Crimenetwork-Busts: Fraudsters & Underground.to weiterhin offline

Die Crimenetwork-Busts haben weitreichende Folgen. Fraudsters und Underground.to sind noch immer offline. Bei Valid.to wurde für immer der Stecker gezogen.

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In der deutschsprachigen Underground Economy hat die kürzlich erfolgte Razzia offenbar einige Beteiligte hochgeschreckt. Die beiden Foren Fraudsters und Underground.to sind entgegen der eigenen Ankündigung noch immer offline. In manchen Foren lassen sich besonders ängstliche Zeitgenossen bannen, weil sie Angst vor strafrechtlichen Konsequenzen haben. Der Betreiber von Valid.to hat seinen Dienst sogar endgültig eingestellt. Die Crimenetwork-Busts bleiben nicht ohne Folgen…

Crimenetwork-Busts mit weitreichenden Folgen

Am Abend des 7. März wurden in ganz Deutschland rund 120 Durchsuchungen durchgeführt. Im Vorfeld hatte eine Gruppe von Ermittler die Daten des Untergrund Forums Crimenetwork ausgewertet, um den aktivsten Käufern, Verkäufern und natürlich den Betreibern dieses Forums habhaft zu werden.


In der deutschsprachigen Underground Economy sorgte der Vorfall natürlich für einigen Wirbel. Einer der Betreiber von Fraudsters versicherte uns gestern, niemand von ihnen sei von den Durchsuchungen betroffen. Allerdings würde man manche Personen kennen, die Dienstag Abend Besuch von der Polizei bekommen haben. Fraudsters ist seit zwei Tagen offline. Nach Aussage eines Mitbetreibers seien aber Serverprobleme und keine Polizeiaktionen dafür verantwortlich. Eigentlich sollte das Forum am gestrigen Abend wieder online gehen. Tatsächlich ist Fraudsters noch immer down. Am heutigen Freitag soll es dort wieder losgehen.

Untergetaucht ist derzeit auch Underground.to. Ausgerechnet zum jetzigen Zeitpunkt wird dort seit zwei Tagen ein Relaunch auf Underground V2 durchgeführt, der dazu führt, dass auch dieses Forum momentan nicht erreichbar ist. In sechs Stunden soll angeblich auch dieses Board wieder einsatzbereit sein. Betreiber Xoom ist momentan nicht für Anfragen erreichbar. Auch andere User haben Probleme, ihn via Jabber zu kontaktieren.

User wollen sich löschen lassen

In weniger professionellen Kreisen sorgte die Bustwelle dafür, dass plötzlich massenhaft Personen in anderen Underground Marktplätzen um eine Löschung gebeten haben. Sie hoffen, damit möglichen strafrechtlichen Konsequenzen bzw. ihrer Aufdeckung aus dem Weg zu gehen, was natürlich technisch gesehen sinnlos ist. Selbst wenn ein User gesperrt ist, bleiben alle Nutzerdaten gespeichert. Die Forensoftware arbeitet dabei wie eine perfekte Überwachungsmaschine. Sie zeichnet jede private Kommunikation, jede Bewegung im Forum etc. ausnahmslos auf. Wer keinen VPN zu seinem eigenen Schutz einsetzt, davon wird es hüben wie drüben genügend Personen geben, gibt dabei über die eigene IP-Adresse seine Identität preis, sofern die Ermittler früh genug an diese Daten gelangen sollten.

Illegaler Online-Shop Valid.to offline

Getroffen hat es nach den Crimenetwork-Busts auch den illegalen Online-Anbieter Valid.to. Der Platz für „himmlische Kreditkarten“ wurde kürzlich eingestampft, nachdem sich der Betreiber mit seinem Anwalt besprochen hat. Die Versorgung der Kaufinteressenten mit geklauten Kreditkarten war aber schon vorher nicht mehr ohne Unterbrechung möglich. Das eigene Angebot stand in den letzten Wochen nur sehr eingeschränkt zur Verfügung.

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Weitere Razzien erwartet

In internen Kreisen geht man davon aus, dass früher oder später weitere deutschlandweite Razzien folgen werden. Da es bezogen auf die Käufer und Verkäufer in vielen Foren Überschneidungen und zudem genügend Personen gibt, die ihre Computer nicht verschlüsseln, muss man aktuell nur die Auswertung der beschlagnahmten PCs abwarten. Sobald die Ermittler die Daten analysiert haben, werden sie wieder koordiniert zuschlagen. Man darf davon ausgehen, dass die Betreiber der noch bestehenden Foren momentan ihre eigene Hardware intensiv in puncto Sicherheit überprüfen, was die jetzige Downtime logisch erklären würde.

Bildquelle BlaulichtReportDE, thx! (CC0 1.0)

Tarnkappe.info

Über den Autor

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.