Amsterdam: Verkauf gebrauchter E-Books legal

Article by · 24. Juli 2014 ·

tom kabinet
Dem Online-Store Tom Kabinet sollte verboten werden, gebrauchte E-Books zum Verkauf anzubieten. Ein Amsterdamer Gericht entschied am Montag zugunsten des Anbieters. Die einstweilige Verfügung der Dutch Publishers Association wurde zurückgewiesen, der Store darf weiterhin betrieben werden. Per Definition sei dies nicht illegal. Allerdings wurde auf EU-Ebene nicht exakt genug definiert, unter welchen Voraussetzungen der Verkauf digitaler Werke erlaubt ist.

Bereits vor zwei Jahren entschied der Europäische Gerichtshof, dass der Verkauf von Software oder Spielen selbst dann legal sei, wenn keine physikalische Kopie verfügbar ist. Somit ist selbst der Handel mit Lizenzen im B2B-Sektor möglich.

Das Gericht in Amsterdam kam hingegen zu dem Urteil, der Händler agiere in einer rechtlichen Grauzone. Die klagenden Verlagshäuser äußerten ihre Bedenken, es könnten bei Tom Kabinet auch Schwarzkopien zum Verkauf angeboten werden. Bei der Urteilsfindung spielten mehrere Faktoren eine Rolle. Einerseits geht Tom Kabinet aktiv gegen Schwarzkopien vor. Andererseits hat das Unternehmen ein eigenes Kompensationsprogramm für Autoren und Verleger eingeführt. Der Verband kritisierte, dass die Einführung nicht vorher angekündigt wurde. Auch betrachtet die Dutch Publishers Association die Verpflichtung überaus skeptisch, dass die Anbieter ihre Dateien nach dem vollzogenen Verkauf löschen müssen. Sie befürchten, dass diverse Verkäufer ihre Werke auch nach dem vollzogenen Verkauf behalten könnten.

Gegen das Angebot gebrauchter digitaler Werke wenden sich die Rechteinhaber solange es sie gibt. Im Gegensatz zu Schallplatten, Tonbändern oder Musikkassetten kommt es zu keiner Abnutzung bei E-Books, MP3-Dateien, Programme oder Filmen. Auch nach vielen Jahren können sie ohne jede Einschränkung konsumiert werden.

Trotz der Ablehnung der einstweiligen Verfügung ist die Auseinandersetzung damit nicht beendet. Die Geschäftsleitung des Gebrauchtwarenhändlers gab dementsprechend bekannt, es sei noch ein langer Weg bis zur endgütigen Klärung der Rechtslage. Im Urteil wurde den Klägern der Gang nach Luxemburg zur nächst höheren juristischen Instanz der EU geraten. Sprecher der Vereinigung sagten, bis zur Entscheidung werden mehrere Jahre vergehen, während die Schäden der Verlage ständig zunehmen. Während die Preise für neue E-Books in den Niederlanden bei durchschnittlich 14 Euro liegen, werden die Werke bei Tom Kabinet für durchschnittlich 3 bis 8 Euro angeboten. Das Modell ist so erfolgreich, dass die Betreiber ihr Angebot wegen der technischen Überlastung nicht ohne Aussetzer anbieten konnten. Das Problem wird derzeit behoben, wie Mitbegründer Laurens van Hoorn bekannt gab.

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