Wie sicher ist Sharefest?

Mancherorts wird Filesharing via Sharefest als anonym und abmahnsicher angepriesen. Sicher ist bisher nur, dass im Mai 2010 die Rechte an der Technik WebRTC von Google gekauft wurden. Die Kommunikation basiert auf einem offenen Standard und wurde bisher primär für Video-Telefonie verwendet. Kann man wegen der Filesharing-Plattform Sharefest Abmahnungen erhalten?


Bei GitHub wird Sharefest als Sharing-Applikation beschrieben, die ohne jeden Server auskommt. Im Gegensatz zur Sharefest-Webseite steht bei Github aber nichts davon, dass der Austausch von Dateien damit anonym und somit abmahnsicher wäre. Die Bedienung ist dabei denkbar einfach. Archiv oder Datei zum Upload angeben, den Link per E-Mail, Facebook, Twitter, G+ oder auf dem eigenen Blog ankündigen, den Browser-Tab bis zum Ende des Transfers offen lassen, fertig. Sharefest basiert auf HTML5 und funktioniert mit einer aktuellen Version vom Firefox und Chrome.

Ein zentraler Server verwaltet die Transfers untereinander. Von daher wäre es für Rechteinhaber (siehe Napster) möglich, durch Abschalten dieses zentralen Servers dem Treiben ein Ende zu setzen. Die Benutzung der Open Source Software sichert einen nicht gegen Abmahnungen ab. Wer das tun will, muss zusätzlich seine IP verschleiern, indem beispielsweise ein VPN-Anbieter in Anspruch genommen wird. In dem Fall könnte man auch auf einen regulären BitTorrent-Client zurückgreifen. Der einzige erkennbare Unterschied zwischen regulären P2P-Transfers und solchen, die per WebRTC durchgeführt werden, ist, dass der Einsatz von WebRTC für einen Dateiaustausch noch sehr neuartig ist. Von daher ist die Gefahr von Abmahnungen möglicherweise geringer, weil die Rechteinhaber (z.B. Verlage) und deren IT Dienstleister vielleicht noch nicht auf diesen Zug aufgesprungen sind.

Wer meint, er müsse via Sharefest von Spiegelbest die 90 aktuellen Titel der Spiegel Bestsellerliste herunterladen, soll dies bitte auf eigene Gefahr tun. Davon kann zum jetzigen Zeitpunkt nur abgeraten werden! So lautet auch das Fazit der Diskussionsteilnehmer bei hackerboard.de. Sobald die kritische Masse erreicht wird, werden sich auch die ersten Rechteinhaber für diese neuartige Technik interessieren. Nur weil etwas bisher noch nicht passiert ist, heißt es nicht, dass den Nutzern auch in Zukunft keine Abmahnungen drohen.

sharefest_logoHoffen wir, dass Sharefest nicht dem traurigen Beispiel von Retroshare folgen wird. Retroshare galt bei vielen Anwendern so lange als sicher, bis die ersten Abmahnungen ausgesprochen und vom LG Hamburg bestätigt wurden.

Update: Ich habe letzte Woche den Programmierer von Sharefest via Twitter kontaktiert. Ich möchte von ihm wissen, ob die Transfers tatsächlich anonym sind. Leider hat er mir bisher nicht geantwortet.

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.

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5 Kommentare

  1. datroubler sagt:

    Retroshare ist nach wie vor sicher. Die Behauptung im Artikel ist gewagt. So wie es aussieht hat Rasch den Vorfall selbst inszeniert um das Netzwerk madig zu machen. Darüber hinaus wird sich für Abmahnanwälte Retroshare nicht lohnen und man kann sich auch dagegen schützen, man ist ja selbst verantwortlich wen man in seine Freundesliste aufnimmt.

  2. Luca sagt:

    Abgesehen davon, dass das Logo von Sharefest mistig ist, ist das doch auch nur ein weiterer der 1000 Dienste, die mit Filesharing zu tun haben und unsicher sind.

    Ich nutze Torrent und habe noch nie eine Abmahnung erhalten, was vermutlich auch daran liegt, dass ich damit hauptsächlich legale Software herunterlade. In dem Zusammenhang finde ich Frostwire ganz nett, habe damit aber noch nicht so viel geladen, weil mir das Interface nicht gefällt.

    Bei Frostwire kann man nämlich seit neustem auch den Urhebern der Torrents Geld via Kryptowährung schicken. Das finde ich einen sehr guten Ansatz, aber vermutlich wird der wie z.B. Flattr auch nur wenig genutzt werden. Schade eigentlich.

  3. allyoucanread sagt:

    „… IP verschleiern, indem beispielsweise ein VPN-Anbieter in Anspruch genommen wird“

    … nimm Chrome UND das plugin von Zenmate … ;-)

  4. Ein Sharer sagt:

    Schade. Ich dachte, ShareFest ist echt sicher.

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