LouisGriffin fragt Spiegelbest – ein Interview

LousGriffin befragt Spiegelbest zur Boerse.bz, zu Amazon, Spotify und die Zukunft der E-Books. Ein Interview der ganz anderen Machart.

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Unser Autor Spiegelbest wird dieses Mal von jemandem in die Mangel genommen, der selbst aus der Szene kommt: LouisGriffin. Es geht, wie könnte es anders sein, um Boerse.bz, die geplante Amazon-Flatrate und last, but not least um Lul.to.

 LouisGriffin an Spiegelbest

Eingereicht am 17.08.2014 um 03:15

Spiegelbest, meld dich mal per Mail oder so, ich würde dich gerne mal interviewen zu deinen Interviews ;)

 

Eingereicht am 17.08.2014 um 09:09 | Als Antwort auf LouisGriffin.

Mach ich. Warum nicht?


LouisGriffin:
Hallo Spiegelbest. Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit nimmst und ein Interview geben willst.. Fangen wir doch direkt an. Stelle dich am besten der Leserschaft vor, wie lange bist du schon in der Szene und was machst du dort genau?

bookstore berlinSpiegelbest: Ich bin seit etwa 5-6 Jahren dabei. Angefangen habe ich bei der Boerse.bz. Der Nick ‚Spiegelbest‘ ist der Nick von unserem Team, das die Liste der Spiegelbestseller released hat – anfangs gescannt, später gekauft. Damals galt noch eine zweijährige Schonfrist für neue Titel. Wir haben uns schon früh mit den Platzhirschen angelegt. Ich persönlich habe damals begonnen, aus der Szene zu bloggen, was absolut No-Go war. Ich bin also recht immmun gegen Shitstorms … in Drachenblut gebadet, wenn du so willst.

LouisGriffin: Viele der Leser von Tarnkappe sehen dich ja als Troll und jemanden der diverse Aufmerksamkeit braucht. Was reizt dich an dem Thema „Boerse“ allgemein und wie gehst du mit der Kritik der Leserschaft um?

Spiegelbest: Na, das sind schon mal drei Fragen in einer. Okay, was ich für die Leser bin – das musst du nicht nur die paar Leutchen in den unmoderierten Kommentaren fragen. Jedenfalls bin ich wohl ein Unterhaltungsfaktor, und das ist im Internet die halbe Miete. Was reizt mich an der ‚Boerse‘? Das ist ehrlich gesagt eine Frage der Technik: Ich war allein, ein X unter tausenden von X. Mich kannte niemand. Die Boerse kannte jeder. Jetzt sieh es mal vom Ende her: Ich bin vielleicht berüchtigt, aber nicht unbekannt. Die Boerse.bz ist erlegt. Das ist nicht meine Leistung, ich habe auch nicht zur Jagd geblasen. Trotzdem – wenn du mal zurückblickst: Ich bin ganz oben, die Boerse ganz unten. Alles Zufall!? Alles Glückssache!? Oder auch ein bisschen Technik?

Und zur Kritik aus Teilen der Leserschaft: Wenn ich damit nicht umgehen könnte, würde ich sie einfach wegmoderieren! Tue ich das? Nein, Beiträge und Kommentare sind für mich eins … immer gewesen. Je wilder es zugeht, desto besser für mich ;) Alles eine Frage der Technik …

„Die Boerse hat euch eine Geschichte aufgetischt.“

LouisGriffin: Als jemand der sich nicht mit der Materie auskennt und nicht weißt was bei Boerse wirklich geschehen ist, saugst du dir ja auch ziemlich viele Thesen aus den Fingern. Woher nimmst du diese? Hast du eventuell doch Kontakt zu einigen Teamies die aber nicht namentlich genannt werden möchten?

Spiegelbest: Die Boerse hat euch eine Geschichte aufgetischt. Ich habe euch eine Geschichte aufgetischt. Jetzt musst du entscheiden, welche Geschichte plausibler ist. Wir hatten Kontakt zu Leuten von dort. Wir haben sehr früh die richtigen Infos gehabt. Spekulation ist, dass die Boerse.to ein 1:1 Relaunch von Boerse.bz ist – inklusive Admin und allem. Ich sage, wenn der Admin der Boerse.bz einen Flamewar gegen sich laufen lässt, dann weiß er, was er tut. Dann will er die neue Boerse.to bekannt machen, weil er nämlich selbst an Bord geht. Die Mods erzählen, dass sie ein Revolte gegen ihn gemacht haben. Du musst wissen, was du glaubst.

LouisGriffin: Was hälst du persönlich von den ganzen Boerse-Ablegern?

