Tor-Exit-Node: niederbayerischer Schüler erhält Hardware zurück

Kürzlich wurde bei einem niederbayerischen Schüler, der eine Tor-Exit-Node betreibt, eine Razzia durchgeführt. Die Angelegenheit geht offenbar gut für ihn aus. Er erhält seine Hardware zurück. Das Schreiben des zuständigen Staatsanwaltes lässt zudem hoffen, dass das Verfahren schon bald eingestellt wird.

tor-exit-nodeWir erinnern uns: Ein zur Tatzeit 17-Jähriger hatte bei Hetzner einen Server angemietet, um damit eine Tor-Exit-Node zu betreiben. Anhand der Daten, die die deutsche Niederlassung des Webhosters an die Kriminalpolizei weitergereicht hat, wurde acht Monate später ein Durchsuchungsbeschluss ausgestellt. Wegen des Verdachts der Verbreitung von kinderpornografischen Werken wurde am 05. Februar 2019 das Smartphone des Verdächtigen, sein Laptop (ohne Festplatte!!!) und der PC der Mutter beschlagnahmt. Das Gerät der Mutter hätte man wahrscheinlich gar nicht beschlagnahmen dürfen. Außerdem ist höchst fraglich, was die Polizei in der Asservatenkammer mit einem Laptop ohne jeglichen Datenspeicher anfangen will!?


Mit Datum vom 14. Februar teilt nun die Generalstaatsanwaltschaft Bamberg, Zentralstelle Cybercrime Bayern, seinem Anwalt mit, dass die sichergestellten Geräte dem Beschuldigten auszuhändigen seien. Die Kriminalpolizei wurde entsprechend instruiert.

Wohl keine Anklage, aber vorerst auch keine Akteneinsicht!

torDer Staatsanwalt gewährt die Akteneinsicht erst nach Abschluss der Ermittlungen. Sehr viel hoffnungsvoller klingt der abschließende Satz des Schreibens: „Vermutlich wird das Verfahren nach § 170 Abs. 2 StPO einzustellen sein.“ Die Polizei hat wohl gemerkt, dass hier ein Dritter an den Tatvorwürfen beteiligt war und sie dem jungen Mann nichts vorwerfen können. Nichts außer dem Risiko, juristische Auseinandersetzungen aufgrund seiner beiden Tor-Exit-Nodes eingegangen zu sein. Die beiden Tor-Exit-Nodes betreibt er weiterhin, er lässt sich von den Kipo-Vorwürfen nicht abschrecken und lehnt es auch ab, falsche Daten bei seinen Webhostern anzugeben, wie einzelne User dies bei uns im Forum vorgeschlagen haben. Betreiber von Tor-Servern sind zumeist Überzeugungstäter und gehen die Risiken sehenden Auges ein.

Es wäre trotzdem sinnvoller gewesen, zeitnah (innerhalb der ersten 7 Tage!) im Rechenzentrum von Hetzer zu probieren, an die IP-Adresse des Downloaders der fraglichen Werke zu gelangen. Jetzt ist es sowieso für alles weitere viel zu spät.

Razzia wegen einer Tor-Exit-Node? Die Zwiebelfreunde helfen!

torservers.netMitglieder des Vereins Zwiebelfreunde haben im Vorfeld schon in einem anderen Fall in NRW, der ähnlich gelagert war, mit Rat und Tat geholfen. Wer als Administrator eines Tor-Servers Probleme mit der Polizei bekommt, darf sich dort gerne melden. Wer die Zwiebelfreunde hingegen mit einer Spende unterstützen möchte, kann dies hier tun. Spenden können mittels Benevity, Überweisung, PayPal, Kryptowährungen, Kreditkarte oder Geld in einem Umschlag durchgeführt werden.

Tarnkappe.info

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.

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