Cogent Communications führt Backbone-Sperre ein

Article by · 14. Februar 2017 ·

Cogent Communications Piratenland
Der Backbone-Provider Cogent Communications hat im Februar eine gänzlich neue und ungeahnt tiefgreifende Sperre von Webseiten eingeführt. Ausnahmslos Piraten-Seiten, die sich von Cloudflare schützen lassen, sind von der Sperre betroffen. Das Problem: Die Backbone-Sperre kann offenbar nicht mit einem VPN umgangen werden. Auch deutsche Vodafone-Kunden sind davon betroffen.

Cogent Communications mit Hauptsitz USA hat den Traffic einfach nicht zu den Piratenseiten Adfah, Couchtuner, Cyro.se, HdMoviesWatch, IpTorrents, MegaShare, Putlocker, The Pirate Bay, Primewire, Movie4k, MovieSub, Mp3Monekey, RnbXclusive.me, Torrentz.cd, TorrentProject, TorrentButler und WatchSeriesFree weitergeleitet, wie Torrentfreak berichtet. Die Sperre betrifft nicht nur Anfänger, sie kann laut Netzpolitik.org nicht mit einem Proxy oder VPN umgangen werden. Die Sperre betrifft mittlerweile auch deutsche Kunden des Vodafone-Netzes.

Betroffen sind aber nur Piraten-Seiten, die gleichzeitig Kunden bei Cloudflare sind. Deren öffentliche IP-Adresse ist bekannt und wird von Cogent offenbar systematisch gesperrt. Ein Sprecher des Unternehmens gab gegenüber TF bekannt, man würde sich die Angelegenheit anschauen. Aber grundsätzlich würden “derartige Entscheidungen nicht mit Dritten diskutiert“, hieß es aus der Konzernzentrale. Man habe keine Kontrolle über die DNS-Einträge der einzelnen Webseiten.

Doch die mangelnde Erreichbarkeit der ausnahmslos bekannten Streaming- und Filesharing-Webseiten erscheint alles andere als zufällig zu sein. Cloudflare ist einer der führenden Anbieter für DDoS-Schutz, selbst und vor allem im Graubereich. Von daher hat sich das Unternehmen offenbar zu einem Ziel gemacht. Und das obwohl Cogent Communications früher einer der Hauptmirror der RapidShare-Infrastruktur war und in der Vergangenheit damit zumindest teilweise seinen Umsatz gemacht hat. Eine Änderung der IP-Adresse der Webseitenbetreiber könnte lediglich dafür sorgen, dass der Backbone-Provider innerhalb kürzester Zeit nachrüstet und auch die neue IP sperrt. Dies ist somit keine langfristige Lösung.

 

Läutet Cogent Communications eine neue Ära der Piraterie-Bekämpfung ein?

Das Team von The Pirate Bay empfiehlt allen betroffenen Nutzern, sich bei Cogent Communications zu melden, um dort für eine Veränderung zu sorgen. Möglicherweise läutet diese Sperre eine neue Ära der Pirateriebekämpfung ein. Reguläre Netzsperren können von den Surfern sehr leicht umgangen werden. Es wäre der Traum aller Rechteinhaber, wenn man mittels Backbone-Sperre allen bekannten Online-Piraten auf Knopfdruck den Saft abdrehen könnte.

 

Bildquelle: bootsymaennchen, thx! (CC0 Public Domain)

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2 Comments

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    hundert

    Ahja, da sage ich mal mttelgut recherchiert. Ich zitiere von euch:
    “…sie kann laut Netzpolitik.org nicht mit einem Proxy oder VPN umgangen werden. ”

    Und in der Primärquelle aus dem Satz vorher (https://torrentfreak.com/internet-backbone-provider-cogent-blocks-pirate-bay-and-other-pirate-sites-170209/) steht:
    “…According to various users the ‘roadblock’ can be bypassed with a VPN or Tor, and some proxy sites appear to work fine too.”

    Und dann noch zu technischen Hintergrund: Natürlich kann der Backbone-Provider NICHT bei einer verschlüsselten VPN-Verbindung mit DNS des VPN-Providers die eigentliche Zielseite ermitteln.

    • comment-avatar

      Ja, genau deswegen habe ich die Aussage auch eingeschränkt. Weil bei Netzpolitik eben steht: “Virtual-Private-Networks können vor dieser Art von Sperre nicht schützen, da eben nicht die IP-Adresse der Nutzer blockiert wird, sondern der Empfang zwischen Routern bis zum Server.” Ich bin kein Techniker, der Autor von Torrentfreak aber eben auch nicht!


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