Aus gut informierten Kreisen aus dem Umfeld vom Tor-Projekt teilte man uns durch die Blume mit, man sei von Trumps Geldern fast unabhängig.
Am 14. März erfolgte die Bekanntmachung der „Chefberaterin“ der United States Agency for Global Media (USAGM), Kari Lake. Lake setzte Trumps Dekret um, indem sie die bestehenden Verträge mit den staatlichen Betreibern des US-amerikanischen Auslandsrundfunks aufkündigte. Man habe den „obszön teuren 15-Jahresvertrag“ mit den Radiosendern gekündigt und wolle so eine drastische Verkleinerung erwirken, teilte sie der Öffentlichkeit mit. Davon betroffen, wenn auch mittlerweile weniger als noch vor einigen Jahren, wird auch die Finanzierung des Tor-Projekts sein.
Finanzierung des Tor-Projekts vermehrt eigenständig
Auch wenn die Verantwortlichen der Zwiebel-Organisation seit Jahren daran arbeiten, sich finanziell unabhängig zu machen, die Auswirkungen der Sparmaßnahmen kann man nicht wegdiskutieren. Von Lakes Ankündigung betroffen ist der Open Technology Fund (OTF), den die Trump-Administration ebenfalls nicht mehr fördern will, obwohl sich die dadurch unterstützten Projekte entweder aktiv gegen Überwachung und Zensur in aller Welt oder für die Nutzung von Open Source Software einsetzen.
Das brachiale Vorgehen ähnelt Elon Musks Spargremium DOGE, was sich ebenfalls darum zu bemühen scheint, in kürzester Zeit so viele staatliche Institutionen abzuschaffen, wie irgend möglich.

Geldgeber OTF klagt gegen Streichungen
Als Reaktion auf die sofortige Streichung der Mittel reichte der OTF am 20.03.2025 beim US-Bezirksgericht für den District of Columbia eine einstweilige Verfügung ein. Die Behörde USAGM solle die einbehaltenen Mittel freigeben und Abstand von der Kündigung der Verträge nehmen. Nur so könne man dem „digitalen Autoritarismus weltweit entgegentreten„, hieß es in der Pressemitteilung.
Tor-Projekt nur ein Beispiel von vielen
Sollte die OTF-Klage scheitern, würde dies zahlreiche gemeinnützige Projekte in Mitleidenschaft ziehen. So beispielsweise:
- Open Observatory of Network Interference (OONI). Das OONI dient seit 2012 der Aufklärung und Analyse von Internetzensur weltweit.
- deutlich bekannter ist der App Store F-Droid. Er dient der Verbreitung freier Open-Source-Software für das mobile Betriebssystem Android.
- das OpenVPN Protokoll – weniger populär aber für VPN-Verbindungen nicht minder wichtig!
- der DNS-Anbieter quad9, der auch bei uns in den News häufiger positiv im Kampf für Netzneutralität aufgefallen ist
- Tails, das anonyme Betriebssystem, was sogar unter Experten als recht sicher gilt
- Tella: Eine App für Android und iOS, die das Melden von Menschenrechtsverletzungen erleichert.
- Partisan: Eine modifizierte Version von Telegram für Android, angepasst zum Schutz der Daten politisch engagierter Nutzer in repressiven Regimen wie zum Beispiel in Belarus.
- Let’s Encrypt – Dieses Projekt verteilt kostenlose TLS-Zertifikate, um weltweit so viele Webseiten wie möglich zu verschlüsseln!
- In Frage gestellt wäre auch, wenn auch nur teilweise, die Finanzierung des Tor-Projekts. Das ist die Organisation, die seit Mitte der 90er Jahre für den Betrieb und Weiterentwicklung des Tor-Netzwerks und eigenen Browsers verantwortlich ist. Natürlich gäbe es das Darknet auch ohne Tor, doch die Zwiebel unter den verschlüsselten Netzwerken macht weiterhin einen Großteil des Darknets aus.
- Und viele Projekte mehr, bei denen schon bald das Licht ausgehen könnte.
Manche Tech NGOs haben bereits vorgesorgt
Aus gut informierten Kreisen vernehmen wir, das Tor-Projekt und andere gemeinnützige Organisationen haben sich auf das Trumpsche Spar-Szenario schon so gut wie möglich, vorbereitet. In den letzten fünf Jahren stammen die Tor-Fördermittel zunehmend aus unterschiedlichen Quellen. Derzeit machen die Gelder der US-Regierung weniger als 22% des Budgets aus. Die Diversifikation der Einnahmen könne man deutlich den Jahresabschlüssen entnehmen, die das Tor-Projekt bald veröffentlichen wird, teilte uns der Insider mit.
Andere NGOs wie Horizontal (verantwortlich für Tella und die Anti-Phishing-Webanwendung Shira) sehen sich durch die Einsparungen extrem in ihrer Existenz bedroht und bitten auf ihrem Blog um Spenden. Sie schreiben: „Mit unseren derzeitigen Ersparnissen können wir unseren Finanzbedarf für weniger als drei Monate decken. Wenn wir bis Ende April keine neue Finanzierung erhalten, müssen wir möglicherweise das gesamte Team entlassen und Konkurs anmelden.„
Kommentar
Das Ganze klingt nicht nur heikel, vor allem wenn die NGOs weniger bekannt sind: es ist auch heikel! Bleibt abzuwarten, wie die Klage vom Open Technology Fund ausgeht. Unklar ist auch, ob beziehungsweise wie viele NGOs den Ausgang des juristischen Verfahrens überhaupt noch erleben werden. Ihre Mitarbeiter müssen ja von irgendwas ihre Miete bezahlen, wenn die bestehenden Gelder ausgegeben sind. Doch das ist von DOGE, USAGM & Co. so gewollt, die allesamt Trumps Willen gehorchen und den Staat liquidieren!
Ich frage mich: In was für einer Welt werden wir leben, wenn in den USA nach Ansicht der Regierung nur noch das überleben darf, was dem Staat zusätzliches Geld in Form von Steuern einbringt, statt ihn auch nur ein bisschen was zu kosten!? Ich fürchte, die Antwort will ich gar nicht wissen.