Spiegelbest ist endgültig untergetaucht (Kommentar)

Spiegelbest hat ohne Vorwarnung alle Brücken hinter sich abgebrochen. Keine der uns bekannten E-Mail-Adressen funktioniert. Welche Gründe gibt es dafür?

spiegelbest, lesen.to, E-Book-Razzia
spiegelbest, lesen.to, E-Book-Razzia Foto Alex Holzknecht – (CC BY 2.0).

Schon vor zwei Wochen hat Spiegelbest ohne Vorwarnung alle Brücken hinter sich abgebrochen. Keine der uns bekannten E-Mail-Adressen funktioniert, sie wurden alle abgemeldet. Mehrere Dinge könnten dafür ursächlich sein.

Der E-Book-Pirat Spiegelbest aka Watchdog hat alle uns bekannten E-Mail-Adressen deaktiviert. Es gab keinen Abschied, keine Erklärung, nichts. Entweder er wurde zwischenzeitlich von der dortigen Staatsanwaltschaft oder von einem der LKAs identifiziert – oder aber er hat sich aus Sicherheitsgründen zurückgezogen. Spiegelbest hat sehr lange mit diesem Schritt gewartet. Aufgrund seines ausgeprägten Egos fiel es ihm offensichtlich sehr schwer, nicht mehr in irgendeiner Weise seine Botschaften zu verbreiten – sei es als Kommentar oder als Gastartikel bei der Tarnkappe. Kurz vor Ende kontaktierte er noch den Medienanwalt Christian Solmecke wegen einer Fachfrage. Danach trat völlige Funkstille ein.

Was führte zum Untertauchen von Spiegelbest?

Die alles entscheidende Frage ist, ob die 35 Durchsuchungen, die am 9.12. u.a. in Verbindung mit seinem Blog und Forum standen, neue Erkenntnisse hervorgebracht haben. Wenn ja, wurde Spiegelbest als ehemaliger Mitbetreiber von Torboox und Gründer seines E-Book-Tauschkreises identifiziert. Wenn nicht, ist es dennoch sehr eng für ihn geworden.

Spiegelbest hat in E-Mails (Es bestand nie ein telefonischer Kontakt!) häufiger seine Ehefrau erwähnt. Seine Partnerin hat ihn wahrscheinlich wegen der ganzen Busts ins Gebet genommen. Wenn er noch nicht hochgenommen wurde, entging er der Strafe um Haaresbreite. Sich hier zu präsentieren, seine Meinung und Theorien zu verbreiten, hat ihm sehr viel Spaß gemacht. Doch es kommt für jeden irgendwann der Zeitpunkt, an dem selbst die spannendste Sache zu Ende gebracht werden muss. Wie gesagt, eigentlich hätte er längst aus Sicherheitsgründen untertauchen sollen. Wenn ich spekulieren darf, dann hat ihn sein ausgeprägtes Ego daran gehindert. Er braucht Publikum, er braucht Unruhe und Diskurs. Selbst gehasst und angefeindet zu werden, genießt er. Nichts ist schlimmer, als gar keine Aufmerksamkeit mehr zu erhalten.

Lieber Fakten statt ewiger Spekulationen

spiegelbest

Wir haben damals den Namen des Autoren schon nach wenigen Beiträgen, die unter Watchdog veröffentlicht wurden, wieder in Spiegelbest geändert. Bereits nach dem ersten Posting schrieb uns jemand auf Twitter an, der seinen Stil erkannt hat. Wenig später kamen auch hier die ersten ähnlich lautenden Kommentare. Ich fragte ihn dann, ob wir das Versteckspiel nicht lieber beenden sollen. Sein Schreibstil ist sehr leicht zu erkennen. Ihm machte es auch nur Spaß, wenn er „frei Schnauze“ schreiben konnte. Der Spaßfaktor wäre gegen null gegangen, wenn er versucht hätte, einen fremden Schreibstil zu imitieren.

Natürlich gefiel es ihm nicht, dass ich (als Chefredakteur) irgendwann von seinen ganzen wilden Spekulationen die Nase voll hatte. Auch das mag am Ende ausschlaggebend gewesen sein. Ich bat ihn, sich an die Fakten zu halten und seine Aussagen besser zu überprüfen. Das Thema Szene hat ihn aber ehedem nicht mehr so sehr gereizt. Für ihn war dazu einfach alles gesagt.

Image: Alex Holzknecht, thx! – (CC BY 2.0).
Tarnkappe.info

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.