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Bildquelle: BKA

Deutschland im Deep Web 3: Sudo erhält hohe Haftstrafe

Der Prozess um Sudo, dem Betreiber von Deutschland im Deep Web 3 (DiDW 3), mündete für ihn in einer langjährigen Haftstrafe.

Seit Prozessbeginn im Oktober dieses Jahres musste sich Louis K. vor dem Landgericht (LG) Bamberg verantworten. Die Staatsanwaltschaft legte dem 23-jährigen Informatik-Student aus Niederbayern u.a. zur Last, unter dem Pseudonym Sudo Deutschland im Deep Web 3 betrieben zu haben. Das Portal galt als eine der größten deutschsprachigen Darknet-Handelsplattformen im Internet.

Das Gericht befand Sudo für schuldig, Deutschland im Deep Web 3 zwischen Oktober 2021 und März 2022 administriert zu haben. Ferner stand bandenmäßiges Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge im Raum. Laut der ermittelnden Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB) hätte sich der hierbei erzielte Umsatz auf rund 110.000 Euro belaufen.

Vorwürfe führten zu 4 Jahren und 9 Monaten Haft

Folglich muss Louis K. wegen des Betreibens einer kriminellen Darknet-Handelsplattform im Internet und eines ergiebigen Online-Drogenhandels nun eine Haftstrafe von vier Jahren und neun Monaten antreten.

Nach Bild-Informationen soll der Angeschuldigte bezüglich des Vorwurfs von bandenmäßigem Handeltreibens mit Betäubungsmitteln „in einem bekannten Darknet-Forum zwei Männern angeboten haben, für diese eine Verkaufs-Plattform für Betäubungsmittel im Darknet zu programmieren.“ Dafür verlangte er 4 Prozent Provision.

Darüber hätten dann die Hintermänner laut Anklage rund 3,5 Kilo Ketamin, 1,7 Kilo MDMA, über 17.000 Ecstasy-Tabletten und fast 7.000 LSD-Trips vertrieben. Komplizen von K. aus Holland und Südafrika hat ein Gericht bereits zu sieben Jahren und zwei Monaten Haft wegen des Vertriebs von Drogen verurteilt.

DiDW Zwei Mauer Deutschland im Deepweb

Wie die Passauer Neue Presse (PNP) berichtete, zeigte sich der Angeklagte im Prozess geständig. Sudos Verteidiger führten aus, seine Tat wäre seinem Freigeist und einem laxen Umgang mit Drogen entsprungen. Im Netz hätte man ihn dafür wertgeschätzt, während es in seinem sozialen Umfeld an Anerkennung eher mangelte.

Vor Gericht bereute Louis K. sein Handeln. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Richter erachteten zudem eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt für notwendig.

Bereits Ende Oktober 2022 informierte das Bundeskriminalamt über die Festnahme des mutmaßlichen Betreibers der großen Darknet-Drogenplattform Deutschland im Deep Web 3. Vom Zeitpunkt seiner Festnahme am 25. Oktober 2022 saß Louis K. in Untersuchungshaft. Im August dieses Jahres, neun Monate später, hat die Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB) Anklage gegen ihn erhoben. Nur kurz darauf begann die Verhandlung vor dem LG Bamberg.

Deutschland im Deep Web 3: einer der größten deutschsprachigen Darknet-Markets

Mit rund 16.000 registrierten Nutzern, darunter 72 aktiven Händlern, gehörte Deutschland im Deep Web 3 zu einem der größten deutschsprachigen Darknet-Märkten. Die Plattform war jedoch bereits seit März 2022 für Nutzer nicht mehr erreichbar. Wir berichteten, dass das Forum seit dem 18.03.2022 offline war.

Admin Sudo führte damals auf dread aus, dass ein Brand im Rechenzentrum von DiDW für den Ausfall verantwortlich sei. Davon wäre auch der primäre Backup-Server betroffen. Es würde einige Zeit dauern, alles wieder zum Laufen zu bringen, „wenn überhaupt“, so Sudo. Allerdings stieß die Geschichte auch auf Unglauben. Man munkelte, der Admin Sudo habe offenbar selbst den Stecker gezogen.

Lucky gründet zensurfreies Forum Deutschland im Deep Web im März 2013

Insgesamt gab es drei Versionen der Plattform „Deutschland im Deep Web“. Die erste Version von Deutschland im Deep Web gründete Lucky, aka Alexander U. Unter dem Namen „luckyspax“ oder „Lucky“ trat er als alleiniger Betreiber der größten, deutschsprachigen Darknet-Plattform „Deutschland im DeepWeb“ auf. Das Forum war seit März 2013 unter der URL germanyhusicaysx.onion des Tor-Netzwerkes erreichbar.

DiDW stand primär für einen unkontrollierten Meinungsaustausch, aber sekundär eben auch für einen Handel mit illegalen Gütern. 2016 missbrauchte der Täter des Amoklaufs in München die damalige Plattform, um sich die Tatwaffe und Munition zu beschaffen. Mit der Verhaftung des Betreibers am 8. Juni 2017 nahm DiDW ein Ende und wurde durch das BKA im Auftrag der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main für immer vom Netz genommen. Im August 2019 hat der BGH das Strafmaß von Lucky von sechs Jahren Haft bestätigt.

DiDW II unter der Führung von Admin Younam war nur kurze Zeit online. Im Dezember letztes Jahres erklärte jedoch das neue Deepweb-Forum Germania, die Nachfolge von DiDW 3 antreten zu wollen.

Tarnkappe.info

Über

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.