anonyme Handys
Alte Geräte wie dieses von Nokia werden gerne als Burner Phone genutzt.
Bildquelle: Fotografia Lui Vlad, Lizenz

USA: FCC will anonyme Handys abschaffen

Die US-Behörde FCC will ihre Mobilfunkanbieter zur ID-Erfassung der Kunden zwingen. Kritiker warnen vor dem Ende anonymer Kommunikation.

Die US-Regulierungsbehörde Federal Communications Commission (FCC) plant eine massive Verschärfung bei der Registrierung von Mobilfunkkunden. Künftig sollen alle Anbieter von Telekommunikation dazu verpflichtet werden, von neuen und wiederkehrenden Kunden deutlich mehr personenbezogene Daten zu erfassen – darunter der Name, Wohnadresse, eine staatliche Ausweisnummer und eine alternative Telefonnummer. Anonyme Handys würden somit der Vergangenheit angehören.

Was die FCC offiziell als Maßnahme gegen Betrug, Robocalls und kriminelle Nutzung von Telefonnetzen verkauft, könnte faktisch das Ende sogenannter Burner Phones (anonyme Handys) in den USA bedeuten. Gemeint sind Mobiltelefone oder Prepaid-Anschlüsse, die nicht direkt mit der Identität des Käufers verknüpft sind. Über die geplante Verschärfung berichtete das Online-Portal 404 Media hinter einer Paywall.

Anonyme Kommunikation unter Generalverdacht

Burner Phones werden in der öffentlichen Debatte oft mit Kriminalität verbunden. Tatsächlich erfüllen sie aber auch legitime Schutzfunktionen. Journalisten, Whistleblower, Aktivisten, Opfer häuslicher Gewalt, einkommensschwache und generell Personen nutzen sie, die nicht jede Kommunikation dauerhaft mit ihrer realen Identität verknüpfen wollen.

Die FCC will nun prüfen lassen, ob Mobilfunkanbieter verpflichtet werden sollen, vor der Freischaltung oder Verlängerung eines Anschlusses einige Daten zu speichern. Dazu gehört der vollständiger Name, die physische Adresse, die staatliche Ausweisnummer und eine alternative Telefonnummer. Bei Geschäftskunden, ausländischen Kunden und größeren Anschlussbestellungen könnten weitere Angaben hinzukommen, etwa der geplante Nutzungszweck oder IP-Adressen.

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Bürgerrechtler ziehen Vergleich zu autoritären Staaten

Datenschützer und Bürgerrechtsorganisationen reagieren alarmiert. Jay Stanley von der American Civil Liberties Union (ACLU) vergleicht den Vorschlag mit Regelungen in autoritären Staaten, in denen Menschen nur dann einen Mobilfunkanschluss erhalten, wenn sie ihre Identität gegenüber Staat oder Anbieter offenlegen.

Die Kritik ist klar: Wer jeden Mobilfunkanschluss zwingend mit amtlichen Identitätsdaten verknüpft, schafft eine Infrastruktur zur flächendeckenden Nachverfolgbarkeit von Kommunikation. Damit würde nicht nur der Missbrauch durch Betrüger erschwert, sondern auch legitime anonyme oder pseudonyme Kommunikation faktisch abgeschafft.

Vorschlag der FCC bietet kaum Schutz vor echten Kriminellen

Besonders fragwürdig ist, ob der Vorschlag überhaupt wirksam gegen Betrug und Robocalls wäre. Experten der Electronic Frontier Foundation (EFF) halten das für zweifelhaft. Professionelle Betrüger könnten gefälschte Dokumente, Strohleute oder falsche Identitäten nutzen. Die Hauptlast der Maßnahme träfe dagegen normale Nutzer, die aus legitimen Gründen ein wenig Privatsphäre benötigen.

Cooper Quintin von der EFF spricht von einem Angriff auf die Freiheit der Kommunikation. Wer anonyme Anrufe unmöglich mache, schwäche nicht nur Kriminelle, sondern auch Protestbewegungen, Journalisten, Migranten, Aktivisten und Menschen in sensiblen Lebenssituationen.

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Foto: Lars Sobiraj.

Telekommunikationsanbieter als nationale ID-Datenbank?

Auch aus IT-Sicherheitsgründen ist der Vorschlag brisant. Das macht Mobilfunkanbieter automatisch zu zentralen Sammelstellen hochsensibler Identitätsdaten. Neben Telefonnummern, Vertragsdaten und Nutzungsinformationen kämen künftig auch Ausweisnummern, Adressen und alternative Kontaktwege hinzu.

John Doyle, CEO des datenschutzorientierten Mobilfunkanbieters Cape, warnt davor, Telekommunikationsunternehmen faktisch zu Betreibern eines landesweiten ID-Registers zu machen. Mobilfunkanbieter habe man in der Vergangenheit immer wieder gehackt, argumentiert Doyle. Je umfangreicher die gespeicherten Daten, umso interessanter ist der Datensatz für Hacker. Und ja, umso größer wäre der Schaden bei künftigen Datenlecks.

Damit könnte eine Maßnahme, die angeblich für mehr Sicherheit sorgen soll, Millionen Menschen einem höheren Risiko von Identitätsdiebstahl, Stalking, Erpressung und Überwachung aussetzen.

FCC argumentiert mit Strafverfolgung

Die FCC begründet den Vorstoß nicht nur mit dem Kampf gegen Scammer. In ihrem Vorschlag heißt es auch, die Daten könnten Strafverfolgungsbehörden helfen, Personen leichter zu identifizieren, die Telefon- oder SMS-Netze für Straftaten nutzen. Man begründet den Vorschlag mit dem Kampf gegen Betrug, Handel mit illegalen Waren, Spionage, Einflussoperationen gegen die nationale Sicherheit und Missbrauch von Textnachrichten-Netzen. Damit wird deutlich: Es geht nicht allein um Robocalls, sondern um eine grundsätzliche Identifizierungspflicht für möglichst jegliche Telefonkommunikation.

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Kommentarphase läuft bis Ende Juni

Der Vorschlag befindet sich derzeit noch in der öffentlichen Kommentierungsphase. Telekommunikationsunternehmen, Strafverfolgungsbehörden, Bürgerrechtsorganisationen und andere Interessierte können Stellungnahmen einreichen. Die Frist läuft bis zum 25. Juni.

Noch ist die Regelung nicht beschlossen. Doch die Richtung ist eindeutig: Die FCC prüft eine gesetzliche Verpflichtung, Mobilfunkkunden deutlich stärker zu identifizieren und diese Daten bei den Anbietern speichern zu lassen.

Fazit: Anonyme Handys wird es für Betrüger weiterhin geben

Der Kampf gegen Telefonbetrug ist notwendig, natürlich auch in den USA. Doch eine allgemeine Identifizierungspflicht für Mobilfunkanschlüsse wäre ein gefährlicher Schritt. Sie würde anonyme Kommunikation massiv einschränken, sensible Gruppen gefährden und Telekommunikationsanbieter zu riesigen Identitätsdatenbanken zwingen.

Professionelle Betrüger werden Wege finden, solche Regeln zu umgehen. Normale Nutzer hingegen verlieren ein wichtiges Mittel zum Schutz ihrer Privatsphäre. Die FCC riskiert damit, unter dem Vorwand der Betrugsbekämpfung eine Infrastruktur zu schaffen, die eher zu Überwachung als zum Thema Sicherheit passt.

Lars Sobiraj

Über

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Früher brachte Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert. In seiner Freizeit geht er am liebsten mit seinem Hund spazieren.