Kim Dotcom wird wohl wie erwartet ausgeliefert: Megaupload

Heute wurde in Auckland entschieden, dass Kim Dotcom gemeinsam mit den anderen Angeklagten in die USA ausgeliefert wird, um sie dort vor Gericht zu stellen.

Kim Dotcom
Kim Dotcom Foto aus Kim Dotcom - Party Amplifier Live, thx!

Der Anklage des Megaupload-Gründers Kim Dotcom nebst Bram van der Kolk, Mathias Ortmann und Finn Batato steht nun nichts mehr im Weg. Eigentlich. Richter Nevin Dawson genehmigte vor einigen Stunden die Auslieferung des deutschen Internet-Unternehmers von Neuseeland in die USA. Dotcoms Anwälte kündigten bereits an, gegen das Urteil in Berufung zu gehen. Allen Angeklagten droht ein Weihnachtsfest hinter Gittern.

Die vier Angeklagten werden in 2015 kein gesegnetes Weihnachtsfest feiern können, sie werden schon bald in die USA ausgeliefert. Der gebürtige Kieler kämpfte schon seit langer Zeit gegen seine Auslieferung. Das Justizministerium der USA wirft den Verdächtigen vor, Verschwörung zu Urheberrechtsverletzungen und Geldwäsche begangen zu haben. Bis zur Schließung von Megaupload soll der Sharehoster rund 175 Millionen Dollar eingespielt haben. Rund 4 Prozent des Datenverkehrs im gesamten Internet lief damals nur von und zu Megaupload.


Aussage von Andrus Nomm belastet die Verdächtigen schwer

Die Beweise gegen die vier Angeklagten waren erdrückend, das heutige Urteil war in dieser Form zu erwarten. Der Ex-Programmierer Andrus Nomm hatte im Vorfeld ausgesagt, alle Beteiligten wären sich über die Existenz der vielen Schwarzkopien auf ihren Servern im Klaren gewesen. Das Reward-Modell bezahlte genau die Uploader am besten, die bei Megaupload die aktuellsten Schwarzkopien hochgeladen haben. Nomm gab zudem an, alle im Leitungsteam hätten gewusst, dass man am urheberrechtlich geschützten Material Dritter verdient hätte. Im Vorfeld hatten die Verteidiger darauf plädiert, die Geschäftsleitung von Megaupload habe keine Ahnung davon gehabt, was auf den Servern ihres Sharehosters geschehen sei.

Ein deutscher Bekannter von Dotcom aus den 80er Jahren, der anonym bleiben möchte, kann die Auslieferung „wirklich nicht feiern“, obwohl das Urteil auch für ihn wenig überraschend kommt. Der eigentliche Skandal sei es aber, wie die Behörden an die Beweise im Fall Megaupload gelangt sind. So wurden vor Gericht unzählige Skype-Protokolle als Beweis vorgelegt, die man nur mit Hilfe der Techniker von Geheimdiensten entschlüsseln konnte. Was die Tätigkeit eines Geheimdienstes mit Urheberrechtsverletzungen gemeinsam haben soll, wurde hingegen nicht erläutert. Der ehemalige Hacker und Programmierer aus dem Dunstkreis von Kim Schmitz kann auch nicht nachvollziehen, warum sich die Presse nicht auf die geheimdienstliche Auswertung der Beweise gestürtzt hat. „Mit einer Terrorabwehr oder Bedrohungen eines Staates von innen oder außen hatte Megaupload nie etwas zu tun, wieso berichtet keiner darüber?„, hinterfragt der frühere Hacker die Aktivitäten der Presse.

Kim Dotcom hat sich selbst zur Zielscheibe auserkoren

megaupload

Doch Dotcom hat sich letztlich selbst zur Zielscheibe gemacht. Er legte sich mit hochrangigen Politikern an und präsentierte immer wieder seinen Reichtum in der Öffentlichkeit. Wäre er (wie andere Betreiber von Sharehostern) im Hintergrund geblieben und hätte keine US-Präsidenten etc. verunglimpft, wäre Megaupload trotz seiner Größe wahrscheinlich bis zum heutigen Tag online. Auch der FBI-Deal mit Nomm hinterlässt eine düstere Note. Der inhaftierte Entwickler wollte so bald wie möglich das Gefängnis verlassen, um seinen Sohn sehen zu können. Für die verkürzte Freiheitsstrafe von 366 Tagen hat er dem FBI diverse Einblicke in das Leben Dotcoms erlaubt, die sie sonst nicht bekommen hätten.

Kim Dotcom gibt sich trotz der drohenden Abschiebehaft kämpferisch. Auf Twitter schrieb er vor vier Stunden: „Thank you for your support. The fight goes on. Enjoy the holidays. I’m happy to be with my kids. There are bigger things than copyright :-)

Tarnkappe.info

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.