EFF-Studie: Sensible Schülerdaten sind gefährdet

Article by · 16. April 2017 ·

Die Ergebnisse ihrer Studie hat die US-amerikanische Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) am 13.04.2017 herausgegeben. Unter dem Titel „Spying on Students: School-Issued Devices and Student Privacy“ (Auspionieren von Schülern: Schuleigene Geräte und die Privatsphäre von Schülern) wurden von ihnen Daten ein Jahr lang erhoben, zusammengefasst und ausgewertet.

Insgesamt beteiligten sich an der im Jahr 2016 durchgeführten Studie landesweit 1034 Teilnehmer, darunter Eltern, Schüler ab 14 Jahren, Lehrer und Mitarbeiter der Schulverwaltung. Schüler und ihre Eltern machten mit 83 Prozent den größten Teil der Befragten aus. Zudem flossen auch Daten aus 17 Ländern außerhalb der USA mit ein, von denen die Forscher Stichproben erhoben hatten.

Die Auswertung zeigte, dass sensible Schülerdaten in den Vereinigten Staaten sehr häufig in die Hände von IT-Firmen gelangen, ohne dass die Eltern dessen zugestimmt hätten. Die Forscher betonten dabei, dass dieser Sachverhalt nicht nur auf die Vereinigten Staaten beschränkt wäre, sondern global festzustellen sei.

Das Problem resultiert daraus, dass einerseits die Schulen großes Interesse daran hätten, verstärkt IT-Technik im Unterricht einzusetzen, andererseits die Schüler und ihre sensiblen Daten nicht ausreichend geschützt seien. So nutzen ein Drittel aller „K-12 students“, das sind Schüler von der Vorschule bis zum 12. Jahrgang, schuleigene Technologie. Auf diesen Geräten liefe dann Software, die weit mehr Informationen als notwendig sammelt und weitergibt. Die Bildungseinrichtungen erhalten diese Technik häufig deutlich verbilligt oder sogar gratis, doch der Preis dafür ist laut Studie hoch: Schon Fünfjährige gäben bei der Nutzung reichlich persönliche Daten preis.

Die Hälfte der Teilnehmer berichtete, dass im Unterricht Chromebooks zum Einsatz kämen, gefolgt von iPads (32 Prozent) und Microsoft Surface Tablets (3 Prozent). Bei der eingesetzten Software war Googles „G Suite for Education“ mit 63 Prozent die meistgenannte Plattform.

Dass Schule oder Schulbehörde keine schriftliche Information zur eingesetzten Hard- und Software herausgaben, führten 45 Prozent der Befragten an, weitere 31 Prozent waren sich nicht sicher, ob sie eine solche Information erhalten hatten. 32 Prozent berichteten, dass ihre Schule keine „opt-out“-Möglichkeit anbietet, also keine Alternative für Eltern und ihre Kinder, die Unterricht ohne IT-Einsatz und Cloud-Nutzung wünschen, 37 Prozent waren unsicher, ob eine solche Alternative für sie besteht. Bei 31 Prozent herrschte Unsicherheit darüber, ob sie eine solche Information überhaupt erhalten hatten. 32 Prozent gaben an, dass ihre Schule keine „opt-out“-Möglichkeit anbietet, also keine Alternative für Eltern und ihre Kinder, die Unterricht ohne IT-Einsatz und Cloud-Nutzung wünschen; für 37 Prozent war unklar, ob eine solche Alternative bei ihnen bestehen würde.

Ein befragter Schüler gab an, die Einführung von Google-Konten für alle Schüler habe „plötzlich und ohne Ankündigung“ stattgefunden. Ähnlich erging es Lehrern, die an der Studie teilnahmen. So berichtete einer den Forschern: „Detaillierte Informationen von Schulmitarbeitern und Schülern – das heißt: Name, E-Mail und Anschriften – wurden an Google weitergegeben um individuelle Konten zu erstellen, ohne dass die Mitarbeiter vorher um ihre Zustimmung gebeten worden wären. Ich bin nicht sicher, ob die Eltern zugestimmt haben.“

Fazit:

EFF-Autorin Gennie Gebhart zieht wie folgt Bilanz: „Unser Bericht zeigt, dass die Überwachungskultur schon in der Grundschule beginnt, was dazu führen kann, dass die nächste Generation eine digitale Welt als normal ansieht, in der Anwender ihre Daten ohne Nachfrage im Tausch für Gratisdienste herausgeben – eine Welt, in der weniger Privatsphäre nicht nur der Standard ist, sondern in der Natur der Sache liegt“.

Die EFF-Forscher schätzten ihre Resultate insgesamt als besorgniserregend ein. Die für die Studie erhobenen Daten würden belegen, dass sowohl staatliche Gesetze, als auch Selbstverpflichtungen der Wirtschaft dem zunehmenden Technikeinsatz im Schulunterricht nicht ausreichend Rechnung tragen.

Bildquelle: geralt, thx! (CC0 Public Domain)

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