Video: Creative Commons nutzen allen – auch GEMA?

Article by · 12. Oktober 2014 ·

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Update Mo 13.10.2014 – Wer hat im Internet nicht schon fremde Bilder Fotos Logos Musik Videos geladen – ohne groß um Erlaubnis zu ersuchen… Und dann das auf den eigenen Blog gestellt. Wer Abmahnungen vermeiden will, fragt sich: Wie sieht es rechtlich aus? Unser Video der Woche empfiehlt CC-Lizenzen. Was ist das?

Fazit 1: Bei fremden Dingen immer nach dem (den) Rechten schauen – im Idealfall haben sie eine CC-Lizenz.

Dieser Artikel beschreibt den Inhalt des Videos der Woche zum Thema CC Creative Common-Lizenzen. Das Video “Im Interview” ist ein Bericht von Sobiraj & Solmecke über die einfache Nutzung von CC für jedermann. Creative Commons ist der Internet-Gedanke as its best: Respekt vor der Leistung anderer bei Nutzungsmöglichkeit für alle. Wie geht das?

Geben CC Rechtssicherheit?

Viele können oder wollen kein Geld für Fotos, Texte etc ausgeben. Andere möchten bereits Existierendes weiter bearbeiten. Bei beiden kommt das Urheberrecht dazwischen. Kann man 2 gegensätzliche Dinge vereinbaren: Eigentumsschutz (der auch Gedanken und anderes immaterielle beinhaltet) und andererseits freie Nutzung? Yes we can. Zum Beispiel in dem der Urheber nach seiner Wahl seine Rechte öffnet. So können andere was damit machen – bis hin zur Veränderung. Diesen Gedanken hatten 2001 neben dem Rechtsprofessor Prof Lawrence Lessig auch weitere Internetvordenker. Gemeinsam entwickelten sie unter dem Stichwort Creative Commons CC verschiedene Lizenztypen zur Nutzung von Werken: von stark eingeschränkt (z.B. nicht für kommerzielle Nutzung, nicht verändern) bis hin zur freien Nutzung mit weit gehendem Verzicht auf das Urheberrecht (z.B. für kommerzielle Nutzung frei). Das Ganze hat sich innert 10 Jahren stark entwickelt: heute ist CC eine gemeinnützige internationale Organisation mit Ablegern in vielen Ländern, so auch in Deutschland.

Contra: “nur Urheber & GEMA, sonst keiner”

So gesehen ist CC eine typisch amerikanische Idee – so ganz anders als das deutsche Urheberrecht mit seinen Gralshütern GVU und  GEMA… Oder ist CC eher eine typische Idee des Digitalen, der neuen Welt – im Gegensatz zur analogen, alten Welt? Wie auch immer:
Fazit 2: CC ist für den Schöpfer/Besitzer eine simple Methode, um selber festzulegen was andere mit seinem Werk machen dürfen – bis hin zu Weitergabe & Veränderung. Und für den User/Benutzer eine simple Methode, das sofort auf einen Blick zu erkennen – und so rechtlich auf Nummer sicher zu gehen. Denn egal ob Musik Bilder Grafiken Logos Filme… alles kann man mit CC versehen. So einfach, das es jeder verstehen kann (s. Comic). Eine Erfolgsstory, die schon nach wenigen Jahren international einen Standard gesetzt hat – auch wenn es damit noch nicht Rechtssicherheit gibt. Im Internet findet sich zwar viel CC-lizensiertes Material:  Fotos (z.B. flickr / pixabay), Musik (z.B. Jamendo / FMA / soundcloud) und Filme (z.B. YouTube) sowie andere Dinge (Zeichnungen, Landkarten, Symbole, Töne, Reden…) – gratis und zur freien Nutzung bei entsprechender CC Lizenz. Und es wird immer mehr, bereits kommen neue Bereiche hinzu wie TV-Sendungen (BBC, ZDF, BR, NDR) und Literatur (Francis Nenik, Cory Doctorow). Es gibt aber auch Haare in der Suppe – Thx an Volker Riek: so sei deutlich gesagt, dass es unter Juristen und Gerichten weiterhin Diskussionen gibt über CC (“Das musste kürzlich die Webseite eines ÖR Senders erfahren, die ein CC NC Bild benutzt haben und danach verklagt wurden. Sie haben verloren. Es ist bisher nämlich überhaupt nicht geklärt, jedenfalls nicht höchstrichterlich, was nicht-kommerziell ist.” Volker Riek). Unter anderem scheint es Klärungsbedarf hinsichtlich bestimmter Punkte zu geben (z.B. Leistungsschutzrechte). Und nicht zuletzt das unterschiedliche Rechtsverständnis zwischen US-amerikanisch und deutsch/europäisch lässt einiges ungeklärt. Dies sollte man wissen bei Benutzung von CC. Die positiven Aspekten jedoch scheinen die Richtung zu weisen – mal sehen wie weit CC sich in 5 Jahren entwickelt hat.

