DeepL vs. ChatGPT: Wer dominiert die Übersetzungs-KI der Zukunft?
DeepL vs. ChatGPT: Wer dominiert die Übersetzungs-KI der Zukunft?
Bildquelle: ChatGPT

DeepL vs. ChatGPT: Europas Übersetzer-KI greift nach der globalen Tech Liga

DeepL vs. ChatGPT: CEO Jaroslaw Kutyłowski treibt DeepL mit Wachstum, Milliardenbewertung und DeepL Voice in die globale Tech-Liga.

Beim Vergleich zwischen DeepL und ChatGPT geht es um die Frage, wer die Sprach-KI der Zukunft dominiert, die spezialisierten Übersetzungsmodelle aus Europa oder die generativen Alleskönner aus dem Silicon Valley. Während ChatGPT beim Übersetzen zunehmend besser wird, will DeepL endgültig raus aus der Nische und international durchstarten. CEO Jaroslaw „Jarek“ Kutyłowski legt mit rasantem Wachstum, dem Ausbau neuer Standorte in Deutschland und weltweit, neuen Produkten und einer Kampfansage an die Tech-Giganten einen ambitionierten Kurs vor.

DeepL gehört inzwischen für Millionen Menschen zum Alltag. Ein Klick genügt, und die Übersetzung gilt häufig als präziser als bei Google Translate oder ChatGPT. Während das Tool weltweit genutzt wird, blieb sein Gründer bisher fast unsichtbar. Jaroslaw „Jarek“ Kutyłowski galt eher als öffentlichkeitsscheu, ein CEO, der lieber forscht als im Rampenlicht zu stehen.

Umso bemerkenswerter ist sein aktueller Auftritt in einem seltenen Interview, das zuerst in El País erschien und später von der WELT veröffentlicht wurde. Darin spricht Kutyłowski ungewöhnlich offen über die Zukunft der maschinellen Übersetzung und über den nächsten Schritt für DeepL.

Schluss mit Alltag: DeepL setzt auf Business-Anwendungen

Kutyłowski verdeutlicht im Interview, dass sich DeepL strategisch neu positioniert. Der DeepL-Übersetzer solle sich nicht auf simple Alltagsszenarien wie Speisekarten oder Straßenschilder reduzieren lassen. Stattdessen rücken zunehmend komplexe Unternehmensanwendungen in den Mittelpunkt.

DeepL zielt auf Fachtexte, juristische Schriftsätze, technische Dokumente, also genau jene Bereiche, in denen jedes Wort zählt und Übersetzungsfehler gravierende Folgen haben können. Dort sieht das Unternehmen seine Zukunft. Damit grenzt sich Kutyłowski bewusst von Universalmodellen wie ChatGPT ab, die vieles gleichzeitig können, aber nicht immer dieselbe Präzision in sensiblen Kontexten liefern.

DeepL im Einsatz: KI-Übersetzung wird zum Standard im Arbeitsalltag.
DeepL im Einsatz: KI-Übersetzung wird zum Standard im Arbeitsalltag.

DeepL vs. ChatGPT: Spezialisierung statt KI-Allzwecktool

Beim Duell DeepL vs. ChatGPT geht es um zwei unterschiedliche KI-Philosophien. ChatGPT ist als generatives KI-System breit aufgestellt. Es kann Texte verfassen, Fragen beantworten, Code schreiben und nebenbei auch übersetzen. DeepL hingegen konzentriert sich kompromisslos auf Sprache und Übersetzungsqualität als Kernkompetenz.

Kutyłowski betont, dass DeepL gezielt Modelle entwickelt, die auf maximale Übersetzungsqualität ausgelegt sind. Interne Teams arbeiten an Large Language Models, jedoch immer mit dem Fokus darauf, dass Übersetzungen nicht nur funktionieren, sondern auf professionellem Niveau überzeugen. In der Spezialisierung statt im Generalismus sieht der CEO einen entscheidenden Vorteil. Der Fokus ist DeepLs Stärke, aber er schützt nicht automatisch vor den Plattform-Giganten, die Übersetzung als Feature in ihre KI-Ökosysteme integrieren.

DeepL-Gründer Kutyłowski und das Rennen gegen ChatGPT

CEO Jaroslaw Kutyłowski wurde 1983 in Polen geboren und kam als Kind mit seinen Eltern nach Deutschland, ohne ein Wort Deutsch zu sprechen. Diese Erfahrung prägte ihn nachhaltig. Sprache war für ihn nie selbstverständlich, sondern immer auch Hürde. Schon früh begann er zu programmieren, studierte später in Breslau und Paderborn und promovierte in Informatik.

Seine Karriere führte ihn zum Online-Wörterbuch Linguee, wo auch die Grundlage für DeepL entstand. Die umfangreichen Sprachdaten von Linguee dienten als Trainingsbasis für die neuronalen Netze, auf denen DeepLs Übersetzungstechnologie bis heute aufbaut. 2017 ging der Übersetzer online und wurde schnell als ernstzunehmende Alternative zu Google Translate wahrgenommen.

