Kim Dotcom wird wie erwartet ausgeliefert

Article by · 23. Dezember 2015 ·

kim dotcom live
Der Anklage des Megaupload-Gründers Kim Dotcom nebst Bram van der Kolk, Mathias Ortmann und Finn Batato steht nun nichts mehr im Weg. Richter Nevin Dawson genehmigte vor einigen Stunden die Auslieferung des deutschen Internet-Unternehmers von Neuseeland in die USA. Dotcoms Anwälte kündigten bereits an, gegen das Urteil in Berufung zu gehen. Allen Angeklagten droht ein Weihnachtsfest hinter Gittern.

Die vier Angeklagten werden in 2015 kein gesegnetes Weihnachtsfest feiern können, sie werden schon bald in die USA ausgeliefert. Der gebürtige Kieler kämpfte schon seit langer Zeit gegen seine Auslieferung. Das Justizministerium der USA wirft den Verdächtigen vor, Verschwörung zu Urheberrechtsverletzungen und Geldwäsche begangen zu haben. Bis zur Schließung von Megaupload soll der Sharehoster rund 175 Millionen Dollar eingespielt haben. Rund 4 Prozent des Datenverkehrs im gesamten Internet lief damals nur von und zu Megaupload.

Die Beweise gegen die vier Angeklagten waren erdrückend, das heutige Urteil war in dieser Form zu erwarten. Der Ex-Programmierer Andrus Nomm hatte im Vorfeld ausgesagt, alle Beteiligten wären sich über die Existenz der vielen Schwarzkopien auf ihren Servern im Klaren gewesen. Das Reward-Modell bezahlte genau die Uploader am besten, die bei Megaupload die aktuellsten Schwarzkopien hochgeladen haben. Nomm gab zudem an, alle im Leitungsteam hätten gewusst, dass man am urheberrechtlich geschützten Material Dritter verdient hätte. Im Vorfeld hatten die Verteidiger darauf plädiert, die Geschäftsleitung von Megaupload habe keine Ahnung davon gehabt, was auf den Servern ihres Sharehosters geschehen sei.

Ein deutscher Bekannter von Dotcom aus den 80er Jahren, der anonym bleiben möchte, kann die Auslieferung „wirklich nicht feiern“, obwohl das Urteil auch für ihn wenig überraschend kommt. Der eigentliche Skandal sei es aber, wie die Behörden an die Beweise im Fall Megaupload gelangt sind. So wurden vor Gericht unzählige Skype-Protokolle als Beweis vorgelegt, die man nur mit Hilfe der Techniker von Geheimdiensten entschlüsseln konnte. Was die Tätigkeit eines Geheimdienstes mit Urheberrechtsverletzungen gemeinsam haben soll, wurde hingegen nicht erläutert. Der ehemalige Hacker und Programmierer aus dem Dunstkreis von Kim Schmitz kann auch nicht nachvollziehen, warum sich die Presse nicht auf die geheimdienstliche Auswertung der Beweise gestürtzt hat. “Mit einer Terrorabwehr oder Bedrohungen eines Staates von innen oder außen hatte Megaupload nie etwas zu tun, wieso berichtet keiner darüber?“, hinterfragt der frühere Hacker die Aktivitäten der Presse.

Kim Dotcom: selbst zur Zielscheibe auserkoren

Doch Dotcom hat sich letztlich selbst zur Zielscheibe gemacht. Er legte sich mit hochrangigen Politikern an und präsentierte immer wieder seinen Reichtum in der Öffentlichkeit. Wäre er (wie andere Betreiber von Sharehostern) im Hintergrund geblieben und hätte keine US-Präsidenten etc. verunglimpft, wäre Megaupload trotz seiner Größe wahrscheinlich bis zum heutigen Tag online. Auch der FBI-Deal mit Nomm hinterlässt eine düstere Note. Der inhaftierte Entwickler wollte so bald wie möglich das Gefängnis verlassen, um seinen Sohn sehen zu können. Für die verkürzte Freiheitsstrafe von 366 Tagen hat er dem FBI diverse Einblicke in das Leben Dotcoms erlaubt, die sie sonst nicht bekommen hätten.

