Edward Snowden: Massenüberwachung verhindert keine Anschläge

Edward Snowden

Edward Snowden

In der Politik wird derzeit vielfach ein Mehr an Überwachung – insbesondere an verdachtsunabhängiger Massenüberwachung – als Reaktion auf die Terror-Anschläge von Paris gefordert. NSA-Whistleblower Edward Snowden – der selbst maßgeblich dazu beitrug, das erhebliche Ausmaß bereits existenter Überwachungsprogramme öffentlich bekannt zu machen – hält diese Pläne jedoch für nicht hilfreich. Er ist überzeugt, dass sich durch mehr Überwachung keine Terror-Anschläge verhindern lassen. Stattdessen fordert er gezieltere Ermittlungsmaßnahmen gegen Verdächtige.

Snowden erklärte in einem Interview mit der niederländischen Zeitung De Volkskrant, bisher sei durch Überwachung noch kein Anschlag verhindert worden. Dies gehe auch aus zwei Studien der US-Regierung, die sich mit der Effektivität derartiger Verfahren befassen, hervor. Frankreich habe seit vergangenem Jahr das umfassendste Abhörgesetz in Europa, sagte Snowden. „Dennoch hat dies die Anschläge nun nicht verhindern können.“ Auch die von vielen Politikern als Reaktion auf die Anschläge geforderte Vorratsdatenspeicherung wird in Frankreich bereits seit 2006 praktiziert.

Snowden deutet an, dass er gezielte Polizeiarbeit für sinnvoller halten würde als ungezielte Überwachung. Regierungen investierten zu viel Geld und Energie in die Erfassung und Analyse von Daten, statt gezielt Verdächtige zu observieren, so der Whistleblower. Dies führe dazu, dass die Geheimdienst-Analysten mit Daten überladen würden. „Das ist wie die Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen,“ beschreibt Snowden die Arbeit der Geheimdienste angesichts dieser Datenflut. Eine Ausweitung der Überwachung wäre dann wohl damit vergleichbar, immer weiteres Heu zu produzieren.

Im Zuge von immer mehr Überwachung entferne man sich von effektiveren, gezielten Ermittlungsmethoden nur immer weiter, befürchtet Snowden. Er betont, dass die Verantwortlichen für das „Charlie Hebdo“-Massaker in Paris bereits vor der Tat polizeilich bekannt gewesen seien. Ähnlich sei es mit den Verantwortlichen für die Bluttat beim Boston Marathon gewesen. Hier müsse angesetzt werden – „wir müssen uns auf Individuen konzentrieren, die unsere Aufmerksamkeit nötig haben“, so Snowden.

Snowden ist nicht der Erste, der daraus hinweist, dass massenhafte Überwachung nicht nur politisch und ethisch kontrovers, sondern noch dazu auch von zweifelhafter Effektivität ist.

Quelle: heise online/dpa

Mehr zu diesem Thema: Meinung: Vorratsdatenspeicherung bleibt gefährlich und nutzlos

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11 Kommentare

  1. Elangs sagt:

    Dann bleiben wir doch mal in Frankreich.
    Der Staatsanwalt dort hatte bereits am Freitag nach der Tat bekanntgegeben, dass man mindestens 10 weitere Verdächtige ermittelt hat, weil die Kommunikationsdaten der beiden Attentäter ausgewertet wurden. Somit wusste man dort auch, wer den beiden möglicherweise geholfen hat.
    Man wusste auch, dass die eine Freundin bereits vor der Tat nach Syrien ausgereist ist.
    Das klingt jetzt erst einmal so, als wenn die Daten den Ermittlungsbehörden geholfen haben, die Ermittlungen zu führen.
    VDS kann niemals präventiv sein, das muss wirklich schwer zu verstehen sein.
    Und weil das so ist, wurde das Attentat auch nicht verhindert.
    Wer jetzt also sagt, die VDS ist sinnlos, weil sie das Attentat nicht verhindert hat, der hat den Zweck nicht verstanden.
    Die Frage ist daher eine ganz andere. Wollen wir den überwigenden Teil der Bevölkerung, die keine Straftäter sind, trotzdem gleichzeitig mitüberwachen oder nicht. Ist es den Preis solche Attentate wert, dass dann auch Daten aller anderen gesammelt werden.
    Wir hätten gleich eine ganz andere Diskussion. Ich wäre mir nicht mal so sicher, ob ein Großteil der Bevölkerung dagegen wäre.

    • mario sagt:

      hast du eine quelle dafür?
      denn soweit ich weiß, hat einer der beiden attentäter nie ein handy oder ähnliches benutzt.
      sie wurden beide auch 4 jahre lang beschattet, und das wussten die auch.
      die waren halt sehr vorsichtig.

      und dem großteil wird schon bekannt sein, was die VDS im >grunde< bezwecken soll.
      nur bleiben wir mal bei deiner aussage.
      die kommunikationsdaten der beiden wurden ausgewertet.
      die betonung liegt hier auf ausgewertet.
      also wurde alles, wirklich alles an kommunikation ausgewertet.
      einschließlich der daten von unschuldigen.
      nehmen wir an, die beiden hatten zusammen 100 kontakte. darunter freunde, familie, bekannte etc.
      dann sind doch die alle in erster linie erstmal verdächtig und es wird alles überprüft.
      und was da hinter verschlossenen türen alles so gemacht wird, das weißt du doch gar nicht.
      kann auch sein, dass das ganze leben von den personen auf den kopf gestellt wird.
      das halte ich persönlich für inakzeptabel.
      und auch habe ich bedenken, dass wenn das durchgesetzt wird, dass irgendwann der nächste schritt kommt.

