Mangastream, Manga
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Manga-Spoiler-Website: Betreiber wegen Mangaposts in Japan vor Gericht

Die Polizei Japans beschuldigt den Betreiber einer Manga-Spoiler-Website wegen dem Online-Stellen von Manga-Zeilen der Urheberrechtsverletzung

Die Polizei in der westjapanischen Präfektur Fukuoka hat am vergangenen Donnerstag eine Anklage gegen einen Mann und seine Firma erhoben, weil sie angeblich Zeilen aus einer Manga-Serie transkribiert und ohne Erlaubnis unter Verletzung des Urheberrechtsgesetzes auf einer Website veröffentlicht haben. Die Polizei leitete die Unterlagen über den 44-jährigen Einwohner von Kanazawa, Präfektur Ishikawa, und das in Tokio ansässige Unternehmen, das die Manga-Spoiler-Website betrieb, infolge an die Staatsanwaltschaft weiter. Darüber informierte JapanTimes.

Websites, die den teilweisen Inhalt und das Ende eines Werks ohne Erlaubnis preisgeben, werden als „Spoiler-Websites“ bezeichnet. Die meisten von ihnen generieren Werbeeinnahmen. Während Websites, auf denen Mangas raubkopiert werden, in Japan zu einem Problem geworden sind, so ist es doch relativ selten, dass der Betreiber einer Manga-Spoiler-Website des Kopierens von Texten beschuldigt wird.

Manga-Spoiler-Website veröffentlicht Auszüge von „Kengan Omega“

Konkret wirft man dem Mann vor, eine Beschreibung zur Handlung und Screenshots aus den Ausgaben 60 und 62 der Manga-Serie „Kengan Omega“ kopiert und bis zum Mai 2020 auf seiner Website zugänglich gemacht zu haben.

„Kengan Omega“ ist auf offiziellen Manga-Apps erhältlich. Der Verlag Shogakukan ist hierbei der Herausgeber. Der Autor von Kengan Omega bekundete, dass fast der gesamte Dialog ohne seine Erlaubnis offengelegt und damit sein Urheberrecht verletzt sei. In Bezug auf diese Manga-Spoiler-Website reichte der Autor des Werks eine Klage ein. Darin forderte er vom Webhosting Provider eine Offenlegung der Identität des Betreibers der Manga-Spoiler-Website.

Beschuldigter generierte Werbeeinnahmen

Man vermutetet, dass der Beschuldigte das Manga über die App angesehen und Screenshots des Inhalts gemacht hat. Auch soll er mit der auf seiner Website geschalteten Werbung Einnahmen erzielt haben. Die betreffende Website mit dem Namen „Manga Le-Free Manga Impressions Spoiler Review“ ist derzeit bereits vom Netz genommen. Im März letzten Jahres räumte das Bezirksgericht Tokio eine Urheberrechtsverletzung aufseiten der Manga-Spoiler-Website ein. Es erließ infolge ein Urteil, das eine Identitätsoffenlegung anordnete.

Zitatrecht greift hier offenbar nicht

Im September 2021 reichte der Verlag dann eine Strafanzeige bei der Präfekturpolizei ein. Bei einer Vernehmung gab der Beschuldigte an, er hätte vorgehabt, sich auf seiner Manga-Spoiler-Website mit Gleichgesinnten austauschen zu wollen. Er ging davon aus, dass die Veröffentlichung im Rahmen des Zitatrechts geschah. Er hätte nicht gedacht, damit gegen das Urheberrechtsgesetz zu verstoßen.

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Japanische Verlage ahnden Urheberrechtsverletzungen

Die Verlagsbranche ist sowohl besorgt über Piraterie im Allgemeinen, als auch über Spoiler-Seiten im Besonderen. Shogakukan gibt an, dass der Website-Betreiber von Januar 2019 bis Mai 2020 fast den gesamten Dialogtext der 63 Kapitel von Kengan Omega ohne Genehmigung veröffentlicht hätte. Die Redaktion von Shogakukan Manga One kommentierte:

„Obwohl die Manga-Spoiler-Website nur wenige Bilder des Mangas enthielt, zeichnet sie sich dadurch aus, dass sie den Text und die Szenen fast unverändert wiedergab. So konnte man die Geschichte im Detail sehen. Somit war es eine schädigende Spoiler-Site. Darum waren wir der Meinung, dass dies eine Verletzung des Urheberrechts darstellte. Infolge erstatteten wir Strafanzeige und baten die Polizei der Präfektur Fukuoka um eine Untersuchung. Wir werden weiterhin entschlossen gegen alle rechtsverletzenden Websites vorgehen und sowohl straf- als auch zivilrechtliche Verfahren einleiten.“

„Wir wollen das verwerfliche Verbrechen des unerlaubten Diebstahls von Werken, in die Manga-Künstler ihr Herzblut gesteckt haben, und den anschließenden Raubbau, um damit Geld zu verdienen, unterbinden.“ (Saki Tanaka)

Tarnkappe.info


Über

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.