Kim Dotcom gibt sich trotz der drohenden Abschiebehaft kämpferisch. Auf Twitter schrieb er vor vier Stunden: „Thank you for your support. The fight goes on. Enjoy the holidays. I’m happy to be with my kids. There are bigger things than copyright :-)

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13 Comments

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    Anonym_2016

    “Kim Dotcom: Anhörung zu US-Auslieferungsersuchen im August
    heise online 09.02.2016

    Richter Raynor Asher hat einen Antrag der Anwälte der US-Regierung abgelehnt, den Prüfungstermin vorzuziehen.”
    Quelle:
    http://www.heise.de/newsticker/meldung/Kim-Dotcom-Anhoerung-zu-US-Auslieferungsersuchen-im-August-3097462.html

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    In Sachen Notice and Takedown waren die bei Megaupload immer sehr flott und geradezu vorbildlich. Und damit, würde ich denken, können sie ihm eigentlich nichts mit dem DMCA. Aber wer weiß, da stehen ja auch so hässliche Wörter wie “Verschwörung”.

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    michel

    hurra hurra, bald is ttip da
    immer wieder lustig, dass 98% der wachkoma michel an das recht glauben
    also schön weiter wählen gehen, dann wird es auch irgendwann mal was mit der “demokratie” ……. ganz bestimmt
    zum glück ist es mit persönlichen meinungen ja wie mit arschlöcher, gell!
    jeder hat eins

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    4Kimble

    was schreibst du eigentlich Kimble so runter hier Lars?
    Ist es Neid auf seine Bekanntheit verglichen mit deinem winzigen Blg? Oder hast ein Deal mit deinem Staatsanwalt wegen deinen eigenen Ermittlungsverfahren? Dass du mal ein bisschen alle einschüchterst und schlecht redest…

    Die Beweise waren überhaupt nicht erdrückend, sondern konstruiert und dazu noch illegal erlangt. Und natürlich geht Kimble in Revision und er ist weiterhin auf Kaution frei und nicht hinter Gittern.

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    Offshore

    Die wahren Verbrecher hier stammen doch aus dem US Justizministerium. Die haben ihn über die NSA abhören lassen ohne Rechtfertigungsgrund dafür. Terror? Bedrohung der Heimat? Ja is klar…

    @tarnkappe:
    Der Satz mit “Offshore” ist völliger Unsinn so. Das Urteil zeigt doch dass US Gesetze nun für die ganze Welt “offiziell” gelten. Dotcom war ja auch “offshore” von Amerika. Er wird aber nicht nach seinen “offshore” Gesetzen von Neuseeland angeklagt, sondern nach US Gesetzen.

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      Beispielsweise bei Share-Online musst Du ja erstmal herausfinden, wer tatsächlich dahinter steckt. Diesbezüglich hat es Kim den Behörden sehr leicht gemacht, er hat sich selbst als Zielscheibe angeboten. US-Gesetze gelten übrigens nicht weltweit, auch wenn manche Amerikaner das vielleicht gerne anders hätten. ;-)

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        Offshore

        1. mit NSA Überwachung (wie bei Dotcom) der Geldflüsse für Premium Accounts lässt sich bei fast JEDEM Hoster heraus finden wo das Geld letztlich landet und wofür es wieder ausgegeben wird (Einkäufe, Miete,…)

        2. Wie interpretierst du dann diesen Fall? Natürlich kann die MAFIA nun jeder Depp in Deutschland genauso nach US Gesetzen anklagen….

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      Kai

      Da die Server von Megaupload in den USA standen, gilt für diese auch das US Amerikanische Recht. So einfach ist das ganze ;)

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        Offshore

        Ist es nicht. Dann wären ja alle VPN Anbieter aus zig Ländern juristisch angreifbar. Inklusive Deutschland oder Amerika (weil die großen VPN Anbieter dort auch Server haben) – also den Ländern wo man sich mittels VPN durch Verschlüsselung schützen will.. Megaupload hatte keine US Anschrift und auch nicht ausschließlich Server in USA.

