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TorGuard: VPN-Anbieter muss P2P-Traffic auf US-Servern blockieren

Der anonyme Mailing- und VPN-Anbieter TorGuard muss seine amerikanischen VPN-Server kastrieren. P2P ist seit März 2022 nicht mehr möglich.

Bisher hat TorGuard recht offensiv mit der Verschleierung von P2P-Downloads geworben. Man könne darüber alles und so viel downloaden, wie man wolle. Der hauseigene Client von TorGuard soll laut der Werbung eine zu 100% sichere Variante sein, um jeglichen Datenstrom im Internet für Dritte unlesbar zu machen. Auch die hohe Geschwindigkeit der Filesharing-Transfers hebt man hervor. Zudem wirbt man mit einem zusätzlichen SOCKS5 Proxy für Online-Piraten.

TorGuard: „Say Hello to Speed“

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Noch wirbt man, muss man sagen, denn im August letzten Jahres wurde ein Gerichtsverfahren mehrerer Filmstudios bekannt, die den bezahlten Schutz der Online-Piraten heftig kritisieren. TorGuard würde zu wenig im Kampf gegen Urheberrechtsverletzungen unternehmen, heißt es in der Klage. Die meisten anderen VPN-Anbieter halten sich mit derartigen Werbeversprechungen lieber zurück. Auch wenn sie, wie beispielsweise hide.me, offshore agieren, möchten sie bei den Rechteinhabern nicht unnötig für Aufsehen sorgen.

Auf dem eigenen Blog teilt TorGuard jetzt mit, dass kein seriöses Unternehmen dauerhaft im Geschäft bleiben könne, wenn man außerhalb des Gesetzes operiert. Dies gelte unabhängig davon, in welchem Land sich der VPN-Anbieter niederlässt.

Dementsprechend hat man im März 2022 damit angefangen, Maßnahmen zu ergreifen, um den BitTorrent-Verkehr auf allen US-Servern systematisch zu blockieren. TorGuard agiere als Unternehmen innerhalb der USA, weil dies ihren Kunden den stärksten Schutz der Privatsphäre bieten soll. Dabei sei weiterhin keine Protokollierung des Internetverkehrs nötig. Und aufgrund der technischen Maßnahmen sei dies angeblich auch gar nicht möglich, schreibt der Betreiber im Blogbeitrag. Dabei ist das US-Unternehmen vergleichsweise teuer. Das kleinste Abo fängt bei einem Monat Laufzeit bei 9,99 US-Dollar an. Wer mehr Apps und Features haben will, muss schon fast 13 USD monatlich dafür hinblättern.

Compatible with Leading Torrent Apps

Ob die Werbung für Torrent-Downloads auf der Hauptseite bestehen bleibt, ist nicht bekannt. Der Slogan „TorGuard Makes Torrenting Ultra-Secure“ gilt ja grundsätzlich noch immer, sofern sich die Kunden ein anderes Land für ihren VPN-Server aussuchen. Mit der P2P-Sperre der US-Server verhinderte man auf jeden Fall eine drohende Klage und kommt der außergerichtlichen Einigung nach, wie Bleepingcomputer herausgefunden hat. Dort heißt es auch, laut Klage habe es über 100.000 Copyright-Verstöße gegeben, die der Anbieter nicht unterbunden hat. Das gilt insbesondere für IP-Adressen, die man vom Webhoster QuadraNet angemietet hatte. Betroffen waren vor allem die SOCKS5 Proxy-Dienste für Online-Piraten.

Mit dem Tor-Netzwerk hat der VPN-Anbieter trotz der Namensähnlichkeit übrigens nichts gemeinsam.

Tarnkappe.info


Über

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.