Video: Christian Solmecke & Tarnkappe.info über Creative Commons

 Nur 4 CC-Symbole merken

Die Grundlage des CC-Gedankens bilden 4 unterschiedliche Symbole mit Buchstaben (s. Grafik), die vom Werk-Rechteinhaber zu Kern-Lizenzen kombiniert werden können. Besonders interessant ist hierbei die CC-Lizenz, die kommerzielle Nutzung (NC Non-Commercial) nicht erlaubt – also z.B. CC BY-NC-ND. Diese Frage erläutern Sobiraj & Solmecke im Video ausführlich. Denn ist kommerziell schon…
– wenn ein Bild auf einer Firmen-Homepage eingesetzt wird? Antwort: Ja zu 100 % das ist kommerziell.
– wenn ein Bild auf dem privaten Blog eingesetzt wird, auf dem Blog ist Werbung zur Deckung der Hostingkosten? Antwort: Ja – wenn auch nicht zu 100% aber dennoch eher kommerziell.
– wenn ein Bild auf der Homepage einer öffentlichen Schule auftaucht? Antwort: Ja, wenn auch nicht zu 100 % da diese Schule zwar nicht kommerziell ist, aber die Handlung ist im kommerziellen Kontext erfolgt.

CC

Fazit 3:
Für User/Benutzer: auf Nummer sicher gehen und nur diejenige CC-Lizenz nehmen, die kommerzielle Nutzung (und Veränderung) erlaubt – am besten in der aktuellen Version (Stand 2014: Version 4.0)
Für Schöpfer/Besitzer: besser ebenfalls dieselbe CC-Lizenz nehmen wenn ich will dass möglichst viele von meinem Werk (Bild, Foto, Musik) erfahren. Denn sonst ist der Nutzerkreis so stark eingeschränkt, dass mein Werk ein Schattendasein führt. Wer seinen Bekanntheitsgrad vergrössern will, nimmt bewusst in kauf dass andere mit dem Werk Geld verdienen können.

Bilder-Suche mit CC

Die Suche nach CC-lizensierten Material ist einfach: z.B. bei Fotos/Bildern auf Flickr wie auch bei google kann man bei der Such-Eingabe unter Einstellungen/erweiterte Einstellungen/ die Nutzungsrechte definieren: frei zu nutzen / weiterzugeben / zu verändern / auch für kommerzielle Zwecke. Dementsprechend erscheinen dann sortiert die Bilder. Als ein Beispiel für ein nutzerfreundliches Bilderportal sei piqs.de erwähnt – Zitat “Alle Fotos können kostenfrei für eigene (Web-)Projekte verwendet werden, selbst wenn diese kommerziell sind… Voraussetzung: Namen des Autors und des Bildes nennen – Hinweis und Link auf die Lizenz „Some rights reserved.“ und „Quelle: www.piqs.de“.

Wichtig: Der CC-Gedanke will nicht grundsätzlich Eigentumsrechte missachten, sondern für Besitzer und Benutzer eine einfache Lösung zur Nutzung bieten. Und das ist überzeugend gelungen.
Fazit 4: CC Lizenzen setzen nicht das Urheberrecht ausser Kraft – trotzdem ist z.B. CC-Musik GEMA frei– Interessant ist die weitere Entwicklung: läutet CC z.B. das Ende von GEMA & GVU ein? Oder sind beide fähig sich zu reformieren – das wäre wünschenswert, da sie sich nicht kommerzieller Selbstzweck sind sondern einen gesellschaftlichen Auftrag im Sinne eines Dienstes am Besitzer UND am Nutzer erfüllen.

