IPTV, Pirate
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Bildquelle: Bart, thx! (CC BY-NC 2.0)

BREIN kassiert 70.000 Euro von illegalem IPTV-Anbieter

Von Südamerika aus bot man dem holländischen Publikum Abos für illegale IPTV-Streams an. BREIN gestaltet das Verfahren jetzt richtig teuer!

Der im Ausland lebende Betreiber hat BREIN eine außergerichtliche Vereinbarung unterzeichnet. Name, Adresse und sonstige Daten erhielt die Anti-Piracy Organisation im April letzten Jahres. Den Fall musste BREIN dann vor Gericht verhandeln, weil sich die Rabobank standhaft weigerte, die Daten ihres Kunden preiszugeben.

Nach dem Urteil führten die Angaben zur Identifizierung eines in Südamerika lebenden niederländischen Anbieters von illegalem IPTV. Der Anbieter reagierte zunächst nicht auf die Schreiben. Der Tatverdächtige entschied sich aber schließlich für einen Vergleich, nachdem BREIN im Juni und Dezember rechtliche Schritte gegen ihn eingeleitet hatte.

BREIN verlangt 10.000 Euro Strafe pro Verstoß

Der Vergleich besteht aus einer Verzichtserklärung mit einer Strafklausel von 25.000 Euro pro Tag und 10.000 € pro Verstoß. Das heißt pro angebotenem IPTV-Paket, Hyperlink oder einem sonstigen Hinweis auf das illegale Angebot müsste die Person jeweils 10.000 Euro bezahlen. Außerdem erklärte sich der IPTV-Anbieter dazu bereit, BREIN eine Entschädigung in Höhe von 70.000 Euro zu entrichten. Diese ist Teil der Vereinbarung und teilweise an die Bedingungen geknüpft.

BREIN

Die Untersuchung dauerte nach Ansicht von BREIN viel länger als eigentlich notwendig. Zu der Verzögerung kam es, weil die Bank den Piratenjägern die Daten nicht freiwillig zur Verfügung stellen wollte. Die Organisation musste daher vor Gericht gehen.

Dieses erklärte die Verweigerung der Zusammenarbeit durch die Bank für rechtswidrig. Mit diesem Urteil wird die Weitergabe von Namens- und Adressdaten auf begründeten Antrag von BREIN künftig flexibler gehandhabt.

Was ist überhaupt IPTV?

Die Abkürzung IPTV steht für Internet Protocol TeleVision. Dies bezeichnet die Übertragung von Fernsehprogrammen, Filmen und Sportevents über das Internet.

Illegales IPTV, das häufig per Plug & Play auf sogenannten Kodi- oder Android-Boxen installiert wird, bietet unerlaubten Zugang zu Tausenden von Fernsehkanälen, einschließlich Premium-Sport und Video-on-Demand. Die Inhalte sind auf legalem Weg nur gegen gesonderte Bezahlung erhältlich.

BREIN weist noch auf eine Untersuchung des EUIPO (Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum) hin. Diese ergab, dass die Niederländer im Jahr 2018 mit über einer Million Nutzern und mehr als 90 Millionen Euro an illegalen Verkäufen EU-weit die größten Konsumenten waren. Die monatlichen Kosten für ein illegales IPTV-Abonnement, in dem alles enthalten ist, sind vergleichbar mit denen für einen einzigen legalen Pay-Kanal. Dafür ist das illegale Angebot um ein Vielfaches größer.

Wenn aber das illegale Angebot eingestellt wird, verliert man als Kunde seine bereits bezahlten Abo-Gebühren. In der Regel bezahlen die Kunden ihre Gebühren ein halbes bis ganzes Jahr im Voraus. Käufer von illegalen Angeboten von Sky & Co. müssen zudem mit der Einleitung von zivil- und strafrechtlichen Konsequenzen rechnen. BREIN ging in den letzten Monaten konsequent gegen die unerlaubte Verbreitung mittels IPTV vor.

Tarnkappe.info

Kategorie: IPTV, Rechtssachen
Lars Sobiraj

Über

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.