Türkei blockiert Tor und VPN-Anbieter: Meinungsfreiheit beeinträchtigt

Goodbye Informationsfreiheit: Die Regierung der Türkei hat kürzlich die Sperre des Anonymisierungs-Netzerks Tor und unzähliger VPN-Anbieter vollzogen.

Türkei

Türkei. Die Regierung unter Präsident Erdogan hat kürzlich die Sperre des Anonymisierungs-Netzerks Tor und unzähliger VPN-Anbieter vollzogen. Damit entfernt sich das Land weiter von jeglicher Presse- und Meinungsfreiheit. In den letzten Wochen ist das Land bereits aufgrund seiner Sperren von Dropbox, Facebook, Twitter, WhatsApp, Wikipedia und YouTube negativ aufgefallen.

Turkey Blocks meldet Netzsperren der Türkei

Das Projekt Turkey Blocks überprüft die Erreichbarkeit von sozialen Netzwerken, Online-Diensten und Webseiten in der Türkei. Nach dem gescheiterten Putschversuch im Juli dieses Jahres wurden diverse soziale Netzwerke zeitweise gesperrt. Da man die Blockade von VPN-Anbietern effektiver durchsetzen will, so Turkey Blocks, setze man jetzt auch Sperren des Tor-Netzwerkes ein. Bisher konnten türkische Nutzer die Sperre von Diensten wie Dropbox, Github oder Wikipedia mithilfe von Anonymisierungsdiensten umgehen, dies soll künftig nach Ansicht der Regierungspartei AKP nicht mehr möglich sein.


Hintergrund

Seit Anfang Dezember setzt die Regierung der Türkei massiven Druck auf VPN-Anbieter aus. Die gewollten Störungen der verschlüsselten Verbindungen seien noch nicht zu 100% umgesetzt, das soll aber schon bald der Fall sein. Im Oktober kam es zu Sperren von Google Drive, Microsoft OneDrive und anderen Cloud-Anbietern. Auch wurden in den vergangenen Monaten immer wieder soziale Netzwerke gesperrt. Selbst der Zugang zur Online-Enzyklopädie Wikipedia wurde mit technischen Mitteln stark eingeschränkt.

Meinungs- und Pressefreiheit eingeschränkt

Die Watchdogs von Turkey Blocks bemängeln durch die Blockaden zusätzliche Einschränkungen der Informations-, Presse- und Meinungsfreiheit innerhalb der Türkei. Derzeit sei es noch möglich, mithilfe von einem SSH Tunnel oder Proxy die Zensurvorhaben der Regierung zu umgehen, diese Möglichkeiten stehen aber natürlich nicht jedem Nutzer zur Verfügung. Zudem ist es nur eine Frage der Zeit, bis man auch diese Optionen technisch ausbremst. Die Internetanbieter müssen der Regierung jede Woche einen Bericht vorlegen um zu beweisen, dass die geforderten Zensurmaßnahmen zeitnah umgesetzt werden.

Tarnkappe.info

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.