Bildquelle von oben nach unten – thx an: „CC guidant les contributeurs“ von E. Delacroix CC-BY-SA 3.0 / wikipedia CC-BY-SA 3.0

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3 Comments

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    Volker Rieck

    Bei allem Respekt, aber CC gibt eben keine Rechtssicherheit. Aktuelle Fälle gibt es genug.

    Das scheidet sich nämlich schon an dem Attribut NC. Das musste kürzlich die Webseite eines ÖR Senders erfahren, die ein CC NC Bild benutzt haben und danach verklagt wurden. Sie haben verloren.
    Es ist bisher nämlich überhaupt nicht geklärt, jedenfalls nicht höchstrichterlich, was nicht-kommerziell ist.
    Und solange das so ist, muss man auf Vermutungen setzen.
    CC ist Urheberrecht pur, es sind lediglich Lizenzsets. Aber leider keine mit Rechtssicherheit.
    Bei Fazit 2 wäre ich nebenbei sehr vorsichtig. Eine Sendung aus dem ÖR Bereich berührt so viele Rechte, da ist es sehr unwahrscheinlich, dass alle Rechteinhaber sich zu CC bereiterklären.
    Wir haben neben dem Urheberrecht ja auch noch das Leistungsschutzrecht.

    Man übrigens nicht auf sein Urheberrecht verzichten. In den USA kann man es übertragen. In Deutschland bleibt man immer der Urheber. Man kann allenfalls die Nutzung freigeben. Und alleine wegen dieser Unterschiede in den Rechtssystemen birgt CC viele Fallstricke. Diese Unterschiede hat der gepriesene Prof. Lessig übrigens bis heute nicht verstanden. Der gurkt durch Europa mit seinem US Rechtsverständnis und wundert sich, dass es nicht wirklich passt.

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      Danke für die Info. wir haben den Artikel angepasst. Gerne laden wir ein Gastartikeln zu schreiben – nicht nur zu diesem Thema. Willkommen!

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        Volker Rieck

        Leider falsch angepasst.
        CC gibt eben keine Rechtssicherheit. Das steht da aber nach wie vor als Überschrift.
        Sehr merkwürdig finde ich die Erwähnung der GEMA und der GVU.
        GEMA und Verwertungsgesellschaft wäre noch einmal ein ganz eigenes Thema und die GVU kümmert sich um Urheberrechtsverletzungen gewerblichen Ausmaßes.
        Gralshüter ist eher die Gesetzeslage in Deutschland. Was soll denn da bei den Organisationen reformiert werden? Es kann sich allenfalls an der Rechtslage etwas ändern. Und ob wie work for hire bekommen wie in den USA, das bezweifle ich doch etwas.

        Es gibt Bereiche, da macht CC durchaus Sinn. Aber es gibt keine Rechtssicherheit.
        In unserem Recht gibt z. B. keinen gutgläubigen Erwerb von Rechten.
        Kaufe ich ein Bildrecht und es stellt sich heraus, dass der Verkäufer die Rechte gar nicht hatte, dann habe ich ein Problem. Bei CC hilft mir der Hinweis auf CC genauso wenig wie bei Nicht CC Werken.
        Nebenbei konnte man immer einen Rechteinhaber fragen, wenn man sein Werk nutzen wollte. Die Icons von CC machen es nur etwas einfacher.

        Ich denke, es wäre besser gewesen, den Artikel noch mal checken zu lassen.
        Auch als Nicht-Jurist fallen einem da etliche Punkte auf, die nicht wirklich überzeugend erklärt sind. Weitergehender Verzicht auf das Urheberrecht ist so ein Klops.
        Man verzichtet auf eine Nutzungsvergütung, das ist aber etwas anderes.

        Danke übrigens für die Einladung, aber das werde ich nicht machen.


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