      Ich wäre mir nicht mal so sicher, ob ein Großteil der Bevölkerung dagegen wäre.

      weißt du, in zeiten des beliebten facebook wundert mich gar nichts mehr.
      ich sage hier nur privacy paradox.

      • Elangs sagt:

        Die Quelle war ein TV Beitrag, ich meine im ZDF.
        Es wurde die Mobilfunkdaten der beiden Attentäter analysiert.
        In einem Fall hat er eine innerhalb eines Jahres 500 Mal mit der gleichen Nummer telefoniert.
        Und so kamen die Ermittlungsbehörden auf die weiteren Verdächtigen.

        Anders herum: Welche Quelle sagt, dass die 4 Jahre beschattet wurden.
        Mir war nur klar, dass die beiden der Polizei bekannt waren.

        Vielleicht einfach mal von Filme wie Minority Report o.ä. trennen. Von wegen Echtzeitüberwachung usw.

        VDS kann fast immer nur reaktiv sein und daher ist das Argument, es hätte Paris nicht verhindert ziemlicher Unsinn.

        • mario sagt:

          danke für die klare aussage über die quelle.
          kannst du mir jedenfalls sagen, wie der beitrag hieß, oder wann der genau gelaufen ist? und ob das auch tatsächlich im zdf lief?

          Es wurde die Mobilfunkdaten der beiden Attentäter analysiert.
          In einem Fall hat er eine innerhalb eines Jahres 500 Mal mit der gleichen Nummer telefoniert.
          Und so kamen die Ermittlungsbehörden auf die weiteren Verdächtigen.

          scheinen ja ein paar gerüchte die runde zu machen.
          denn ich lese hier :
          zitat
          „Coulibaly soll den jüngeren der beiden Kouachi-Brüder, Chérif, im Gefängnis kennengelernt haben, wo er von 2010 bis 2014 einsaß. Auch die Lebensgefährtinnen der beiden haben sich offenbar gut gekannt. Laut Polizei sollen sie im vergangenen Jahr mehr als 500-mal miteinander telefoniert haben. Die Verbindungsdaten und Mitschnitte werden nun ausgewertet, um die Rolle der beiden Frauen zu klären.“

          das hat nichts mit deiner oben getätigten aussage zu tun.
          denn nicht die verbindungsdaten der beiden attentäter wurden ausgewertet, sondern die von den frauen! die frauen haben innerhalb eines jahres 500 mal miteinander telefoniert!
          das ist ein kleiner aber feiner unterschied.

          quelle: https://www.spiegel.de/politik/ausland/terror-in-paris-fakten-raetsel-komplizen-hintermaenner-a-1012434.html

          weitere links, die du bei interesse mal angucken kannst.

          https://netzpolitik.org/2015/pariser-attentaeter-standen-im-schengener-informationssystem-geholfen-hat-es-nicht/

          https://www.welt.de/newsticker/news1/article136434997/Zwoelf-Festnahmen-nach-Anschlaegen-in-Paris.html

          https://www.spiegel.de/politik/ausland/charlie-hebdo-die-verbindungen-der-attentaeter-von-paris-a-1012193.html

          https://www.zeit.de/feature/attentat-charlie-hebdo-rekonstruktion

          • Elangs sagt:

            Ich bitte um Nachsicht, dass ich kein fotografisches Gedächtnis
            habe und mir nicht jede Sendung auf die Minute merke.

            Es war eine der zahlreichen Sondersendung direkt nach der Tat.

            Und es war O-Ton eines französischen Staatsanwalts.

            Welchen Unterschied macht es? Die Behörden haben die Mobifunkkommunikation der Täter ausgewertet.
            Gerüchteweise soll allerdings einer der beiden gar kein Handy benutzt haben.
            Aber das ist ein Gerücht.

            Und aus diesen Daten wurden weitere Schlüsse gezogen. Und so gelangte man zu den Freundinnen, die ja mindestens wichtige Zeugen sind.

            Was zeigt das alles? Dass die VDS der Polizei bei der Ermittlungsarbeit weitere Daten zur Verbrechensaufklärung liefert. Aber nicht zur Prävention.

            Und genau da ist das schwache Argument gegen die VDS.
            Es gibt weit bessere.

            • mario sagt:

              kannst du denn jetzt mal eine quelle nennen, oder mal das video raussuchen?
              oder schreibst du wieder aus dem nicht-fotografischen gedächtnis?

