Jaron Lanier fordert auf der Cebit zum Verlassen sozialer Netzwerke auf

Article by · 11. Juni 2018 ·

Zum Auftakt der Cebit hat Internetpionier Jaron Lanier eine Warnung ausgesprochen vor den negativen Auswirkungen der sozialen Netzwerke. Mit seiner Empfehlung, Plattformen wie Facebook, Twitter & Co. zu verlassen, macht der 58-Jährige erneut auf eine allumfassende Überwachung in den Netzwerken, einem Kontrollverlust über die eigenen Daten und dem Effekt von Filterblasen, aufmerksam.

In einem Gespräch mit FAZ.NET-Digitalchef Carsten Knop auf der Kick-Off-Bühne der Cebit in Hannover meint er: „Wir sind daran so gewöhnt, dass wir nicht mehr merken, wie bizarr und krank das ist.“ Während zahlreiche User der Meinung wären, ohne Social-Media-Präsenz nicht mehr leben zu können, so gibt Lanier den Rat dort auszusteigen und für mindestens sechs Monate darauf verzichten, um auch für neue Projekte offen zu sein und dem Raum zu geben. Er meint, ein Verzicht würde leichter fallen, als angenommen: „Aber das ist eine Illusion: Wenn du versuchst, da rauszukommen, wirst Du feststellen, dass es gar nicht so schwer ist.“ Was für die Allgemeinheit gilt, rät er zudem Donald Trump, denn auch er wäre abhängig von Twitter & Co.: „Ich glaube er hätte einen viel besseren Charakter, würde seine Abhängigkeit geheilt“.

Lanier gibt dabei zu bedenken, dass Demokratie aus Diversität und der Vielfalt im Denken bestehe: „Doch das funktioniert nicht, wenn wir alle im selben System gefangen sind.“ Zwar wären Überwachungsmaßnahmen nichts Neues in der Geschichte, jedoch wäre neu daran, dass man mit der heutigen Technik fähig sei zu einer permanenten Überwachung der User in Kombination mit der Möglichkeit, diese direkt zu manipulieren, sei es beim Einspielen personalisierter Werbung oder auch bei politischen Entscheidungen. Als eine mögliche Lösung, um die Kontrolle über die eigenen Daten künftig zu behalten, nennt der Internetpionier, die Bezahlvariante. User sollten also für die Nutzung der Dienste, die jetzt noch frei sind, wofür sie aber mit ihren Daten zahlen, Geld hinlegen. Es habe sich ja auch bei Diensten, wie Netflix gezeigt, dass das Bezahlmodell klappt und den Vorzug erhält etwa vor werbefinanzierten Modellen.

Jaron Lanier gilt sowohl als Systemmacher, als auch als dessen Widersacher. Er hat in den 80er Jahren beim Computerspielehersteller Atari einen Datenhandschuh entwickelt, mit dem man in einem virtuellen Raum agieren kann und er hat damit den Begriff einer „virtual reality“ geprägt. Lanier ist sehr vielseitig. Er komponiert, spielt Instrumente, hat an Ivy-League-Universitäten Informatik unterrichtet, ist Sachbuchschriftsteller, arbeitet für die Forschungsabteilung von Microsoft und hat 2014 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten. Auch in seinem aktuellen Buch: „Zehn Gründe, warum du deine Social-Media-Accounts sofort löschen musst“, warnt er vor Social Media. Er führt darin genau solche zehn Gründe an, wie „Social Media macht dich unglücklich“, „Social Media tötet dein Mitgefühl“, „Social Media macht Politik unmöglich“ und „Social Media macht dich zum Arschloch“, warum man seine Konten dort löschen sollte.

Bildquelle: geralt, thx! (CC0 Public Domain)

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9 Comments

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    Und ganz zufällig (oder auch eben nicht) bringt der Gute wenige Tage vorher sein neues Buch mit genau diesem Thema raus: https://www.theguardian.com/books/2018/may/30/ten-arguments-deleting-your-social-media-accounts-right-now-jaron-lanier

    Welch Zufall, oder auch nicht..

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      deltaforce


      Stimmt, hab Ich auch im Fernsehen gesehen, wie der seine
      Bücher signiert hat. (Die liefen lt. TV-Beitrag wie geschnitten
      Brot. Buisness sells.. (Zufall ist das allerdings nicht).

      Kernaussage im Buch ist doch in einem Satz beschrieben:
      „Verdammnis für die Nutzung von Social Media“

      Lohnt es sich das das Buch zu kaufen?

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        Filmfreund


        Zitat:

        „Kernaussage im Buch ist doch in einem Satz beschrieben:
        Verdammnis für die Nutzung von Social Media.“

        Womit er Recht hat. Alles was unter Social Media läuft wurde doch nicht geschaffen um die Menschen freundschaftlich zu vereinen.

