Premiumize.me: Ermittlungen wegen Geldwäsche

Staatsanwaltschaft Dresden und das LKA Sachsen ermitteln derzeit gegen einen mutmaßlichen Betreiber von Premiumize.me wegen des Verdachts der Geldwäsche. Ein Nutzer hatte zur Zahlung seines Premium-Accounts online seine paysafecards gekauft und wurde kürzlich zu einer Zeugenaussage vorgeladen. Die Ermittler versuchen offenbar der Spur des Geldes nach Deutschland zu folgen. Premiumize.me ist VPN-Anbieter, Multihoster und Cloud-Anbieter für Torrent- und Usenet-Downloads in einem.

Kurz notiert: Offenbar ist die Staatsanwaltschaft Dresden und das Landeskriminalamt von Sachsen zu der Überzeugung gelangt, dass einer der Betreiber in Deutschland und nicht wie im Impressum vermerkt, in Belize beheimatet ist. Wir wurden kürzlich von einem Nutzer kontaktiert. Dieser konnte uns gegenüber glaubhaft darlegen, dass er in den nächsten Tagen eine Zeugenaussage machen soll. Er hatte seine paysafecards dummerweise nicht bei einer Tankstelle oder im Einzelhandel gegen Bargeld, sondern im Internet beim offiziellen „paysafcard Distributor“ erworben. Derartige Wertmarken sollte man niemals im Internet kaufen, sofern man tatsächlich seine Spuren verwischen möchte.


Nutzer von Premiumize.me zur Zeugenaussage vorgeladen

Die Beweggründe der Staatsanwaltschaft liegen recht klar auf der Hand. Sie sucht stets nach Wegen, wie das Geld von der ausländischen Briefkastenfirma zurück an den deutschen Geschäftsführer geflossen ist. Oftmals setzen Share- oder Multihoster externe Dienstleister wie die niederländische Firma Smart2Pay ein, damit die monatlichen Zahlungen von Paysafe nicht direkt bei ihnen, sondern zur Verschleierung des Geldstromes bei einer weiteren Partei landen. Wer das nicht tut, spart sich zwar die Kosten des Clearing-Dienstleisters. Derjenige geht damit allerdings ein großes Risiko ein, denn naturgemäß landen die Einnahmen der Offshore-Firmen unversteuert auf dem privaten Girokonto des Betreibers. Wenn man die Hintermänner schon nicht wegen Urheberrechtsverletzungen belangen kann, so bietet sich alternativ der Vorwurf der Geldwäsche an. Die Urheberrechtsverletzungen werden dabei lediglich als so genannte Vortat, also als Mittel zum Zweck, angesehen.

Die Frage ist allerdings, woher die Polizei wissen will, wer wann welche paysafecards zum Zweck der Bezahlung des Multihosters eingelöst hat!?? Das bekommt man auch bei weniger anonymen weil im Internet gekauften Wertmarken nicht heraus. Irgendjemand aus der Kette der Dienstleister vom Premiumize-Kunden bis zum privaten Girokonto des Multihoster-Betreibers muss sehr kooperativ gewesen sein. Anders lässt sich die Vorladung des Zeugen nicht erklären. Zumindest muss sich dieser keine Sorgen machen. Der Erwerb eines Premium-Accounts ist nicht verboten. Das ist auch noch kein Beweis dafür, dass man mithilfe des Anbieters gegen das gültige Urheberrecht verstoßen hat.

Video: Deutschsprachiger Test von Premiumize.me

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.

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25 Kommentare

  1. Der Seher sagt:

    Oh Ghandy, was ist nur aus dir geworden? Jetzt machst du fleißig Werbung für Premiumize und gibst an das Team wäre in Malaysien…dabei sollte jedem klar sein, dass nach so einer Nummer sämtliche Ermittlungsbehörden um das Unternehmen kreisen. Auch du mein Sohn Brutus…nun ein wahrer Judas.

  2. Yalcin Atasoy sagt:

    Mich würde ja echt interessieren wie sie einen PaySafe Karten Besitzer ermitteln können und dann mit dem Premiumanbieter in Verbindung bringen können bzw. denken das sie es könnten.

    Die IP Adressen dürfte Premiumize.me nicht herausgegeben haben denke ich. Woher wollen sie dann wissen das ich mit der Karte dort irgendwas gekauft habe? Da müße doch PaySafe hier schon einen Tip gegeben haben an wen sie das Geld dieser Karte überweisen haben oder auf welcher Webseite dieser Code ausgeführt wurde.

