Schießt PropellerAds den Graubereich ab?

Der Digital-Vermarkter PropellerAds verlangt neuerdings Ausweiskopien von seinen Kunden. Die Anbieter aus dem Graubereich werden allerdings am kürzlich eingeführten KYC-System des Anbieters wenig Freude haben.

Tunny, der diverse Portale des Graubereichs betreibt, geht davon aus, dass der Werbevermarkter PropellerAds wahrscheinlich mehr als die Hälfte seiner Kunden im Webwarez-Sektor akquiriert hat. Diese Kunden wird man wohl über kurz oder lang verlieren. Das Unternehmen ist dazu übergegangen, von den Seiten-Betreibern das Einreichen einer Ausweiskopie zu verlangen. Das Know Your Customer-System (KYC) wird primär von Banken und Kryptobörsen zur Legitimationsprüfung eingesetzt. Es soll jeglichen Betrug verhindern. Es sorgt aber auch dafür, dass (ohne zusätzliche Tricks) kein Werbepartner mehr anonym sein kann. Im Brief (siehe Screenshot unten) heißt es auch, eine Weigerung könne dazu führen, dass der Account blockiert wird.


Wir haben kürzlich eine Presseanfrage an das Unternehmen geschickt, die noch unbeantwortet ist. Geantwortet hat allerdings nach Auskunft von Tunny ein PropellerAds-Mitarbeiter, der auf seinem Blog den Strategiewechsel des Vermarkters verteidigt. Diese Vorgehensweise „eliminiere potenziell alle Risiken illegaler Absichten“ und schütze die Kunden vor einem Zugriff Fremder auf ihr Konto, heißt es im Kommentarbereich von tunny.to. Zudem sei das Unternehmen schon aufgrund der Existenz mehrerer Datenschutz-Gesetze dazu verpflichtet, die Privatsphäre personenbezogener Daten für in Europa ansässige Personen zu schützen und zu priorisieren. Gemeint ist hierbei wohl die Einhaltung der DSGVO. „Das KYC dient zu Finanzierungszwecken und soll verhindern, dass Banken absichtlich für Geldwäsche oder illegale Geldaktivitäten eingesetzt werden. Dennoch ist dies ein Thema zwischen dem Unternehmen und den Banken und hat nichts mit den persönlichen Daten der Kunden des Unternehmens zu tun.

PropellerAds

Screenshot: Die E-Mail von PropellerAds an Tunny. (Auszug)

PropellerAds: Hintergründe des Strategiewechsels ungeklärt

Das sieht Tunny aka Vlado, der Betreiber von ddl.to, vup.to und anderen Webseiten, ganz anders. Er besitzt naturgemäß kein Interesse daran, mehr Unternehmen als nötig seine Identität preiszugeben. Er wird PropellerAds als Werbepartner laut seinem Blogeintrag den Rücken zukehren. Künftig will er ausschließlich mit Firmen zusammenarbeiten, die von ihm keine Ausweiskopie verlangen.

PropellerAds

Wir hätten gerne gewusst, ob man auf das Unternehmen in letzter Zeit juristischen Druck ausgeübt hat. Oder wie PropellerAds dazu kommt, auf so viele potenzielle Werbepartner verzichten zu wollen?! Liegt es wirklich nur an der Zusammenarbeit mit den Banken? Oder gibt es für die Anfrage bei den ganzen Kunden noch andere Gründe? Eine der beiden Niederlassungen des Unternehmens befindet sich auf der Insel Zypern und liegt somit innerhalb der Europäischen Union. Das könnte die neue Unternehmensstrategie möglicherweise erklären.

Update vom 26.03.2019: Wir erhielten vorhin eine E-Mail von einem namentlich nicht genannten Mitarbeiter des Unternehmens. Auf diverse Fragen ging man nicht ein. Die E-Mail lautet übersetzt:

Jeder Publisher (Betreiber einer Webseite) akzeptiert unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen, wo Sie den folgenden Punkt finden:

6.7. Hiermit erklären und garantieren Sie, Propeller Ads alle Unterlagen oder gleichwertige Unterlagen zur Verfügung zu stellen, die für die Identifizierung der Parteien, die Feststellung der rechtlichen Tatsache und die Erfüllung ihrer Verpflichtungen aus diesem Vertrag erforderlich sind, und zwar innerhalb von 15 Werktagen ab dem Datum der Anfrage. In bestimmten Fällen können wir alle Zahlungen zurückhalten, bis wir von Ihnen die entsprechenden Unterlagen erhalten. https://propellerads.com/terms/#pub-6

 

Tarnkappe.info

 

Beitragsbild von Matthew_T_Rader, thx! (Unsplash Lizenz)

"Schießt PropellerAds den Graubereich ab?", 5 out of 5 based on 6 ratings.

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.

Vielleicht gefällt dir auch