Adobe will seine eigenen Kunden verklagen

Adobe hat seine Strategie geändert. Das Unternehmen will seine Nutzer davon abhalten, ältere Versionen der Software aus der Creative Cloud herunterzuladen oder zu benutzen. Jetzt droht man sogar der zahlenden Kundschaft per E-Mail an, dass man sie verklagen wird, wenn sie „nicht autorisierte“ Versionen der lizenzierten Software benutzen sollten. Wer sich nicht daran hält, könnte wegen Urheberrechtsverletzungen rechtliche Probleme bekommen, heißt es in dem unfreundlich formulierten Schreiben.

Nutzer der Apps aus der Creative Cloud scheuen sich nicht ohne Grund, stets zeitnah die aktuellste Version der Software zu benutzen. Manchmal kommt es zu Problemen bezüglich der Kompatibilität. In der Konsequenz kam es schon dazu, dass man nach dem Update plötzlich nicht mehr auf ältere Werke zugreifen konnte. Auf dem hauseigenen Blog gab Adobe letzte Woche bekannt, dass man nur noch die letzten zwei Versionen einer jeden App benutzen darf. Danach wird man in der Creative Cloud automatisch zum Update gezwungen. Auch seien die älteren Programme nicht mehr auf den eigenen Servern verfügbar.


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Vorgehensweise von Adobe nicht nachvollziehbar

Während die neue Begrenzung auf zwei Hauptversionen angekündigt wurde, hat das Unternehmen eine Warnung vor rechtlichen Problemen direkt an einige Kunden verschickt. In den E-Mails heißt es, wer nicht autorisierte Versionen weiterhin nutzt, könnte juristischen Ansprüchen Dritter ausgesetzt werden, weil die möglicherweise deren Urheberrechte bedroht sehen. Wahrscheinlich ist damit Dolby gemeint, das letztes Jahr vor Gericht das Lizenzmodell des Anbieters genauer unter die Lupe genommen hat. Adobe hatte es unterlassen, Dolby die genauen Verkaufszahlen im Detail mitzuteilen. Dolbys rechtlich Ansprüche waren aber auf das andere Unternehmen beschränkt. Deren Kunden waren davon nicht bedroht. Von daher ist die Vorgehensweise von Adobe derzeit nicht nachvollziehbar. Vergleichsweise wenig Verständnis bringen auch einige User bei Twitter auf:

Man betont auf dem Blog, dass man die eigenen höchsten Qualitätsstandards nur erfüllen könne, wenn ihre Kunden auch wirklich die neuesten Versionen aus der Creative Cloud benutzen. Andererseits bringt Adobe viele Kunden, die erneute Kompatibilitätsprobleme befürchten, in eine schwierige Lage. Wie dem auch sei. Den eigenen Kunden mit Klagen zu drohen, scheint einigen Beobachtern nicht die cleverste Methode zu sein. Zumindest nicht, um sie dauerhaft an sich zu binden.

Tarnkappe.info

 

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.

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