        Primärziel 1: Daten sammeln

        Primärziel 2: Daten verkaufen

        Primärziel 3: Personalisierte Werbung schalten

        Primärziel 4: Privatsphäre abschaffen

        Ich finde es darum auch immer sehr erfrischend, wenn sich in der Öffentlichkeit über „Datenpannen“ bei Social Media Diensten empört wird. Die einzigen Datenpannen sitzen immer vor dem Bildschirm und vor der Tastatur. Ich habe darum auch null Mitleid mit den Betroffenen. Für Regierungen und Ermittlungsbehörden natürlich das Schlaraffenland schlechthin.

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    Filmfreund


    Wer der Meinung ist Fratzenbuch, WhatsApp und der übrige Social Media Krempel erleichtert und bereichert die individuelle Lebensführung, hat eine kapitale Vollmeise und sollte dringendst professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.

    Wann kapieren diese suchtkranken Idioten mit ihren Dummphones endlich, daß sie mit ihrem stupiden Geklimper und Gedaddel in der Öffentlichkeit, einerseits normalen Menschen (soweit noch vorhanden) auf den Sack gehen, andererseits für normale Menschen eine potenzielle Gefahr darstellen. Merken die eigentlich überhaupt wie sehr sie sich zum Affen machen? Unter den übrigen Affen vermutlich nicht.

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    Anonymous


    …ach ja, der Herr Lanier mal wieder. Er mag ja wirken und aussehen wie ein alter Spät-Hippie oder wie ein später Alt-Hippie und dementsprechend bei vielen Menschen eine Assoziation auslöst, die ihn aber in eine falsche Schublade befördert. Es mag ja sein, dass er in seinem Alter nicht wirklich weiss, wie heutzutage die Jugend tickt. Aber seine Aussagen beziehen sich schliesslich nicht nur auf Kinder / Jugendliche, sondern auf alle, die sich im Internet bewegen! Und es kommt hinzu, dass er von Anfang an den wirtschaftlichen Hintergrund des Internet verstanden hat, der sich über Jahre hinweg herauskristallisiert hat. Natürlich auch, weil er selber dort gearbeitet und Geld verdient hat…und bestimmt nicht zu knapp!
    Und wenn man mal ehrlich ist, hat seine Abneigung gegenüber der „Social Media“, welche sich in den letzten Jahren wohl eher zur „Antisocial Media“ entwickelt hat, doch mehr Sympatisanten wie offen zugegeben!?! Zumindest bei den Menschen, die mehr Grips im Kopf haben, als die berühmten IQs von zwei Meter Feldweg…
    Er bringt zumindest die Leute immer wieder in den letzten 20 Jahren und mehr dazu, einmal nachzudenken und sich eine Meinung zu bilden (egal, in welche Richtung). Genau das ist schliesslich auch der Punkt, den er der „Social Media“ abspricht – eigene und persönliche Meinungsbildung!
    Das Lanier mit so einer perfiden Methode, wie einer finanziellen Bestechung ruhig zu stellen wäre, glaube ich eher nicht. Denn selbst der Hippie hat in den ganzen Jahren seiner Arbeit für diese Branchen genug Kleinholz an Seite geschafft ;)
    Hin oder her – trotz allem ist es gerade heutzutage enorm wichtig, dass es noch Leute gibt, die überhaupt noch den Mund aufmachen, um wenigstens der Jugend noch zu zeigen, wie das Sprechen funktioniert…
    ^^

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      Pudelmütze


      Warum gibt es das Buch dann nicht kostenlos, zum Beispiel als digitalen Download? :)

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        Anonymous


        – Keine Ahnung, woher soll ich das wissen !?
        – In seinen Thesen wettert er auch z.B. über diese „Kostenlos-Mentalität“, die auch für den jetzigen Zustand mit verantwortlich ist…warum sollte er dann das Buch umsonst verteilen ??
        – Im Übrigen finde ich ca. 9,70€ nicht unbedingt teuer !
        – Da gibt es wohl für weitaus mehr Geld noch viel grösseren Schrott, der sich Literatur schimpft.
        – Und einen „kostenlosen Download“ irgendwo im Netz, wird es bestimmt schon geben ^^

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    unbekannter Künstler


    Hab mit der News echt ein Problem, damit ich diese Sozial Medial Netzwerke verlassen kann muss ich mich jetzt ernsthaft überall registrieren?! Naja man muss ja nicht überall mitmachen … Lemminge …

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    Pudelmütze


    Und wenn ihm Zuckerberg 5 Millionen für die Rechte an dem Buch in die Hand drückt, ist es vom Markt. So Recht er ja haben mag, aber wirklich glaubwürdig wirkt er nicht. Zumal er mit seinen fast 60 Jahren sicher kaum weiß wie die Kids heute funktionieren.


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