Die Überwachung per Fingerprinting funktioniert trotz VPN und ganz ohne Cookies. Wer das live sehen will, sollte ein neues Portal besuchen.
Viele Internetnutzer glauben noch immer, dass sie mit deaktivierten Cookies, Werbeblockern und einem VPN halbwegs anonym durchs Netz surfen. Die bittere Wahrheit sieht allerdings anders aus: Bereits beim bloßen Aufruf einer Webseite werden zahlreiche Informationen über Besucher gesammelt. Das Fingerprinting läuft im Hintergrund und somit oftmals unbemerkt.
Wie umfangreich dieses digitale Ausspionieren inzwischen geworden ist, demonstriert die Webseite Since You Arrived (Version 4) auf erschreckend anschauliche Weise. Das Online-Projekt zeigt in Echtzeit, welche Daten Betreiber und Werbekonzerne allein durch den Besuch einer Seite über ihre Gäste erfassen können.
Webseiten wissen oft mehr, als uns lieb ist
Hinter dem Projekt steckt offenbar der Entwickler Matt Wheeler. Schon wenige Sekunden nach dem Öffnen einer Webseite beginnt laut Betreiber Matt TK die Datenerfassung. Beim Fingerprinting erfasst man in Sekundenbruchteilen unter anderem:
- die IP-Adresse oder die des VPN-Servers
- Spracheinstellungen des Browsers
- Betriebssystem und Gerätetyp
- die gewählte Bildschirmauflösung
- Aufenthaltsdauer auf der Seite
- für wie lange hat man das Tab verlassen, ist zurückgekehrt etc.
- das Scrollverhalten und Lesefortschritt
- die Uhrzeit des Besuchs
- der verwendeter Browser.
Die Informationen werden nicht nur in Kurzform dargelegt, sondern auch in Zusammenhang miteinander gesetzt. Englischkenntnisse sollten vorhanden sein. Oder aber man übersetzt sich die Website mit einem Browser oder anderen Tools.
Je nach Webbrowser und Konfiguration lassen sich teilweise sogar genaue Geräteinformationen auslesen. Also ob jemand mit einem Smartphone, Tablet oder bestimmten Laptop-Modell unterwegs ist. Das Datenschutzportal erklärt detailliert, wie diese Techniken funktionieren und welche Konsequenzen das für die Privatsphäre der Nutzer hat.
Fingerprinting statt Cookies
Besonders perfide: Viele dieser Methoden funktionieren komplett ohne klassische Cookies. Stattdessen setzen Unternehmen zunehmend auf das „Browser Fingerprinting“. Dabei erstellt man aus zahlreichen kleinen technischen Details einen nahezu eindeutigen digitalen Fingerabdruck. Selbst Nutzer, die konsequent Cookies ablehnen oder über VPN-Dienste* surfen, hinterlassen dadurch weiterhin eindeutige Spuren im Netz. Jeder Besucher kann individuell zugeordnet werden. Also auch, ob man die Website mehrfach besucht hat.
Der Betreiber von Since You Arrived, betont zudem, dass seine Demonstration noch vergleichsweise harmlos sei. Zahlreiche Unternehmen würden deutlich aggressivere Tracking-Methoden einsetzen. Das Fingerprinting geschieht natürlich oft ohne Wissen oder Zustimmung der Betroffenen.
Datenschutz bleibt im Netz ein Fremdwort
Okay, ganz neu ist das alles nicht, es ist aber sehr anschaulich. Das Online-Projekt macht einmal mehr deutlich, wie umfassend moderne Überwachungstechniken inzwischen geworden sind. Webseiten analysieren nicht mehr nur Klicks oder Werbeinteressen, sondern versuchen möglichst präzise Persönlichkeits- und Verhaltensprofile ihrer Besucher zu erstellen. Wer seine Daten besser schützen möchte, sollte sich mit dem Umgang mit entsprechenden Werkzeugen beschäftigen. Eine gute erste Anlaufstelle bietet eine andere Website der EFF. Dort hat man umfangreiche Anleitungen zum Schutz der eigenen Privatsphäre im Internet veröffentlicht.
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