittlicherer Finanzdienstleistungssektor. Und wenn wir das außergewöhnliche Potenzial der Technologie nutzen können, werden wir die Position Großbritanniens als weltweit führender Finanzplatz festigen.“

Tarnkappe.info

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.