              • Elangs sagt:

                Mario, mir ehrlich gesagt egal, ob du mir das glaubst oder nicht.
                Ich weiss, was ich gesehen habe und es ist auch plausibel.
                Denn, es ändert an dem Kern nichts. Und der Kern bleibt.
                In Frankreich wurden gespeicherte Telekommunikationsdaten zur Aufklärung der Attentate eingesetzt. Aufklärung ist nicht Prävention.
                Um mehr ging es nicht.
                Das schwache Argument, VDS hätte die Anschläge nicht verhindert bleibt schwach. Und es gibt wie mehrfach betont viele gute Gründe gegen eine VDS zu sein.

  2. mario sagt:

    snowden sollte endlich mal auspacken was wirklich dahinter steckt.
    wer auf der welt der wirkliche befürworter dafür ist, und welches andere länder dazu „drängt“!
    und dann immer mit terror argumentieren.
    das ist einfach nur noch lächerlich.

    bin mal gespannt, dass wenn das durchgesetzt wird, was dann ein paar jahre später als nächstes kommt.
    wobei, man kann es sich ja schon denken.

    aber was den terror angeht, wird diese „überwachung“ nichts bringen. höchstens das gegenteil.
    und von einigen terroristen weiß man ja, dass sie explizit auf technik verzichtet haben.
    was das angeht sind die nicht dumm. die wissen schon wie man untertaucht oder sich nicht verdächtig macht.
    (damit sind jetzt nicht die syrien-rückkehrer gemeint. denn die sind automatisch mit der wieder-einreise verdächtig)
    und umso mehr überwachung es geben wird, desto vorsichtiger werden die auch.
    vielleicht schreckt es einige ab… aber davon gehe ich jetzt mal nicht aus. erst recht nicht bei fanatikern.

    irgendwie bin ich mittlerweile echt genervt von dem thema.
    liegt vielleicht daran, dass ich wirklich mal geglaubt habe, dieses thema wäre endgültig vom tisch.
    naja, wie man sieht sollte man den tag nicht vor dem abend loben.
    und die hoffnunf habe ich auch schon aufgegeben. wahrscheinlich wird es doch noch durchgewunken.

    warum ich resigniere?

    weil man bei den ganzen (99%) politikern einfach nicht mehr anders kann!
    beratungsresistent bis zum äußersten.
    das ist schon nicht mehr grenzwertig, sondern einfach nur noch pervers.

    • Lars Sobiraj sagt:

      Ist doch klar warum Snowdens Dokumente nur scheibchenweise veröffentlicht werden, der Mann wäre doch sonst längst in Vergessenheit geraten. Ich finde die Art der Veröffentlichung wirklich clever, so bleibt Snowden im Gespräch.

      Natürlich wird sein Material immer älter. Ich würde zu gerne wissen, wie weit die NSA jetzt schon ist mit ihren Angriffs- und Verteidigungsmethoden.

      • mario sagt:

        @edoep und lars: ja, jeder weiß warum snowden es so macht. das kann ich auch gut nachvollziehen.
        klar hat das vorteile. genau wie mit dem untersuchungsausschuss.
        so kann man eins nach dem anderen klären – im bestfall.
        er hat ja auch – abgesehen von seinen persönlich kundgegebenen meinungen – auch versprochen, was ganz „brisantes“ zu veröffentlichen.
        gut, aber wann denn endlich?
        was ist denn „brisant“?
        dass die NSA extrem überwacht, oder andere länder das sogar unterstützen, ist ja wahrlich kein geheimnis. schon seit ewigkeiten nicht mehr.
        snowden war nur einer, der es definitiv bestätigt und auch bewiesen hat.
        zuvor wurde das ja immer dementiert.
        geglaubt haben das allerdings nur die wenigsten.
        aber egal.

        brisant wäre für mich etwas, was darüber klare auskunft gibt, welche beweggründe wirklich dahinter stecken.

        ich bin felsenfest davon überzeugt, dass es >nichtmal< zu 10% was mit terrorabwehr zu tun hat. kann ich mir beim besten willen nicht vorstellen.

        und lars, es gibt ja so 'ne faustregel. kann ich gerade nichts genaues zu sagen, aber ich weiß dass es sie gibt ^^
        auf jeden fall sind die technisch viele viele jahre im vorsprung.
        das was die schon alles technisch können, kann man sich nur denken.
        und dann leg noch mal eine schüppe oben drauf.
        danach nochmal eine.
        anschließend nochmal etwas übertreiben und du bist fast an den punkt gelangt :P

        • mario sagt:

          Interessantes Rechenexempel. :-D

          ja lol.
          habe mich da irgendwie drin verloren :P
          keine ahnung… muss mich mal motivieren und danach suchen.
          irgendwas gibt es da. weiß aber nicht mehr wie das heißt.

          zu dem rest was du geschrieben hast – sehr interessant!
          habe darüber auch schon einiges gelesen, bzw. auch in videos/dokus gesehen.
          allerdings ist man nachher genau so schlau wie vorher.
          manche dinge geben die usa zu, manche wiederum nicht und werden abgestritten.
          etc. pp.
          und was die usa da so anstreben, das wollen ja alle länder irgendwie.
          nur sind die usa eben viele jahre voraus (und in manchen aber auch zurück). und ich glaube es wird nicht nur gutes mit dem „vorteil“ angestellt.

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