Polizeibeamte untersuchen sichergestellte gefälschte 20-Pfund-Banknoten und Beweismittel in einer illegalen Falschgeld-Werkstatt.
Falschgeld im großen Stil: Ermittler sichern gefälschte Polymernoten und Beweismittel in der Werkstatt von Wickford.
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Falschgeld aus Essex: Haftstrafen für Betreiber professioneller Geldfabrik

Falschgeld aus Essex: Zwei Profi-Fälscher müssen nach millionenschwerer Produktion gefälschter 20-Pfund-Noten für Jahre ins Gefängnis.

Falschgeld aus Essex sorgte jahrelang für gefälschte Banknoten im Umlauf. Anthony Grimes und Paul Jones betrieben laut Ermittlern eine hochprofessionelle Produktionsstätte für gefälschte Polymer-Banknoten. Mit einer Heidelberg-Druckmaschine, UV-Trocknungsanlage und eigener Produktionsstraße sollen sie Falschgeld im Wert von Hunderttausenden Pfund hergestellt haben. Ermittler gehen davon aus, dass ihre Werkstatt Kapazitäten für bis zu 2,7 Millionen Pfund (ca. 3.121.000 Euro) an Blüten besaß. Die britische Justiz reagierte nun mit mehrjährigen Haftstrafen und bringt damit einen außergewöhnlich professionellen Falschgeldfall in Großbritannien zum Abschluss.

Zwei britische Profi-Fälscher müssen nach dem Betrieb einer industriellen Falschgeld-Werkstatt für mehrere Jahre ins Gefängnis. Anthony Grimes (64) und Paul Jones (50) wurden am 5. Mai 2026 am Basildon Crown Court verurteilt, nachdem Ermittler ihnen die Herstellung und Verbreitung großer Mengen gefälschter 20-Pfund-Noten nachweisen konnten. Grimes erhielt eine Haftstrafe von fünf Jahren und sieben Monaten. Jones wurde zu vier Jahren und fünf Monaten Gefängnis verurteilt.

Fälscherwerkstatt mit Millionenpotenzial

Laut Essex Police betrieben die beiden Männer in Wickford eine hochprofessionelle Produktionsstätte für gefälschte Polymer-Banknoten der Bank of England. Nach Angaben der Ermittler ordnete die Bank of England der Werkstatt mutmaßlich produzierte gefälschte 20-Pfund-Noten im Wert von knapp 600.000 Pfund (rund 694.000 Euro) zu. Dabei handelte es sich um etwa 30.000 Banknoten, die bereits im Umlauf aufgefallen waren. Die Polizei ordnete der Werkstatt insgesamt drei Serien gefälschter 20-Pfund-Noten zu, die zwischen 2021 und 2023 erstmals im Umlauf entdeckt worden waren.

Die tatsächliche Produktionsmenge dürfte jedoch wesentlich höher gelegen haben. Die Behörden schätzen, dass die professionelle Druckerei Kapazitäten und Ausrüstung zur Herstellung von bis zu 2,7 Millionen Pfund an Falschgeld besaß. Wie Echo News berichtet, könnten laut Staatsanwaltschaft anhand der beschafften Materialien sogar mehr als drei Millionen Pfund an gefälschten Banknoten produziert worden sein.

Das Falschgeld tauchte in zahlreichen Regionen Großbritanniens auf und verursachte laut National Crime Agency erhebliche wirtschaftliche Schäden. Aufgeflogen war die Untergrunddruckerei erst nach monatelangen Ermittlungen der Economic Crime Unit von Essex Police und der National Crime Agency. Ausgangspunkt waren laut Polizei Hinweise darauf, dass größere Mengen gefälschter 20-Pfund-Noten verkauft und Gewinne daraus gewaschen wurden.

Fälscherwerkstatt auf Profi-Niveau

Wie professionell das Falschgeld aus Essex produziert wurde, zeigte sich bereits im April 2024, als Ermittler eine Industriehalle auf der Cranfield Park Road in Wickford durchsuchten. Dort fanden die Beamten eine nahezu industrielle Produktionsstraße für Falschgeld. Zur Ausstattung gehörten großformatige Druckmaschinen, UV-Trocknungsanlagen, Lasertechnik, Spezialdrucker und mehrere Arbeitsplätze zur Nachbildung der Sicherheitsmerkmale moderner Polymernoten.