Spiegelbest: Sie werden es schwer haben gegen die legalen Alternativen wie Spotify. Ich kann nur für die Ebooks sprechen. Da glaube ich, dass die Zukunft darin liegt, die Ebooks selbst zu hosten, wie Torboox damals und jetzt Lul.to.

BücherregalLouisGriffin: Viele vermuten ja das du der Admin von Myboerse.bz bist, ist an dieser Behauptung was dran?

Spiegelbest: Als wir Beiträge über Lul.to geschrieben haben, wurde gesagt, dass ich einer der Betreiber von Lul.to bin. Wenn ich Beiträge über Amazon schreibe, bin ich dann Jeff Bezos? MyBoerse.bz war neu und kam, bevor die Boerse.to starten konnte. Also haben wir über den Newcomer geschrieben, da der Oldcomer nicht aus den Pantoffeln kam. Ganz einfach!

LouisGriffin: Um langsam das Thema zu wechseln um von Boerse und Co. wegzukommen, wie denkst du über die Zukunft von Warez allgemein? Besonders im Bezug auf E-Books?

Spiegelbest: Die Verlage wollen die E-Books als Bücher gesehen wissen. Amazon will die Ebooks wie Dateien behandeln. Bücher sind teuer und einzeln, Dateien sind billig und lassen sich gebündelt anbieten. Amazon wird die Ebooks in der Flat anbieten – egal, ob Indie oder nicht. Die Verlage werden es auf Dauer sehr schwer haben, ihre Leser davon überzeugt zu halten, dass die Preise der E-Bbooks gerechtfertigt sind.

LouisGriffin: Viele wissen ja, dass du selber Geschäftsmodelle wie lul.to nicht gerade gut findest. Aber ich denke, lul.to und andere Seiten die E-Books gegen einen geringen Betrag anbieten, sind eigentlich auf den richtigen Weg. Warum verachtest du solche Modelle?


Erstklassige Umsetzung bei LUL.to

Spiegelbest: ‚Verachten‘ ist der richtige Ausdruck, denn ich halte sehr viel von Lul.to. Die Umsetzung ist erstklassig. Wenn die Ebooks eine eigene Branche neben den Büchern werden – mit völlig neuen Vertriebswegen – dann werden sich die legalen Anbieter an Lul.to messen lassen müssen, sonst wird es nichts mit dem großen Geschäft! Aber Lul.to kauft nur sehr wenige Titel selbst. Wenn Lul.to tatsächlich den Durchmarsch macht – wie ich es erwarte – dann wird das Angebot gegen Null gehen. Das war schon bei Torboox so. Als die beiden Betreiber sich die Bitcoins um die Wette in die Wallets gesteckt haben, wurden kaum noch Bücher gekauft. Wovon auch!? Ich mag Lul.to nicht, weil sie parasitär aufgestellt sind.

LouisGriffin: Sehe es mal von der Seite aus. Lul.to bietet E-Books für 0,01 bis 0,10 € an, klar ist so was noch nicht profitabel für Autoren, aber auf den Weg zu einer Flatrate wäre es nicht mehr weit, oder? Genau so was möchte ja auch Amazon erreichen oder die Preise für E-Books auf ein Niveau runter drücken, damit er für den Komsumenten endlich bezahlbar wird.
Viele Autoren stellen sich ja derzeit auch gegen Amazon als Riesen, der Bücher boykottieren will. Dabei bin ich ganz klar auf der Seite von Amazon, weil ich kann mich dort auch rein versetzen. Warum kostet ein E-Book soviel wie ein gedrucktes Buch? Wo doch die Herstellerkosten weitaus geringer sind? Du bist ja selber Einzelhänder wie ich es mitbekommen habe, ich denke du hast genau die selbe Einstellung?

Buchhandlung BerlinSpiegelbest: Völlig richtig. Aber stell dir mal vor, du bist Einzelhändler und dein Produkt wäre auf einmal digital vorhanden. Ich glaube nicht, dass der Buchhandel die Digitalisierung der Bücher steuern kann. Nimm mal einen Blumenhändler, der morgens beim Holländer en gros einkauft und dessen Kunden mittags nach digitalen Blumen fragen. Ich sehe nicht, wie das gut ausgehen kann.

LouisGriffin: Wie würde deine Idee lauten, einen Markt für E-Books zu schaffen, der für Verlage und Autoren sowie Vertreiber profitabel ist?

Spiegelbest: Ich habe keine Idee. Ich weiß aber, wie es ausgeht. Am Ende steht ein Spotify für Ebooks. Ich vermute mal, Amazon macht das Rennen. In jedem Fall sind am Ende nur die Pioniere dabei: Bastei Lübbe zähle ich dazu, aber auch Lul.to ;)

Alle anderen Fotos: Lars Sobiraj.