Rekognition: Amazon schreibt eigene Gesetzentwürfe zur Regulierung der Gesichtserkennung

Hat Amazon im Mai letzten Jahres noch zur Einführung seiner Gesichtserkennungssoftware „Rekognition“ mit dem Slogan geworben: „Ein Gesicht unter Millionen wiedererkennen“, so gehen sie aktuell noch einen Schritt weiter. Jeff Bezos gibt bekannt, Amazon würde eine Reihe von Gesetzentwürfen zur Regulierung der Gesichtserkennung in den USA schreiben, ihn den gesetzgebenden Institutionen und Politikern vorlegen und diese dann auffordern, so viel wie möglich davon zu übernehmen. Ziel der Aktion wäre es, geeignete Rahmenbedingungen für Amazons künftigen Software-Einsatz zu schaffen, berichtet das Onlinemagazin Vox.

Jeff Bezos zu neuem Vorhaben

Auf die Frage eines Reporters nach dem jährlichen Alexa-Gadget-Event von Amazon am Mittwoch in Seattle, kündigte CEO Jeff Bezos an: „Unser Public- Policy-Team arbeitet derzeit an Rechtsvorschriften zur Gesichtserkennung. Es ist sehr sinnvoll, das zu regulieren. Es ist ein perfektes Beispiel für etwas, das wirklich positive Auswirkungen hat, man sollte es nicht bremsen. Gleichzeitig birgt es aber auch Potential für einen Missbrauch dieser Art von Technologie, so dass Vorschriften nötig werden. Es ist eben eine klassische Dual-Use-Technologie.“ Weitere Details zu dem geplanten Projekt teilte Bezos nicht mit.


Rekognition: zwar leistungsstark aber auch fehleranfällig?

Rekognition ist eine Entwicklung der Firma Orbeus, die seit 2016 Amazon gehört. Mit der Software können Kunden Fotos und Videos der Gesichter von Personen in Echtzeit mit Datenbanken anderer Gesichtsfotos, z. B. von Kriminellen, abgleichen. Aber auch Emotionen von Personen werden erkannt, das Alter von Personen kann eingeschätzt werden, sogar Objekte, wie Fahrzeuge, könne Rekognition auf Bildern wiedererkennen. Zudem wäre das Programm in der Lage, nach vermissten Personen zu suchen.

Amazon hat die Technologie sowohl an Unternehmen, als auch an Strafverfolgungsbehörden vermarktet. Das, was Amazon als Vorteil der Gesichtserkennungssoftware Rekognition anpreist, wie eine „zeitnahe und präzise Verbrechensprävention“, gerät zunehmend unter Kritik. Gleich mehrere US-Bürgerrechtsorganisationen befürchten, dass mit Hilfe des Programms eine Art Überwachungsstaat aufgebaut werden könnte. Sie sehen im Einsatz der Software eine Gefahr für die Demokratie, vor allem deshalb, weil auch die Polizei das Programm nutzt.

In einem Test, den die American Civil Liberties Union (ACLU) im vergangnen Sommer durchgeführt hat, erwies sich Rekognition jedoch als unzuverlässig: Es wurden 28 Kongressmitglieder fälschlicherweise mit Fahndungsfotos von Personen abgeglichen, die ein Verbrechen begangen haben. Die fehlerhaften Übereinstimmungen trafen vor allem auf farbige Kongressmitglieder zu. Laut Amazon hat die ACLU lediglich die falsche Einstellung für die Software verwendet.

Die Stimme der Kritik

In einer Erklärung sagte Rechtsanwalt Jacob Snow von ACLU Northern CA:

„Es ist ein willkommenes Zeichen, dass Amazon die Gefahren der Gesichtserkennung endlich wahrnimmt. Aber wir haben dieses Szenario in der Vergangenheit schon gesehen. Sobald Unternehmen erkennen, dass Menschen starken Schutz der Privatsphäre fordern, bringen sie schwache Gesetze, die die Privatsphäre und die Rechte der Verbraucher nicht schützen. Städte im ganzen Land stimmen dafür, die Gesichtserkennung zu verbieten, während Amazon seine Überwachungstechnologie in den Gemeinden vertieft. “

San Francisco und Oakland in Kalifornien sowie Somerville, MA, haben die Verwendung der Gesichtserkennung durch Regierungsbehörden, einschließlich Strafverfolgungsbehörden, verboten.

tarnkappe.info

Bildquelle: geralt, thx! (Pixabay Lizenz)

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