        Gibt es aufrichtige Juristen, die noch nicht von der Mafia gekauft wurden, und die das mal im Detail erklären können wie viele Gesetze hier gebogen und gebrochen wurden allein bis hierher zur Anklage?

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    Share-Online hat seinen Sitz offshore, deswegen ist der noch online. Dessen Aachener Betreiber zeigt sich im Gegensatz zu Kim nicht alle Nase lang vor der Kamera. Kein Teppichluder, keine Yacht und auch keine ausschweifenden Reisen oder Partys vor der Kamera. Ich kenne Kim noch von früher. Ist übel wie es ausgegangen ist bzw. ausgehen wird. Aber er hat auch seinen Anteil daran…

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    Werner

    Alle Beteiligten wären sich über die Existenz der vielen Schwarzkopien auf ihren Servern im Klaren gewesen. Das Reward-Modell bezahlte genau die Uploader am besten, die bei Megaupload die aktuellsten Schwarzkopien hochgeladen haben.

    Das Leitungsteam von Uploaded und Share-Online macht das gleiche Geschäft und die wissen es auch selber!

    Doch Dotcom hat sich letztlich selbst zur Zielscheibe gemacht. Er legte sich mit hochrangigen Politikern an und präsentierte immer wieder seinen Reichtum in der Öffentlichkeit. Wäre er (wie andere Betreiber von Sharehostern) im Hintergrund geblieben und hätte keine US-Präsidenten etc. verunglimpft, wäre Megaupload trotz seiner Größe wahrscheinlich bis zum heutigen Tag online.

    Das ist der Grund warum Uploaded und Share-Online und andere weiter online sind oder warum?

    Ich selber habe Kim Dotcom sehr viel zu verdanken. Mit iload.to konnte ich mir mit Megaupload immer sehr schnell die neusten Filme und Pornos runterladen (jeden Tag und Nacht), und brauchte mir keinen Uploaded Premium Account kaufen. Seit der neuen Vorratsdatenspeicherung nutze ich das Internet nur noch mit Tor Tails 1.8.1 USB-Stick 16GB und lade mir die neusten Kinofilme damit runter bei free Filehostern und kopiere sie auf einen mit LUKS komplett verschlüsselten anderen USB-Stick.

    Kim Dotcom wenn Du das hier liest. Vielen Dank für die geile Zeit damals bei iload und deinen Megaupload. Ich habe viel von dir bekommen kostenlos und sehr viel Geld gesparrt. Mit dem gesparten Geld konnte ich mir dann andere tolle dinge kaufen. Kim ich wünsche dir Hals und Bein bruch!

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      Don Omerta

      ”Seit der neuen Vorratsdatenspeicherung nutze ich das Internet nur noch mit Tor Tails 1.8.1 USB-Stick 16GB und lade mir die neusten Kinofilme damit runter bei free Filehostern und kopiere sie auf einen mit LUKS komplett verschlüsselten anderen USB-Stick.”

      Der Aluhut sitzt schon etwas eng, oder?

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      nurmalso

      Oje…wenn man das liest, wird einem schlecht…Du bist wahrscheinlich einer dieser Geiz ist Geil Leute, der zig TB jeden Monat konsumiert aber nicht mal 10 euro für nen PA investieren will. Hauptsache immer alles haben, aber selber nix dafür geben wollen. Im übrigen brauchst du deine ganzen Verschlüsselunge nicht, oder ist Dir bekannt, das es auch nur einen Downloader von Megaupload oder einem anderen aktiven oder geschlossenen Filehoster bisher erwischt hat? Also kannst Du deinen Aluhut wieder bischen lockern. Solange Du deine Pornos wie immer alleine in deinem Zimmer ansiehst und deiner Frau nix davon erzählst, wird Dich auch keiner belangen.


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