LuL.to: Ermittlungen dauern an, Käufer müssen sich gedulden

Wir haben uns umgehört und erfahren, dass die Ermittlungen gegen die Betreiber des illegalen Portals „Lesen und Lauschen“ (LuL.to) noch immer nicht abgeschlossen sind. Von daher ist leider ebenfalls fraglich, ob beziehungsweise wann die zahlenden Kunden mit juristischen Konsequenzen rechnen müssen. Wer dort illegale Werke gegen Bezahlung bezogen hat, muss geduldig sein. Alleine die Zeit wird zeigen, ob die Staatsanwälte gegen sie vorgehen werden.

Behörden haben bei der Causa LuL.to alle Zeit der Welt

Die Mühlen der Justiz mahlen bekanntlich langsam. Wir entnahmen internen Kreisen, dass es sich derzeit nicht abschätzen lässt, wann sich die Ermittlungen gegen die Betreiber von LuL.to auf der Zielgeraden befinden werden. Von der Beweisaufnahme bis zur Eröffnung des Gerichtsverfahrens oder auch der Einstellung, hat die jeweilige Staatsanwaltschaft bis zu fünf Jahre Zeit. Sollte man die Ermittlungen verlängern wollen, müsste der Staatsanwalt dies schlüssig begründen. Doch diese Frist läuft erst im Sommer 2022 ab. Die Durchsuchungen und und Festnahmen fanden im Juni 2017 statt.

Die Polizei hat offenkundig noch immer alle Hände voll mit der Auswertung der beschlagnahmten Computer zu tun. Der Grund dafür ist einfach: Die gleichen Hintermänner waren auch für den Darknet-Marktplatz „Hansa Market“ verantwortlich, der kurze Zeit nach dem LuL.to-Bust vom Netz genommen wurde.

Illegale Kunden müssen sich in Geduld üben

Unser Kontakt hält es für sinnlos einen Zeitraum anzugeben, innerhalb dessen die Kunden belangt werden könnten. Das könne man schlichtweg nicht seriös beantworten. Ansonsten wären derartige Aussagen nichts weiter als reine „Kaffeesatzleserei„. Zumindest an die Einkäufer, die ihre Gutscheine mit ihren echten Amazon-Accounts gekauft haben, um die Hörbücher und E-Books bei LuL.to zu bezahlen, können auch jetzt noch recht einfach identifiziert werden. Das Rechtshilfeersuchen bei der Amazon-Mutter, um die Anschriften der Kunden zu erhalten, wird einige Zeit dauern. Die Ermittler haben aber in diesem Punkt alle Zeit der Welt.

Oberstaatsanwalt Thomas Goger von der Zentralstelle Cybercrime Bayern, hatte uns im Oktober 2017 mitgeteilt, dass man zu einem späteren Zeitpunkt prüfen werde, ob sich die Käufer der Schwarzkopien noch strafrechtlich verantworten müssen. Zunächst wollte man die früheren Betreiber dingfest machen, teilte er uns damals auf unsere Anfrage hin mit.

Wachsende Ungeduld

Geduld wird bei vielen Betroffenen, die damals bei „Lesen und Lauschen“ (LuL.to) eingekauft haben, exakt das sein, was sie eben nicht mehr besitzen. Die Nerven liegen schon länger blank. Viele Kunden wollen endlich wissen, was auf sie zukommt. Leider lässt sich der weitere Zeitplan und die Strategie der einzelnen Staatsanwaltschaften nicht absehen. Wir halten Euch aber natürlich weiter auf dem Laufenden.

Tarnkappe.info

 

Beitragsbild von Lechenie Narkomanii, thx! (Pixabay Lizenz)

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Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.

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Kommentare

    1. Marcus schreibt:

      Der Drops dürfte rechtlich gelutscht sein.

      a) die Anbieter dürfen maximal 3 Monate lang die Daten speichern und in der Regel bekommen User, deren Daten rausgerückt werden ja auch Post

      b) In Zeiten der DSVGO geht’s noch leichter, da man verlangen kann, dass eben nichts mehr gespeichert wird.

    2. Ghandy schreibt:

      Der Bust bzw. bzw. die Beschlagnahmung war aber lange bevor die DSGVO gültig wurde. Und wenn die Polizei wirklich die User hätte bestrafen wollen, hätte man die IP-Adressen DIREKT feststellen können. Zu dem Zeitpunkt hätte man natürlich auch noch eine Auskunft von den Internet-Anbietern bekommen.

