Folding@home: La Ligas „Demogorgonin“ rechnet jetzt gegen Corona

Die spanische La Liga stellt dem Folding@home-Projekt ihren Supercomputer zur Verfügung, der eigentlich zur Piraterie-Abwehr gedacht ist.

Folding@home
Bildquelle: Kaffee, thx! (Pixabay-Lizenz)

Die spanische Fußballliga La Liga nutzt den eigentlich zur Abwehr von Piraterie gedachten Supercomputer „Demogorgonin“, um das Coronavirus zu bekämpfen. Wegen der aktuellen Stilllegung des Spielbetriebs dient der Anti-Piraterie-Rechner hauptsächlich dem Folding@home-Projekt, wie TorrentFreak berichtet.

Demogorgonin bleibt warm

Wie andere prestigeträchtige Sportverbände verfügt La Liga über ein Anti-Piraterie-Team, das illegale Streams verfolgt. In den letzten Wochen gab es jedoch bekanntlich kein einziges Fußballspiel zu schützen. Das heißt aber, dass viele der Anti-Piraterie-Ressourcen der La Liga ungenutzt bleiben. Das gilt deshalb auch für einen auf den Namen „Demogorgonin“ getauften Supercomputer, der sich im Hauptsitz der Liga in Madrid befindet und normalerweise zum Verfolgen von Piraten-Livestreams verwendet wird. Demogorgonin soll 4.232 Mal so leistungsfähig sein wie normale Rechner.

Hilfe für Folding@home

Jetzt hilft der spanische Großrechner dem Projekt Folding@home aus. Denn mit gespendeten Computerressourcen aus der ganzen Welt unterstützt das Projekt die medizinische Forschung, um effektiver Krankheiten zu bekämpfen. Das ist allerdings nicht das erste Mal, dass Demogorgonin sein Arbeitsgebiet erweitert: „Wir haben Ingenieure, IT-Experten, Leute, die sich mit den Systemen so gut auskennen, dass sie dachten: ‚Sieh mal, das können wir abgeben, wir haben nicht jeden Tag Spiele – Barcelona spielt nicht jeden Tag“, sagte ein La Liga-Techniker gegenüber ESPN. Deshalb seien schon zuvor etwa die überschüssigen Computerressourcen von La Liga für die Krebsforschung eingesetzt wurden. „Aber dann verlagerte sich die Aufmerksamkeit und wir übergaben sie dem Kampf gegen das Coronavirus.“

Viel Solidarität

Die Liga ist damit nicht allein. Zu Beginn des Jahres waren 30.000 Computer an das Folding@home-Netzwerk angeschlossen. Diese Zahl ist mittlerweile auf mehr als eine Million angewachsen, so jedenfalls ein NVIDIA-Bericht. Mit all dieser kombinierten Rechenleistung wollen die Forscher besser verstehen, wie die Proteine des COVID-19-Virus zur Krankheit beitragen. So soll schneller ein Heilmittel gefunden werden. Das Projekt nutzt durch verteiltes Rechnen die nicht gebrauchten Verarbeitungsressourcen von PCs und Servern, auf denen eine entsprechende Software installiert ist. Prinzipiell kann jeder mitmachen, indem er oder sie einfach die Folding@Home-Anwendung installiert und einen Teil der CPU- oder GPU-Reserveleistung zur Verfügung stellt.

Wer sich beteiligen möchte: Die Guides zur Installation auf Linux-, Mac- oder Windows-Rechnern von Folding@home sind allesamt hier verfügbar.

Tarnkappe.info

Über den Autor

Student und schon lange im Journalismus unterwegs. In der Vergangenheit Mitarbeiter für eine Vielzahl von klassischen Printzeitungen und Newsportalen. Erst für Lokalredaktionen, dann Sport und Gaming, seit Anfang 2020 im Dienst für die Tarnkappe. Abseits davon bin ich vor allem interessiert an Geopolitik, Geschichte und Literatur.