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Paris 2019. Foto von Lars Sobiraj.

FBI wollte Pegasus-Hacking-Tool für Ermittlungen

Laut einem Artikel der New York Times bat das FBI die israelische Regierung schon im Jahr 2018, ihnen Zugang zu Pegasus zu gewähren.

Die NSO Group, der Hersteller von Pegasus, muss vor dem Verkauf ihrer Spyware an ausländische Behörden jeweils die Genehmigung der Regierung in Jerusalem einholen. Die US-Sicherheitsbehörde FBI (Federal Bureau of Investigation) verschickte vor vier Jahren einen Brief an die israelische Regierung. Ein ranghoher Mitarbeiter bat zu Ermittlungszwecken um die Erlaubnis zur Nutzung der Spionagesoftware Pegasus.

FBI wollte Pegasus angeblich nur zu Testzwecken einsetzen

Laut dem Schreiben, welches der Redaktion der New York Times (NYT) vorliegt, hat das FBI bereits die Nutzungsrechte an Pegasus erworben. Damit kann man jeglichen Schutz der Privatsphäre der Hersteller der Smartphones knacken. Es geht darum, alle Daten wie Kurznachrichten, Anrufe, Chatverläufe, Browserverläufe und vieles mehr an die eigenen Server zu übertragen. Nach der Infektion mit der Spähsoftware der NSO Group verwandelt sich das Smartphone in eine tragbare digitale Wanze. Letzteres gilt vor allem für Phantom, die Weiterentwicklung von Pegasus.

Das FBI wollte Pegasus „für die Sammlung von Daten von mobilen Geräten zu nutzen zur Verhinderung und Untersuchung von Verbrechen und Terrorismus einsetzen“ , hieß es in dem Brief. Dies sollte unter Einhaltung der nationalen Datenschutz- und Sicherheitsgesetze geschehen. Laut der New York Times haben Mitarbeiter des FBI Pegasus nach dem Kauf in einer geheim gehaltenen Einrichtung in New Jersey getestet. Angeblich habe man das Spionagetool primär gekauft, um es zu testen und dessen Fähigkeiten zu bewerten. Dies geschah auch, um den Einsatz der Schadsoftware durch Kriminelle besser beurteilen zu können. Nach eigenen Angaben habe man Pegasus nie zu anderen Zwecken eingesetzt.

Interesse am Hacker-Tool Phantom bekundet

Laut der New York Times hat sich das FBI auch das Hacker-Tool Phantom vorführen lassen, was eine noch größere Kontrolle über die betroffenen Geräte ermöglicht. Mittels Phantom ist es möglich, US-Handynummern anzuvisieren und die Geräte regelrecht zu infiltrieren. Erst im Sommer letzten Jahres entschloss sich das US-Justizministerium in Zusammenarbeit mit dem FBI gegen den Kauf der Nutzungsrechte von Phantom. Eine offenbar geleakte Broschüre für das Produkt Phantom kann man hier einsehen.

Die CIA war in Ostafrika im Land Dschibuti aktiv. Die Agenten waren beim Kauf von Waffen und von Pegasus behilflich. Dies geschah trotz langjähriger Bedenken wegen der dortigen Menschenrechtsverletzungen der Regierung dieses Landes.

Pegasus als Ursache einer großen spanischen Regierungskrise

Pegasus

Pegasus wurde nachweislich mehrfach von autoritären als auch von demokratischen Regierungen missbraucht, um Journalisten, Menschenrechtsaktivisten und politische Dissidenten auszuspionieren. Auch Facebook soll vor zwei Jahren Interesse an Pegasus bekundet haben.

Datenschutzskanal in Spanien

Nur ein abschließendes Beispiel: Vergangenen Dienstag wurde die Direktorin des spanischen Geheimdienstes CNI entlassen, nachdem bekannt wurde, dass spanische Beamte die Spionagesoftware Pegasus sowohl eingesetzt haben als auch Opfer davon wurden. Der Pegasus-Skandal löste in Spanien eine der schwersten Regierungskrisen der vergangenen Jahre aus. Auch nach der Kündigung von Paz Esteban wackelt weiterhin der Stuhl des spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez.

Tarnkappe.info


Über

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.