      Viel interessanter wäre es aber, die Bezahlung der Hörbücher und E-Books zu überprüfen. Im Gegensatz zur IP-Adresse kann man den Amazon-Gutschein, wenn man ihn mit seinem gültigen privaten Account gekauft hat, ewig zurückverfolgen. Die Polizei muss doch erstmal alles auswerten, was im Zuge der Razzia beschlagnahmt wurde. Ich bin nicht sicher, ob der Drops schon gelutscht ist…

    3. Marcus schreibt:

      Das Problem bei den Gutscheinen ist aber: die kann man verkaufen. Und nach der langen Zeit kann eh keiner mehr wissen an wen man den verkauft hat. Klar verjährt das ganze nicht so schnell, aber mit jedem Tag der vergeht, wird es unmöglicher die Käufer zu bestrafen.

      Sagen wir mal “Klara Sander” kann “nachgewiesen” werden, dass “ihr” Amazongutschein verwendet wurde. Aber was, wenn Klara das Teil damals, weil sie es nicht brauchte, per Aldi-Pinnwand verkauft hat? Ist ja erlaubt.

    4. Ghandy schreibt:

      Wenn das ein Einzelfall für einen geringen Betrag war, ja. Aber wenn Klara für 400 oder 500 EUR Gesamtwert immer wieder Amazon-Gutscheine gekauft hat? Ich denke, gegen die kleineren Käufer wird man eh nicht weiter vorgehen, sondern nur gegen die, die in einem großen Umfang dort urheberrechtlich geschützte Werke erworben haben.

    5. Marcus schreibt:

      Okay, das wäre eine GANZ andere Sache, aber die meisten haben ja nur gesehen: “Okay … mal einfach aufladen …” und es gab ja mehrere Möglichkeiten. Und da man ja auch immer mehr über Amazon bezahlen kann … Die Macher haben einfach “zu gut” gearbeitet.

      Wobei es kaum zu verstehen ist, dass die Seite über etliche Jahre im Netz war…

    6. Ghandy schreibt:

      LuL.to hat sich auch selbst ins Fadenkreuz gebracht, weil sie viele unveröffentlichte Bücher illegal vertrieben haben, die es im Internet sonst nie oder erst sehr viel später gegeben hätte. Die Release Groups haben an E-Books kein Interesse. Und nachdem die Bestseller durch LuL.to illegal verfügbar waren, wurden die Sachen gekauft und landeten dann früher oder später auch im Usenet, bei diversen P2P-Indexern, Sharehostern, sprich bei den Dokumentenbörsen der großen Warez-Foren. Deswegen waren die Verlage natürlich wenig glücklich. LuL.to hat ja sogar die E-Books von einigen Selfpublishern gegen ein paar Cent-Beträge verkauft, die waren auch not amused.

    7. Fiorell schreibt:

      Die Zuordnung von Zahlungen zu einem Käuferkonto, worüber bei lul.to Bücher gekauft worden sind, ist letztendlich höchstens ein Verdacht, dass der Zahler auch derjenige war, der die Bücher gekauft bzw. heruntergeladen hat. Im Strafrecht geht es schließlich darum, nachzuweisen, wer der Täter war, nicht er es gewesen sein könnte.
      Ist so ähnlich als wenn mit einem Messer ein Tötungsdelikt begangen wird. Dann ist auch der Käufer des Messers nicht automatisch der Mörder.
      Ohne den direkten Nachweis über die IP-Adresse zum Zeitpunkt des Kaufs läßt sich nicht zweifelsfrei nachweisen, dass derjenige, der das Konto aufgeladen hat, auch derjenige war, der die Inhalte bezogen hat. Aber genau das muss man im Strafverfahren - den Nachweis ohne Zweifel führen.

    8. Ghandy schreibt:

      Die haben doch die Server von LuL.to beschlagnahmt. Ich will keine Panik machen. Aber die können doch dann genau sehen, wer was im Detail gekauft hat, um es herunterladen zu können. Die Frage ist, ob die Staatsanwaltschaften überhaupt ein gesteigertes Interesse daran haben, die Kunden zu verfolgen.

      Ich habe mit Leuten telefoniert, die haben nicht mal realisiert, dass es sich dabei um keine legale Quelle gehandelt hat. Das würde ihnen natürlich wenig helfen. Aber gut, warten wir es erstmal ab.

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