Yoti
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Bildquelle: ChatGPT

Yoti lässt Forscher Alarm schlagen: Firma sendet sensible Daten an Dritte

Studie: Altersprüfungen über Yoti sollen biometrische Daten, IPs etc. an Dritte übermitteln. Die Forscher fürchten um den Datenschutz.

Die verpflichtende Altersverifikation im Internet wird von Politikern häufig als notwendiges Mittel zum Jugendschutz dargestellt. Eine neue wissenschaftliche Untersuchung aus den USA zeigt jedoch, dass die eingesetzten Systeme wie Yoti erhebliche Risiken für die Privatsphäre der Nutzer bergen könnten.

Forscher des Georgia Institute of Technology und der University of California, Irvine (UC Irvine) haben den Altersverifizierungsdienstleister Yoti untersucht. Das Unternehmen mit Sitz in London gilt als einer der weltweit führenden Anbieter in diesem Bereich und soll für rund 60 Prozent aller Websites tätig sein, die eine Altersprüfung verlangen. Zu den Kunden gehören unter anderem Meta, TikTok, Sony PlayStation und OnlyFans.

Gesichtsfotos und Gerätekennungen weitergegeben

Besonders brisant: Nach Angaben der Wissenschaftler werden bei der Altersprüfung hochsensible Daten an weitere Unternehmen übermittelt. Dazu zählen unter anderem Gesichtsbilder, IP-Adressen sowie sogenannte Device Fingerprints, mit denen sich Geräte und ihre Eigentümer eindeutig wiedererkennen lassen.

Die Forscher sprechen von einer Weitergabe an Dritt- und sogar Viertanbieter. Genannt werden unter anderem Kreditkartenunternehmen, Anbieter von Geolokalisierungsdiensten und Datenhändler.

In Gerichtsverfahren und politischen Debatten werden diese Dienste oft mit einem Barkeeper verglichen, der kurz einen Ausweis kontrolliert“, erklärt Cybersecurity-Professor Michael A. Specter, einer der Autoren der Studie. Tatsächlich verhalte sich das System eher so, als würde der Barkeeper eine Kopie des Ausweises an verschiedene Geschäftspartner weiterleiten.

Yoti, money
Keine Weitergabe? In dem Punkt widersprechen die Forscher der beiden Universitäten den Versprechungen des Anbieters!

Altersüberprüfung oft nur auf dem Papier

Die Untersuchung brachte noch ein weiteres überraschendes Ergebnis hervor. Viele Websites, die aufgrund gesetzlicher Vorgaben eigentlich eine Altersverifikation einsetzen müssten, scheinen diese gar nicht konsequent durchzusetzen.

Die Wissenschaftler analysierten zahlreiche Online-Angebote. Sie stellten fest, dass die vorgeschriebenen Prüfungen häufig umgangen oder überhaupt nicht aktiviert werden. Gleichzeitig greifen jene Betreiber, die die Vorschriften umsetzen, meist auf externe Anbieter wie Yoti zurück und lagern die Verarbeitung sensibler Daten damit an Dritte aus.

Fragmentierung des Internets droht

Inzwischen haben bereits 25 US-Bundesstaaten Gesetze verabschiedet, die Altersprüfungen für soziale Netzwerke oder Erwachsenenangebote vorschreiben. Die Forscher warnen jedoch vor weitreichenden Folgen.

Unterschiedliche Regelungen könnten dazu führen, dass Nutzer je nach Aufenthaltsort unterschiedliche Inhalte sehen oder zusätzliche Hürden überwinden müssen. Die Wissenschaftler sprechen von einer „Balkanisierung“ des Internets innerhalb der Vereinigten Staaten. Außerdem ist die Vorgehensweise wie indirekte Werbung für VPN-Anbieter* aller Art.

Professor Harry Oppenheimer, der an der Erstellung der Studie beteiligt war, sieht darin einen gefährlichen Trend. Nutzer seien zwar unterschiedliche Online-Erfahrungen zwischen Ländern gewohnt. Nun könnten ähnliche Unterschiede erstmals innerhalb eines einzigen Staates entstehen.

Yoti, Altersverifikation
PornHub, Edeka, Microsoft XBOX & Co. benutzen Yoti.

Yoti auch in Deutschland im Einsatz

Die Debatte betrifft aber nicht nur die USA. Der britische Anbieter Yoti ist auch in Deutschland aktiv. Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) hat die Gesichtsaltersschätzung des Unternehmens bereits für Alterskontrollen bei Erwachsenenangeboten zugelassen. Zudem testet man die Technologie inzwischen im Einzelhandel, etwa bei Selbstbedienungskassen von Edeka-Filialen. Kritiker warnen deshalb davor, dass die nun aufgedeckten Datenschutzprobleme auch für europäische Nutzer relevant sein könnten.

Datenschutz versus Jugendschutz

Die Studie stellt damit ein zentrales Argument der Befürworter digitaler Alterskontrollen infrage. Während die Systeme offiziell den Schutz Minderjähriger verbessern sollen, könnten sie gleichzeitig neue Überwachungs- und Datenschutzprobleme schaffen.

Für Kritiker der Altersverifikation liefern die Forschungsergebnisse zusätzliche Munition. Sie warnen seit Jahren davor, dass verpflichtende Identitätsprüfungen im Netz zwangsläufig zu umfangreichen Datensammlungen führen.

Ob die Ergebnisse politische Konsequenzen nach sich ziehen werden, bleibt abzuwarten. Wahrscheinlich nicht. Klar ist jedoch bereits jetzt: Die Diskussion über Alterskontrollen im Internet dürfte durch diese Studie neuen Auftrieb erhalten.

Die Studie ist ungekürzt verfügbar

Wer sich das Paper vom Georgia Institute of Technology (School of Cybersecurity and Privacy) und der University of California, Irvine, (Department of Computer Science), ungekürzt durchlesen möchte, kann das hier tun. Die Forscher stellten ihre Yoti-Studie auf dem IEEE Symposium on Security and Privacy (SP 2026) in San Francisco vor. Dies ist eine der weltweit wichtigsten Konferenzen, die sich mit IT-Sicherheit und Datenschutz beschäftigen.

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Lars Sobiraj

Über

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Früher brachte Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert. In seiner Freizeit geht er am liebsten mit seinem Hund spazieren.