Testpersonen gesucht: Videoüberwachung Berliner Bahnhof Südkreuz

Zum 1. August 2017 startet ein sechsmonatiges Projekt zur Erprobung intelligenter Videotechnik. Dafür werden bis zu 275 Testpersonen gesucht.

Testpersonen
Testpersonen Grafik geralt, thx! (CC0 1.0 PD)

Ein sechsmonatiges Projekt zur Erprobung von intelligenter Videotechnik startet zum 1. August 2017. Dafür werden bis zu 275 Freiwillige gesucht, die bei dem Testlauf mitmachen wollen, vorzugsweise Personen, die den Bahnhof häufiger nutzen, etwa als Pendler und die zudem die markierte Testzone in der Westhalle des Bahnhofes durchqueren. Seit Montag wirbt die Bundespolizei an dem Bahnhof für eine Beteiligung. Man sucht mehrere Testpersonen.

Testpersonen für Berliner Bahnhof Südkreuz gesucht

Zum geplanten Probelauf am 01.08.2017 zur Gesichtserkennung per Videotechnik am Berliner Bahnhofnhof Südkreuz sucht die Bundespolizei Testpersonen. Beteiligt am Probelauf sind sowohl das Bundesinnenministerium, als auch die Deutsche Bahn und das Bundeskriminalamt. Den Polizeibehörden geht es darum, die technischen Möglichkeiten unter realen Bedingungen auszuloten.

Gemäß den Plänen von Bundespolizei und Deutscher Bahn soll der Berliner Bahnhof Südkreuz zu einem Modell-Projekt für die Verwendung expandierender Überwachungstechnik werden. Hier setzt man künftig nicht nur die ohnehin immer häufiger zu findenden Überwachungskameras ein. Man koppelt sie zusätzlich mit einer Software zur Gesichtserkennung. So lässt sich im Grunde jederzeit nachvollziehen, wer den Bahnhof wann und wie oft nutzt.

Effizienz von Videoüberwachung und Gesichtserkennung will man prüfen

Von den Testpersonen fertigt man verschiedene Lichtbilder a. Diese legt man in einer Testdatenbank ab und speichert die Daten für ein Jahr. Zudem werden die Lichtbilder auch für ein Fake-Verbrecherprofil benötigt, die in der Datenbank „gesuchter Personen“ gespeichert werden, damit die Kameras aufgrund des Abgleichs gegenbenenfalls Alarm anzeigen können. Die Probanden bekommen für dieses Projekt einen RFID-Transponder-Chip in Form einer Kreditkarte, den sie an einem Schlüsselbund oder ähnlichem bei sich tragen müssen für eine Gegenkontrolle. So soll festgestellt werden, ob das System die Person tatsächlich immer erkennt, wenn sie einen markierten Bereich im Bahnhof betritt.

Dieser Bereich ist mit RFID-Baken „abgezäunt“. Die Freiwilligen mit den RFID-Transpondern will man so zweifelsfrei erkennen, sobald sie die Fläche betreten. Diese Daten bilden die Referenzmenge zu den Erkennungsraten der automatischen Gesichtserkennung. Damit kann man die Quote der „False Positives“ und „False Negatives“ bestimmen. Überschreiten beide einen Grenzwert, scheitert die Gesichtserkennung. Entweder gibt es dann zu viele Fehlalarme oder das System hat zu viele „Gesuchte“ nicht erkannt.

Ferner wird, unabhängig von diesem Feldtest, ein weiterer Test durchgeführt, auch mit Videokameras, doch mit anderer Software. Dabei sollen die Systeme potenziell gefährliche Gegenstände erkennen, wie Koffer, die auf den Bahnsteig gestellt und verlassen wurden, stürzende Personen oder die Aktionen von Graffitti-Sprayern. Auch die Mustererkennung von Taschendieben, die in meistens in Gruppen auftreten, wird dazugehören. Auch dafür benötigt man Testpersonen.

Plan: kompletten Berliner Nahverkehr ausrüsten

Beide Tests sollen letzlich als Vorstufen dazu dienen, den gesamten Berliner Bahn-Nahverkehr umfassend mit dem getesteten Videoüberwachungssystem auszurüsten. Geplant ist es, dass bereits Ende 2017 alle Berliner S-Bahnhöfe mit Videokameras ausgestattet sind. Eine zentrale Leitstelle der Bahn und der Bundespolizei hat dann Zugriff darauf. Derzeit werden nur alle „Wechselbahnhöfe“ durchgängig überwacht mit einem Einsatz von ca. 1000 Kameras, 80 davon am Bahnhof Südkreuz.

Wer sich freiwillig als Testperson meldet und im gesamten Testzeitraum mindestens an 25 unterschiedlichen Tagen durch die gekennzeichnete Zone läuft, soll einen Amazon-Gutschein im Wert von 25 Euro erhalten. Wer an über 30 Tagen und am häufigsten von allen Testpersonen erfasst wird, soll einen der Hauptpreise erhalten, wie eine Apple Watch Series 2, eine Fitbit Surge oder eine GoPro Hero Session. Reisende, die nicht überwacht werden wollen, empfiehlt die Bundespolizei, die „Ausweichmöglichkeiten“ zu nutzen.


Kann man damit sogar Anschläge verhindern?

In einer FAQ der Bundespolizei heißt es zuversichtlich: „Mit dieser Technik könnte es gelingen, Straftaten und Gefahrensituationen vorab zu erkennen. Mögliche Gefährder könnten vor einem geplanten Anschlag festgestellt und dieser verhindert werden.“

Aus Sicht der Bundesbeauftragen für Datenschutz, Andrea Voßhoff, sei das Projekt „für sich genommen noch nicht als schwerwiegender Eingriff zu sehen”. Das ändere allerdings nichts an „grundsätzlichen Bedenken” gegen diese Technologie. „Sollten derartige Systeme später einmal in den Echtbetrieb gehen, wäre dies ein erheblicher Grundrechtseingriff.” Auch Berlins Datenschutzbeauftragte Maja Smoltczyk hatte die Technik zur Gesichtserkennung zuvor als problematisch kritisiert. Sie könne „die Freiheit, sich in der Öffentlichkeit anonym zu bewegen, gänzlich zerstören“, gibt sie zu bedenken. Ebenso tadelt der innenpolitische Sprecher der Grünen im Abgeordnetenhaus, Benedikt Lux, das Vorhaben.„Wir sind auf dem Weg in ein absolutes Überwachungsszenario“, meint er.

Tarnkappe.info

Ich bin bereits seit Januar 2016 Tarnkappen-Autor. Eingestiegen bin ich zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibe ich bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, greife aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Meine Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.