social media, Jaron Lanier
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Jaron Lanier fordert auf der Cebit zum Verlassen sozialer Netzwerke auf

Der Netzkritiker Jaron Lanier hält Twitter, Facebook und Reddit für das große Übel des Internets und verkündete das auch auf der Cebit..

Zum Auftakt der Cebit hat Internetpionier Jaron Lanier eine Warnung ausgesprochen vor den negativen Auswirkungen der sozialen Netzwerke. Mit seiner Empfehlung, Plattformen wie Facebook, Twitter & Co. zu verlassen, macht der 58-Jährige erneut auf eine allumfassende Überwachung in den Netzwerken, einem Kontrollverlust über die eigenen Daten und dem Effekt von Filterblasen, aufmerksam.

Jaron Lanier wirbt für eine sechsmonatige Pause von allen sozialen Netzwerken

In einem Gespräch mit FAZ.NET-Digitalchef Carsten Knop auf der Kick-Off-Bühne der Cebit in Hannover meint er: „Wir sind daran so gewöhnt, dass wir nicht mehr merken, wie bizarr und krank das ist.“ Zahlreiche User vertreten die Meinung, sie könnten ohne Social-Media-Präsenz nicht mehr leben. Lanier erteilt den Rat, dort auszusteigen und für mindestens sechs Monate darauf verzichten. Das würde Raum und Zeit für neue Projekte schaffen. Lanier meint, ein Verzicht würde leichter fallen, als angenommen:.„Aber das ist eine Illusion: Wenn du versuchst, da rauszukommen, wirst Du feststellen, dass es gar nicht so schwer ist.“ Was für die Allgemeinheit gilt, rät er zudem Donald Trump, denn auch er wäre abhängig von Twitter & Co.: „Ich glaube er hätte einen viel besseren Charakter, würde seine Abhängigkeit geheilt“.

Plötzlich ist wieder genügend Zeit und Kraft für neue Projekte da

Lanier gibt dabei zu bedenken, dass Demokratie aus Diversität und der Vielfalt im Denken bestehe: „Doch das funktioniert nicht, wenn wir alle im selben System gefangen sind.“ Zwar wären Überwachungsmaßnahmen nichts Neues in der Geschichte, jedoch wäre neu daran, dass man mit der heutigen Technik fähig sei zu einer permanenten Überwachung der User in Kombination mit der Möglichkeit, diese direkt zu manipulieren, sei es beim Einspielen personalisierter Werbung. Oer auch bei politischen Entscheidungen. Als eine mögliche Lösung, um die Kontrolle über die eigenen Daten künftig zu behalten, nennt der Internetpionier, die Bezahlvariante. User sollten also für die Nutzung der Dienste, die jetzt noch frei sind, wofür sie aber mit ihren Daten zahlen, Geld hinlegen. Es habe sich ja auch bei Diensten, wie Netflix gezeigt, dass das Bezahlmodell klappt und den Vorzug erhält etwa vor werbefinanzierten Modellen.

Entwickler und gleichzeitig Widersacher moderner Technik

Jaron Lanier gilt sowohl als Systemmacher, als auch als dessen Widersacher. Er hat in den 80er Jahren beim Computerspielehersteller Atari einen Datenhandschuh entwickelt. Mit diesem konnte man in einem virtuellen Raum agieren. Lanier prägte damit den Begriff „virtual reality“. Lanier ist sehr vielseitig. Er komponiert, spielt Instrumente, hat an Ivy-League-Universitäten Informatik unterrichtet. Zudem ist er Sachbuchschriftsteller, arbeitet für die Forschungsabteilung von Microsoft und hat 2014 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten.

Auch in seinem aktuellen Buch: „Zehn Gründe, warum du deine Social-Media-Accounts sofort löschen musst“, warnt er vor sozialen Netzwerken. Lanier führt darin genau solche zehn Gründe an, wie „Social Media macht dich unglücklich“ oder „Social Media tötet dein Mitgefühl“ auf. Dazu kommt „Social Media macht Politik unmöglich“ und „Social Media macht dich zum Arschloch“. All diese Punkte erklären, warum man seine Konten dort löschen sollte.

Bildquelle: geralt, thx! (CC0 Public Domain)

Tarnkappe.info

Über

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.