MEGA: Kim Dotcom hat die Kontrolle über Sharehoster verloren

Kim Dotcom hat kürzlich die Kontrolle über seinen Sharehoster MEGA verloren. Auf eine feindliche Übernahme durch einen Betrüger folgte eine Beschlagnahmung.

In einem Interview, welches von Slashdot-Nutzern durchgeführt wurde, gab Kim Dotcom bekannt, er habe die Kontrolle über seinen Sharehoster MEGA verloren. Ein chinesischer Betrüger habe durch eine Übernahme der Anteilsmehrheit die Kontrolle über MEGA erlangt, bis die Anteile von neuseeländischen Behörden beschlagnahmt wurden. „Ich glaube, Deine Daten sind bei MEGA nicht mehr sicher“, gab Dotcom bei Slashdot zur Antwort.

MEGA-Gründer Kim Dotcom stellt sich vielen Fragen

meganetVergangenen Donnerstag wurde bei Slashdot ein Interview mit dem Megaupload- und MEGA-Gründer Kim Dotcom (bürgerlicher Name: Kim Schmitz) veröffentlicht. Dort gab er bekannt, er habe nichts mehr mit dem Sharehoster MEGA zu tun. Ein chinesischer Investor, der wegen Betrugs gesucht wird, habe mit unseriösen Mitteln die Mehrheit der Unternehmensanteile erlangt. Kürzlich wurden die Anteile von neuseeländischen Behörden beschlagnahmt. Somit kontrolliert die Regierung in Wellington nun sein Privacy-Unternehmen. Dotcom wirft der amerikanischen Filmwirtschaft vor, sie hätten sein Vermögen als auch den Unternehmensanteil von sieben Prozent beschlagnahmt, der für die Absicherung seiner Kinder gedacht war.

Aufgrund mehrerer anderer Vorfälle, die Schmitz aufgrund vertraulicher Details nicht preisgeben könne, vertraut er seinem eigenen Unternehmen nicht mehr. Ende des Jahres läuft der Vertrag ab, der ihn davon abhält, einen eigenen Cloud basierten Online-Dienst zu gründen. Kim Dotcom will nach eigenen Angaben einen Konkurrenten aufbauen, der nach dem Wikipedia-Modell auf Open Source-Technologie und ohne Erwerbsabsichten funktionieren soll. „Ich möchte für jeden einen freien, kostenlosen und verschlüsselten Cloud Service mit den Spenden aus der Community aufbauen, um die Dinge am Laufen zu halten.


Vergeltungsmaßnahme für feindliche Übernahme

Die Unternehmensleitung von MEGA stellt die Situation in der Presse ganz anders dar. Für die Anwender bestehe keine Gefahr. Die Verschlüsselung haben mehrfach internationale Krypto-Experten überprüft, die keine Sicherheitslücken finden konnten. CEO Graham Gaylord und CCO Stephen Hall werten Dotcoms öffentliches Misstrauensvotum vor allem als Vergeltungsmaßnahme des Mitbegründers. Man sei in der Vergangenheit häufiger uneins wegen Dotcoms öffentlichen Kommentaren gewesen. Zudem habe Dotcom seit dem Jahr 2013 keine entscheidende Rolle mehr im Unternehmen gespielt. Ein Unterschied zur jetzigen Situation sei demnach kaum vorhanden.

mega-encryptionAuf der eigenen Facebook-Seite gibt sich die Firma nicht sonderlich einfallsreich. Bei Facebook werden kritische Aussagen der MEGA-Nutzer immer wieder mit den Worten „Your data security is in end to end (user controlled) encryption.“ kommentiert. Ein Insider, der Kim Schmitz aus den 80er Jahren kennt, gab uns gegenüber bekannt, er könne gar nicht verstehen, wie Kim die Kontrolle über seine eigene Firma verlieren konnte. Das Ganze sei „echt krass“. Erst hat ihm im Januar 2012 das US-Justizministerium den überaus profitablen Vorgänger Megaupload geschlossen. Und nun gingen ihm auch noch seine Anteile am Nachfolger MEGA verloren.

MegaNet – das nächste Projekt?

Man kann ihn mögen oder auch nicht. Kim ist bekannt als Stehaufmännchen. Man wird sehen, welches Projekt Dotcom als nächstes in Angriff nehmen wird. Schon häufiger hat er in den letzten Jahren sein eigenes Internet mit Namen MegaNet angekündigt. Zum Schrecken aller Rechteinhaber soll MegaNet dezentral, komplett verschlüsselt, schnell und nicht IP-basiert laufen. Mit diesem Projekt will er der Überwachung und Zensur diverser Staaten entgegenwirken und DDoS-Angriffe unmöglich machen. Bislang hat er nicht angekündigt, wie seine Internet-Alternative funktionieren soll. In zehn Jahren soll MegaNet ausschließlich auf Smartphones laufen. Der Megaupload-Gründer hofft dann auf 500 Millionen Menschen, die sein Netzwerk weltweit in Anspruch nehmen. Max Keiser und die Investoren-Plattform BnkToTheFuture.com sollen ihn Anfang nächsten Jahres bei einer Crowdfunding Kampagne unterstützen.

Tarnkappe.info

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.