Kürzlich hat die Polizei mehrere spanischsprachige Manga-Plattformen wie Tu Manga Online und das ZonaTMO Netzwerk hochgenommen.
Am 22. April 2026 wurden spanische Strafermittlungsbehörden aktiv, wie das Innenministerium in einer Pressemitteilung bekannt gibt. In der südlichen Küstenstadt Almeria führten Beamten Hausdurchsuchungen durch, bei der man Kryptowährungen im Gesamtwert von über 400.000 Euro beschlagnahmt hat. Den Umsatz schätzt man auf insgesamt 4 Millionen Euro durch das Ausliefern von Online-Werbung auf den Manga-Plattformen. Die Betreiber hatten dabei die Untertitel diverser Manga-Werke in die spanische Sprache übersetzt.
Banner auf den Manga-Plattformen nicht für Minderjährige geeignet
Problematisch dabei war, dass viele Besucher Minderjährige waren und die Banner überwiegend pornografisches Material beinhaltet haben. Die drei festgenommenen Tatverdächtigen überstellte man als mutmaßliche Verantwortliche für eine fortgesetzte Straftat gegen das Urheberrecht den Justizbehörden. Nachdem man sie einem Haftrichter vorgeführt hat, ließ man sie wieder frei.
Der Fall begann nach einer Beschwerde der Korean Copyright Overseas Promotion Association (COA), die große Rechteinhaber vertritt, darunter Unternehmen aus den Bereichen Webtoon und Verlagswesen. Sie hatten Tu Manga Online (TMO) und das ZonaTMO-Netzwerk entdeckt.
Die Plattform zur Verbreitung von Manga war bereits seit dem Jahr 2014 online und zählte Millionen Nutzer aus verschiedenen spanischsprachigen Nationen. Die Ermittlungen begannen aber erst im Juni 2025, als die Polizei Kenntnis von der möglichen Existenz einer illegalen Online-Plattform erhielten. Nach ersten Nachforschungen stellte man fest, dass es sich um das größte spanischsprachige Online-Manga-Archiv handelte. Seit 2014 ermöglichte sie systematisch den kostenlosen und unbefugten Zugriff auf eine riesige Menge an urheberrechtlich geschützten Werken.
Das Portal hatte sich im Laufe der Jahre mit unzähligen Seitenaufrufen und einer bemerkenswerten internationalen Reichweite als wichtigste Anlaufstelle für Manga-Piraterie im spanischen Sprachraum etabliert. Sie fügte Rechteinhabern, Verlagen, Übersetzern und der gesamten Kulturindustrie schweren Schaden zu.
Hohe Umsätze generiert
Das Monetarisierungssystem bestand aus der kontinuierlichen Online-Überwachung der Nutzer. Ständig erschienen Pop-ups, sobald der Nutzer mit der Website interagierte, sei es zum Surfen, zur Auswahl von Inhalten oder zum Weiterlesen. Dieses Modell generierte angesichts des hohen Besucheraufkommens erhebliche Einnahmen für die Betreiber.
Die Schließung der Plattform löste in den sozialen Netzwerken viele Reaktionen aus, was ihren großen Bekanntheitsgrad und ihre Beliebtheit widerspiegelt, wobei einzelne Beiträge Zehntausende von Interaktionen erreicht hatten. Im März generierte die Seite nach Presseangaben 33 Millionen Besuche. Nutzer konnten die Serien durchstöbern, Kapitel kommentieren, Titel bewerten und ihre Profile pflegen. Der kostenlose Zugang lockte die Besucher an. Und die Community-Funktionen sorgen dafür, dass sie wiedergekommen sind.
Manga-Plattformen zerschlagen, Ausweitung verhindert
Bei der Durchsuchung der Wohnung des Hauptverdächtigen in Almería fanden die Beamten ein komplexes technisches Netzwerk vor, das für den Betrieb und die Wartung der Plattform bestimmt war.
Zudem stellten sie fest, dass der Festgenommene eine neue, ergänzende Website entwickelte. Deren Inbetriebnahme konnte man man aufgrund des polizeilichen Eingreifens noch verhindern. Außerdem wurden zwei USB-Sticks beschlagnahmt, die in einem Wandthermometer versteckt waren und Cold Wallets mit Kryptowährungen im Wert von über 400.000 Euro enthielten.
Warum die Manga-Piraterie weiter zunimmt
Die breitere Diskussion über Manga-Piraterie geht weiter, die Nachfrage nach derartigen Werken ist auf internationaler Basis stetig weiter gewachsen. Das liegt auch daran, weil die Verlage nicht mit den Übersetzungen hinterher kommen. In der Folge gibt es über Monate hinweg keine Übersetzungen. Die Piraten füllen diese Lücke gerne und verkürzen so die Wartezeit für die Fans.
Wenn legale Plattformen die Nutzer von sich überzeugen wollen, die womöglich durch die Schließungen abwandern, müssen sie etwas tun. Sie müssen versuchen in Bezug auf Geschwindigkeit, Katalogumfang, Sprachunterstützung, mobile Nutzbarkeit und Preistoleranz mitzuhalten. Durchsetzungsmaßnahmen können das illegale Angebot kurzfristig ein wenig einschränken. Aber sie verändern nicht die Bedürfnisse der Leser und befriedigen diese auch nicht.



