Professionelle Spezialdruckmaschine in einer Werkstatt zur Herstellung gefälschter Polymer-Banknoten in Essex.
Die in Wickford entdeckte Foliendruckpresse – Quelle: Essex Police

Die inzwischen verurteilten Geldfälscher arbeiteten offenbar arbeitsteilig. Separate Werkbänke dienten dazu, Sicherheitsfolien aufzubringen, transparente Sichtfenster zu erstellen und die gefälschten Scheine millimetergenau zuzuschneiden. Selbst ein selbstgebautes Trocknungssystem mit Förderband gehörte zur Ausstattung der illegalen Druckerei. Zudem stellten die Ermittler Scanner, Computertechnik, Spezialfarben und echte Geldscheine als Vorlagen für die Fälschungen sicher.

Industrielle Schneidemaschine in einer Werkstatt zur Verarbeitung gefälschter 20-Pfund-Banknoten.
In der Werkstatt fanden Ermittler auch eine industrielle Schneidemaschine zum Zuschneiden der gefälschten Banknoten. – Quelle: Essex Police

Laut Essex Police handelte es sich um eine professionell betriebene Großdruckerei für gefälschte Banknoten.

Alte Bekannte der britischen Fälscherszene

Grimes und Jones waren bereits vor Jahrzehnten gemeinsam wegen ähnlicher Delikte verurteilt worden.

Echo News führt aus, dass laut Staatsanwaltschaft das Duo bereits Ende der 1990er Jahre eine gigantische Fälscherstruktur betrieb, die als „virtueller Supermarkt für organisierte Kriminalität“ bezeichnet wurde. Produziert wurden damals gefälschte Pässe, Führerscheine, Fahrzeugdokumente und internationale Währungen.

Die Behörden fanden seinerzeit bereits Millionenbeträge an gefälschtem Bargeld. Insgesamt sollen sogar rund zehn Millionen Pfund an Falschgeld in Umlauf geraten sein.

Damit galten die beiden Männer schon seit Jahren als professionelle Counterfeiter mit erheblichem technischem Know-how.

Großformatige Druckmaschine in einer Werkstatt zur Produktion gefälschter 20-Pfund-Banknoten in Essex.
Eine in der Werkstatt gefundene Tintendruckpresse – Quelle: Essex Police

Professionelle Drucktechnik schlägt Polymer-Schutz

Die britischen 20-Pfund-Noten verfügen über zahlreiche Sicherheitsmerkmale wie holografische Elemente, transparente Fenster und Spezialfolien. Diese Merkmale sollten hochwertige Fälschungen verhindern.

Der Fall zeigt jedoch, dass selbst moderne Polymer-Banknoten kein unüberwindbares Hindernis für erfahrene Geldfälscher darstellen. Mit professioneller Drucktechnik und ausreichend Kapital lassen sich offenbar selbst komplexe Sicherheitsmechanismen erstaunlich präzise nachbilden.

Die National Counterfeit Currency Unit der britischen National Crime Agency sprach deshalb ausdrücklich von „professionellen Counterfeitern“.

Haft trotz schwerer Erkrankungen

Beide Männer beantworteten vorher sämtliche Polizeifragen ausschließlich mit „No comment“. Vor Gericht verwiesen die Verteidiger laut Echo News auf gesundheitliche Probleme beider Angeklagten. Anthony Grimes leidet laut Verteidigung an einer unheilbaren Krebserkrankung und muss regelmäßig medizinisch behandelt werden. Auch Paul Jones soll gesundheitlich angeschlagen sein.

Richter John Bristow sah dennoch eine hohe kriminelle Energie und sprach von einer langfristig geplanten, technisch anspruchsvollen und professionell organisierten Operation. Vor Gericht bezeichnete er die Falschgeld-Produktion als „hochprofessionelle Operation mit erheblichem Planungsaufwand“. Die große Anzahl bereits entdeckten Falschgelds sowie die mögliche Produktionskapazität hätten die Schwere der Straftaten zusätzlich erhöht.

Falschgeld bleibt Teil organisierter Kriminalität

Der Fall um das Falschgeld aus Essex zeigt, dass klassische Geldfälschung trotz Kryptowährungen, Carding und digitalem Betrug weiterhin ein lukratives Geschäftsfeld organisierter Kriminalität bleibt.

Professionelle Drucktechnik, spezialisierte Produktionsmethoden und internationale Vertriebswege sorgen dafür, dass hochwertige Banknotenfälschungen auch heute noch erhebliche Schäden verursachen können.

Über

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.