CEO des Kryptomixers Helix & der Suchmaschine Grams angeklagt

US-Bundesstaatsanwälte haben den Betreiber von Bitcoin Mixing Service Helix und der Darknet-Suchmaschine Grams wegen Geldwäsche angeklagt.

Helix

Larry Dean Harmon, der 36-jährige Betreiber vom Bitcoin-Mixing-Service Helix und der Darknet-Suchmaschine Grams aus Ohio, wird derzeit vor einem Bundesgericht angeklagt. Laut Angaben der Staatsanwaltschaft soll Harmon zumeist im Auftrag von Kriminellen Kryptowährungen im Wert von über 300 Millionen US-Dollar gewaschen haben.

Mixerdienste sollen für Anonymität sorgen

take your crypto to the next levelKryptowährungen, wie der Bitcoin (BTC), verfügen mit ihrer Blockchain über ein öffentlich einsehbares Register an Transaktionen. Damit sind alle Geldflüsse sogar noch Jahre später, nachvollziehbar. Zumindest kann man sehen, welche Wallet-Adresse etwas an eine andere transferiert hat. Helix war ein Anonymisierer, auch genannt Mixer oder Tumbler, für Bitcoin-Guthaben. Dieses Portal konnte man nur über das Tor-Netzwerk benutzen. Helix kooperierte eng mit der Darknet-Suchmaschine Grams. Die Anonymisierung erreicht man gewöhnlich, indem man u.a. eingezahlte Krypto-Guthaben mit denen anderer Nutzer vermischt. Bei Helix hat man jedoch eingezahlte Beträge gegen „unberührte“ Bitcoins ausgetauscht und im Anschluss zeitverzögert, sowie in zufälligen Teilbeträgen, auf die hinterlegte BTC-Wallet-Adresse ausgezahlt. Über die Hintergründe von Krypo-Mixing-Diensten und wie unsicher einige in Wahrheit sind, haben wir schon einmal ausführlich berichtet.


Die Mixerdienste versprechen, dass nach Überweisung des gemischten Betrages an die gewünschte Adresse, keinerlei Verbindung mehr zwischen der ursprünglichen Transaktion und dieser Adresse bestehen würde. Allerdings wird der Bitcoin auch häufiger für illegale Aktivitäten eingesetzt. Krypto-Mixerdienste nutzen unter anderem Kriminelle, um große Geldmengen zu waschen. Legale Nutzer eines Mixerdienstes befinden sich somit in der Gefahr, dass sie im Austausch zu ihren BTC „schmutzige Bitcoin“ von Dritten erhalten. Somit könnten Unbeteiligte in den Fokus von Ermittlungsbehördenn gelangen, weil man sie automatisch mit dem Guthaben von Kriminellen in Verbindung bringt.

Krypto-Mixer werden schon länger eingesetzt, wobei es erst in den letzten Jahren zu Razzien gekommen ist. Die Behörden konzentrieren sich zunehmend auf die De-Anonymisierung von Blockchain-Transfers. Auch die Krypto-Handelsplätze wie Coinbase, Kraken & Co. unterliegen vermehrt den im Bankensektor üblichen Geldwäscheregeln. In der Folge mussten sie zwingend für alle User das sogenannte KYC-Prinzip (Know Your Customer = kenne Deinen Kunden) einführen. Somit können bei vielen Online-Handelsplätzen nur noch Personen ihre Vermögenswerte (Assets) handeln, die sich zuvor mittels ihres Ausweises oder anderer Dokumente identifiziert haben.

Larry Dean Harmon vom BTC-Mixing-Service Helix bzw. der Darknet-Suchmaschine Grams angeklagt

US-Bundesstaatsanwälte haben nun Larry Dean Harmon, wohnhaft in Bath Township, wegen des Verdachts auf Geldwäsche im großen Umfang angeklagt. Er soll mit seinem Bitcoin-Mixing-Service Helix Vermögenswerte im Zusammenhang mit Darknet-Märkten gewaschen haben. Berichten zufolge hat Harmon auch eine Partnerschaft zwischen Helix und dem Darknet-Marktplatz AlphaBay geschlossen, um Geldwäschedienste für seine Kunden bereitzustellen. AlphaBay haben 2017 mehrere Behörden offline genommen. Ein Auszug aus der Anklage gegen den Angeklagten lautet im O.-Ton:

„Mindestens ab November 2016 hat Helix eine Partnerschaft mit dem Darknet-Markt AlphaBay geschlossen, um AlphaBay-Kunden Bitcoin-Geldwäschedienste anzubieten. Im November 2016 empfahl die AlphaBay-Website ihren Kunden, Helix zu verwenden, um „alle Spuren ihrer von AlphaBay stammenden Münzen zu verwischen“ und stellte einen eingebetteten Link zur Tor-Website für GramsHelix bereit.“

 

btc krypto-mixer

Bildquelle: Screenshot eines populären Kryptomixers.

Helix hat Umtausch von 354.468 Bitcoin für Darknet-Märkte realisiert

Darüber hinaus hat man Harmon beschuldigt, der Helix-Dienst hätte den Umtausch von rund 354.468 Bitcoins im Wert von ca. 311 Millionen US-Dollar ermöglicht. Harmon berechnete für seine Dienste nach Angaben der Staatsanwaltschaft eine Gebühr von 2,5 Prozent. Dies entspricht ungefähr 8.900 Bitcoin, die heutzutage fast 80 Millionen US-Dollar wert wären. Ein großer Teil der über Helix verschickten Kryptos stammt angeblich von den Darknet-Marktplätzen Agora Market und Nucleus, die für den Verkauf illegaler Waren und Dienstleistungen berüchtigt waren. Wie uns Insiderkreise berichteten, nutzte ebenso Alex, der Betreiber des Forums Deutschland im Deep Web (DiDW), den Helix by Grams Bitcoin Mixer.

bestmixer.io

Versprechen kann man viel…

Um Harmon auf die Spur zu kommen, hat ein FBI-Agent 0,16 BTC von einer AlphaBay-Wallet an Helix gesandt. Der Angeklagte war sich der Gefahr jedoch bewusst. Er hatte deswegen sowohl den Betrieb seines Bitcoin-Mixing-Dienstes, als auch der Darknet-Suchmaschine Grams vorerst eingestellt. Dennoch haben die Behörden ihn identifiziert. Harmon wurde bereits im Dezember 2019, nach Ermittlungen des FBI und der Bundessteuerbehörde IRS, wegen seiner Beteiligung am Darknet-Marktplatz AlphaBay zunächst festgenommen.

Die Grand Jury eines Bundesgerichts in Akron, Ohio, nahm am Donnerstag, dem 6. Februar 2020, Harmons Fall erneut auf, nachdem die Bundesanwaltschaft bereit war, neue Beweise einzureichen. Der Internal Revenue Service (kurz IRS) hat den Beschuldigten am 6. Februar festgenommen und seine Wohnräume genauso durchsucht, wie sein Feriendomizil in Belize.

Die Staatsanwaltschaft strebt derzeit Geldstrafen in Millionenhöhe und ein sofortiges Einfrieren aller digitalen Vermögenswerte von Harmon an. Im Fall einer Verurteilung muss Larry Dean Harmon laut der Gerichtsakten, die zwischenzeitlich veröffentlicht wurden, mit einem Freiheitsentzug zwischen 14 bis zu 17,5 Jahren rechnen.

Tarnkappe.info

 

Bildquelle: mohamed_hassan, thx! (Pixabay Lizenz)

Ich bin bereits seit Januar 2016 Tarnkappen-Autor. Eingestiegen bin ich zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibe ich bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, greife aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Meine Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.