Dass Kutyłowski nun häufiger Interviews gibt, ist Teil eines Wandels. Schon im Capital-Interview aus dem Herbst 2024 wurde deutlich, dass DeepL vom Hidden Champion zum globalen Techunternehmen werden soll. Das Unternehmen beschäftigt inzwischen über 1000 Mitarbeitende weltweit, mit Standorten unter anderem in Berlin, Tokio und Austin.

Nach der Finanzierungsrunde im Sommer 2024 wurde DeepL mit rund zwei Milliarden Dollar bewertet. Im OMR Podcast sprach Kutyłowski sogar davon, dass zehn Milliarden oder mehr langfristig realistisch seien. Auch ein Börsengang steht als Option im Raum. Mit der Milliardenbewertung wächst allerdings auch der Erwartungsdruck. Ein Unicorn kann sich Stillstand nicht leisten, Wachstum wird zur Pflicht. Das Rennen DeepL vs. ChatGPT ist für Kutyłowski damit auch ein Richtungsfrage um die Zukunft der Sprach-KI.

DeepL Voice: Echtzeitübersetzung ohne Sprachbarrieren

Besonders spannend ist der nächste Entwicklungsschritt bei DeepL, denn der Fokus richtet sich zunehmend auf gesprochene Sprache. Mit DeepL Voice hat das Unternehmen ein System vorgestellt, das Echtzeitübersetzungen ermöglichen soll und damit vor allem Videokonferenzen grundlegend verändern könnte.

Kutyłowski ist überzeugt, dass es schon in wenigen Jahren selbstverständlich sein wird, in der eigenen Muttersprache zu sprechen, während eine KI simultan übersetzt. Im WELT-Interview betont er:

„Menschen sind begeistert von der Möglichkeit, überall in ihrer eigenen Muttersprache reden zu können. Das wird in drei Jahren ganz normal sein, so wie es heute schon bei der Übersetzung von geschriebenen Texten der Fall ist.“

Mit DeepL Voice arbeitet das Unternehmen bereits daran, diese Vision praktisch umzusetzen. Das System soll Live-Übersetzungen nicht nur in Videocalls, sondern auch in direkten Gesprächen ermöglichen. Im Vergleich DeepL vs. ChatGPT will DeepL zeigen, dass spezialisierte Sprach-KI bei gesprochener Kommunikation einen entscheidenden Vorsprung haben kann. Wie die VDI Nachrichten berichten, zielt DeepL darauf ab, Echtzeitübersetzung nahtlos in den beruflichen Alltag zu integrieren.

Kutyłowski sieht darin einen zentralen Wachstumsmarkt, denn die Nachfrage nach solchen Lösungen steigt rasant, besonders im Unternehmensumfeld, wo präzise Verständigung über Ländergrenzen hinweg entscheidend ist.

Menschlicher Einfluss statt Blackbox-KI

Trotz aller Automatisierung betont Kutyłowski, dass Menschen weiterhin eine zentrale Rolle spielen. Die Übersetzungsmodelle werden nicht nur mit Daten trainiert, sondern auch durch das Feedback und die Arbeit von Sprachexperten laufend verbessert. Sie helfen dabei, Ton, Präzision und Qualität zu sichern und der KI vorzugeben, was eine professionelle Übersetzung leisten muss. Im Duell DeepL vs. ChatGPT setzt DeepL damit bewusst auf Präzision und Kontrolle statt auf eine Blackbox-KI, die alles gleichzeitig können soll.

Die Übersetzungen sollen nach Kutyłowskis Anspruch deutlich über dem sprachlichen Durchschnitt liegen, den man im Netz findet. Qualität entstehe dabei nicht nur durch große Datenmengen, sondern auch durch gezielte Kontrolle und menschliches Feedback. Dieser Fokus auf Präzision hebt DeepL von vielen universellen KI-Modellen ab, die eher ein breiteres Spektrum an Aufgaben abdecken.

Europas Übersetzer-KI tritt aus dem Schatten

DeepL hat sich einen Ruf erarbeitet und gilt in vielen Bereichen als Maßstab für maschinelle Übersetzungen. Die Konkurrenz investiert Milliarden, und der Druck wächst. Jaroslaw Kutyłowski setzt deshalb auf Expansion, Business-Anwendungen und Echtzeitübersetzung.

DeepL will nicht nur mithalten, sondern weltweit weiter wachsen. Die Tarnkappe ist gefallen und Europas Übersetzer-KI ist auf dem Vormarsch. DeepL ist Europas Hoffnung, aber auch ein Unternehmen, das jetzt liefern muss, bevor die US-Giganten den Markt endgültig besetzen. Das Rennen DeepL vs. ChatGPT gilt als Wettstreit um die Zukunft der Übersetzungs-KI.

Über

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.