    Das schlimme ist 2014 … ich bin froh wenn ich mich noch erinnern kann was ich gestern zu Mittag hatte. 2014 da kann ich mich nur noch total schwach erinnern. Ich würde das so auch Schriftlich verfassen und damit die Zeugenaussage ablehnen. Sprich das ganze ist nun 3 Jahre her und ich mich halt mit aller liebe nicht mehr erinnern kann was ich damals für einen so kleinen Bruchteil an Euro gekauft habe. Das kann doch echt alles mögliche sein. Angefangen von irgendwas in Online Games, über kleine Programme für meinen MAC bis hin zu Pornos. Ich glaube auch nicht das ich ihnen sagen muss auf welchen Pornoseiten ich mir irgendwelchen Schmuddelkram für gekauft habe und dann für sie Recherchen betreibe.

    Ich würde da wohl ein Schreiben anfertigen das ich mich da nicht mehr wirklich erinnern kann und daher von einer Zeugenaussage absehen muss.

    Ich meine wenn ich da bin, könnte mir doch alles mögliche später in die Schuhe geschoben werden oder anders ausgelegt werden…

  3. Hansi sagt:

    Premiumize kommt ja nur ins Spiel weil der Zeuge seine PSC dort eingelöst hat.
    Wer weiss welchem Geldwäscher (PSC Exchanger) sie auf die Schliche gekommen sind, oder welchen PSC Service Premiumize nutzt.
    Wo sie den PSC Code des Zeugen her haben. Und wieviel das jetzt speziell mit Premiumize zu tun hat ist doch bisher reine Vermutung?

  4. lars² sagt:

    Bist du dir sicher Lars dass das Schreiben was dir vorliegt echt ist? Mir sieht das ehr nach einer Anti Werbeaktion gegen premiumize.

      • Herbert0815 sagt:

        Interessant bestimmt geht es bei mir auch genau darum!

        Ich habe heute auch so ein Schreiben erhalten. Vom LKA Dresden/Polizei Sachsen und soll mich schriftlich als Zeuge äußern.

        Im Sachverhalt geht es um mehrere Beschuldigte (keine Namen vorhanden) und gemeinschaftliche Geldwäsche.. Hatte zwei Paysafecodes von WKV erworben im Jahr 2014. Soll nun angeben wofür ich die 2 Codes genutzt habe / Wo ich sie eingelöst habe und falls ich noch Belege dazu besitze. diese auch angeben

        Leider habe echt keine Ahnung was ich damit gemacht habe etc. Jetzt wo ich diesen Artikel gelesen habe denke ich das ich die Paysafe-Codes damals dort eingelöst habe. Bin aber absolut nicht sicher.

        Das Schreiben kann ich auch gerne dem Betreiber zukommen lassen

        Was antworte ich da dem LKA jetzt am besten?

  5. Karl R. sagt:

    Der Zeuge sollte sich einen Anwalt nehmen, um Einsicht in die Ermittlungsakte (den ihn betreffenden Teil) zu bekommen. Damit könnte man etwas Licht ins Dunkel bringen, was die Zurückverfolgbarkeit der Zahlung anbelangt.
    Ansonsten Aussage verweigern, da man sich selbst belasten könnte.
    mfg

  6. Sir sagt:

    Der Premiumdienst wurde mit Paysafecard bezahlt, d.h. Paysafecard hat aufgrund eines „begrenzten Durchsuchungsbefehls“ diverse Rechnungen über Zahlungen an den VPN-Anbieter rausgerückt inkl. etlicher Kreditkartennummern, die in Online-Kaufvorgängen zum Zuge kamen. Mit einer der Kreditkartennummer hatten sie den o.a. Kollegen rausgefischt. Da das Gericht oder der Polizei nicht wissen kann, wer die Geldströme am Laufen hält, da laden die einfach mal kurzerhand alle ein, die sie habhaft werden können.

    Es ist den Lakaien völlig egal (warum auch immer), ob darunter unschuldige Bürger dieses Landes sind.
    Diese unter Anfangsverdacht ins Visier genommene Menschen werden registriert und vorgeladen! Pech gehabt!

