Steve Wilhite
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Steve Wilhite: Erfinder des GIF-Formats mit 74 Jahren gestorben

Steve Wilhite ist am 14. März im Alter von 74 Jahren an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung gestorben. Er ist der Erfinder des GIF-Formats.

Memes wären im Internet nicht denkbar ohne Steve Wilhite. Am 14. März verlor Wilhite in einem Krankenhaus bei Milford, Ohio, seinen zweiwöchigen Kampf gegen die Corona-Infektion. Dies gab seine Frau gestern gegenüber NPR bekannt.

Steve Wilhite verlor am Ende den Kampf gegen das Virus

Der Krankheitsverlauf war dramatisch. Er bekam am 01. März Fieber und musste sich übergeben. Am nächsten Tag fing er an, stark zu husten, weswegen er ins nahe gelegene Krankenhaus eingeliefert wurde. Als die Antibiotika-Behandlung nicht anschlug, verlegte man den Patienten in die Intensivstation und versetzte ihn in ein künstliches Koma. Zwei Wochen später konnte man ihm nicht mehr helfen. „Trotz all seiner Errungenschaften blieb er ein sehr bescheidener, freundlicher und guter Mensch“, heißt es in Wilhites Nachruf.

Steve Wilhite war bei CompuServe tätig. Das Team des Informatikers entwickelte das Graphics Interchange Format (GIF) im Jahr 1987. Damals wurden Grafikformate benötigt, die zu den langsamen Modemzeiten möglichst wenig Daten in Anspruch genommen haben. Wegen der Möglichkeit, damit mit einfachsten Mitteln Animationen zu erstellen und bei sozialen Netzwerken einzubinden, verleiht dem GIF-Format bis heute große Beliebtheit. Steve Wilhite war bis zum Jahr 2001 beruflich tätig, als ihn ein Gehirnschlag dazu zwang, in den Ruhestand zu wechseln.

Wilhite wurde im Jahr 2013 mit dem Webby Lifetime Achievement Award ausgezeichnet. Er nutzte die Gelegenheit, um eine lang andauernde und nicht minder humorvolle Debatte über die richtige Aussprache des Akronyms zu schlichten.

Er glaubte, das Wort wird „jif“ ausgesprochen, teilte er dem Publikum mithilfe eines GIFs mit. Lange vor Twitter oder Facebook wurden GIF-Animationen massenweise bei den sozialen Netzwerken MySpace und Tumblr eingesetzt.

Im Jahr 2013 wurde die Online-Datenbank und Suchmaschine Giphy.com ins Leben gerufen, um den Surfern den Zugang zu den GIF-Animationen zu erleichtern.

Fünfunddreißig Jahre nach Wilhites Erfindung und mehrere Generationen von Grafik- und Animationsformaten später, ist das GIF weiterhin nicht aus dem Web wegzudenken. Soziale Netzwerke wie Twitter und Telegram haben sogar eigene GIF-Suchmaschinen integriert, die die Nutzer mit Schnipseln von ikonischen Momenten und Videoclips gefüllt haben.

Das GIF ist nicht mehr aus dem Web wegzudenken

In einem der seltenen Interviews sagte der Erfinder vor einigen Jahren, er glaubt, das erste GIF war das Bild eines Flugzeuges dessen Hintergrund sich bewegte (siehe Animation rechts).

Heutige GIF-Animationen sehen natürlich mitunter weitaus ausgeklügelter aus. Fest steht, ohne dieses Format würde das Web ganz anders aussehen. Es wäre schlichtweg nicht das gleiche. Und ohne die ganzen Memes würde uns etwas fehlen.

Tarnkappe.info


Über

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.