    Was lernt man daraus: verschleiern, kaschieren · tarnen · umhüllen · umnebeln · verbergen · verdecken · verfälschen · verhüllen · vernebeln —>> Die haben kein Mitleid mit euch!

    Seit nicht leichtsinnig, obwohl ihr denkt Nichts zu verbergen zu haben!

    • Fritz B. sagt:

      Meinen sie mit der Formulierung „begrenzter Durchsuchungsbefehl“, dass der mit Anonymität werbende Zahlungsdienstleister auch ohne richterlichen Beschluss oder Rechtsgrundlage Zahlungsdaten herausgegeben habe?

      P.S. Dank der einkehrenden automatisierten Videoüberwachung wäre ich nicht so sicher, ob der Kauf einer solchen Karte an Tankstellen noch anonym vonstatten gehen könnte.

      • Sir sagt:

        Es wird schon irgendwie eine Grundlage oder eine Agreement der Polizei mit dem Dienstleister über die Herausgabe der Daten geben. Anonym sind deine Daten nur, wenn du die Paysafecard in der Tanke in bar kaufst und nicht online beziehst. Über irgendwelche Rechtsgrundlagen lässt sich in Übrigen gut streiten.

        Mit der Videoüberwachung der Tanke kann auch schon einiges veranstaltet werden. Falls BKA usw. die Gesichtserkennungssoftware (siehe einige Artikel weiter oben) dann kannst du nur noch vermummt einkaufen gehen ;-)

        • Fritz B. sagt:

          Eine Vermummung bringt natürlich noch ganz andere Probleme mit sich.

          Ihr Vertrauen in den Rechtsstaat in Ehren, aber man sollte das Prozedere schon kritisch hinterfragen. In der Causa Rainer Wendt ging man ja zunächst auch davon aus, dass es schon „irgendeine Grundlage“ geben müsse.
          Eine kurze Zusammenfassung – falls der Fall ihnen unbekannt ist – findet sich auf Youtube, unterhaltsam vorgetragen vom Dönermann.

          Ein „Agreement“ ist nich gerade ein vertrauenerweckende Rechtsgrundlage. Ich würde einen Anwalt einschalten, um die Beteiligten mal etwas aufzumischen.

          Bei Paypal lief es eine Zeit lang so: wer die richtige Telefonnummer kannte, bekam widerstandslos Auskünfte – ob Polizist, Anwalt oder besorgter Bürger.

  7. Hob sagt:

    Welche OCH werden angeboten?

  8. nurmalso sagt:

    Also entweder bin ich zu dumm, oder ich habe es überlesen. Mir wird leider nicht ganz klar, wie ein normaler Kunde, der dort einen Account erworben hat, dem BKA danach Auskunft über die Hintermänner geben soll?

  9. usefulvid sagt:

    Interessante Neuigkeit allerdings wäre es wichtig, das der Zeuge nicht zur Vorladung erscheint. Damit tut man sich keinen gefallen. Einer polizeilichen Vorladung muss man nicht folgen.
    Das hier ist interessant:
    https://www.berlin-strafverteidiger.info/strafrecht-a-z/vorladung/vorladung-als-beschuldigter/

    • Er ist als Zeuge vorgeladen worden, ich habe das Schreiben hier. Aber das kann sich – wie Du sicher meinst – auch mal ganz schnell ändern. Ich hatte in meinem Leben 3x mit der Polizei zu tun. 2x davon wollten sie mich komplett verarschen. Von daher: Vorsicht!

      • Fritz B. sagt:

        Danke fürs Update.

        Aus kriminologischer Sicht ist auch vorstellbar, dass man sich als Ermittler einfach ein Bild von einem Paysafecard – Nutzer machen will.

        Vielleicht ist man aber auch verzweifelt auf der Suche nach (mehr) Beweisen gegen den Betreiber der Seite.

        Die richtige Empfehlung, der Vorladung nicht nachzukommen, hast Du sicher schon ausgesprochen.

        P.S. Die Politik ist gerade dabei in Europa, den Prepaid-Karten und den virtuellen Währungen das Wasser abzugraben. Hier ist die Bevölkerung leider weniger wachsam gewesen, als es bei dem Versuch, den Bargeldverkehr weiter einzuschränken, der Fall war.

  10. NanoPolymer sagt:

    Die gibt es noch. Nachdem die SO bzw. UL rausgenommen hatten waren die für mich komplett in der Bedeutungslosigkeit verschwunden.

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