Zur Kino-Wiedereröffnung: Hygiene- und Öffnungsregeln unter Kritik

Zur Kino-Wiedereröffnung stehen die Hygiene- und Öffnungsregeln unter Kritik. Es gibt keine bundesweit einheitliche Linie zur Umsetzung.

Kino
Bildquelle: mermyhh, thx! (Pixabay Lizenz)

Nach wochenlanger coronabedingter Kino-Schließung dürfen Kinos unter Einhaltung von Hygienevorschriften mittlerweile wieder öffnen. Kinoverbände kritisieren jedoch, dass es keine bundesweit einheitliche Richtlinie zur Umsetzung der Hygienevorschriften und zu Eröffnungsterminen gebe, berichtet rbb-online.

Mit dem Inkrafttreten weiterer Corona-Lockerungen öffnen auch die Kinos so langsam wieder ihre Pforten. Allerdings wird ein Kinobesuch nun anders verlaufen als noch vor der Corona-Krise. Die Branchenverbände HDF Kino und AG Kino haben einen Schutz- und Hygieneplan für die Wiederöffnung ihrer Mitgliedsbetriebe vorgelegt.

Zum einen geht es darin um den Schutz der Mitarbeiter. Vorgeschrieben sind hier Abstandsregeln, Handhygiene, Husten- und Niesetikette sowie Schutzmasken und Handschuhe. Aber zugleich müsse ein Einsatz von Schutzscheiben an Kassen und Tresen, kontaktlose Ticketkontrollen und kürzere Reinigungsintervalle gewährleistet sein. Zum anderen wird der Besucher-Schutz geregelt. Die Verbände empfehlen hier vor allem eine strikte Einhaltung der Abstandsregelungen. Weiterhin sollen Besucher Tickets vorrangig online kaufen, Snacks und Getränke kontaktlos zahlen, Säle und Foyers sind regelmäßig zu lüften. Schutzmasken sollen bis zum Sitzplatz getragen und erst dort abgenommen werden.

Abstandsregel im Kino erweist sich als Problem

Christine Berg vom Vorstand HDF Kino gab gegenüber der Deutschen Presse-Agentur an, als größtes Problem erwiese sich die Abstandsregel. Bei 1,5 Meter Abstand zwischen Besuchergruppen, könne man einen Kinosaal nur zu maximal 20 oder 25 Prozent auslasten. Wenn zwei Plätze belegt sind, müssen 12 frei bleiben, so Berg. Christian Bräuer von der AG Kino ergänzt, dass Regelungen, wie sie in Österreich, Italien und Frankreich bei einem geforderten Abstand von einem Meter praktiziert werden, auch hier als Verbesserung willkommen wären. Immerhin wäre dann wenigstens jede Reihe besetzt und ließe zudem auch ein Schachbrettsystem mit versetzter Platzvergabe zu. Wenn die 1,50 Meter in Deutschland blieben, gingen diese mit massiven Umsatzeinbußen einher, befürchtet er.


Termine zur Kinowiedereröffnung sind uneinheitlich geregelt – daraus resultierende Schwierigkeiten sind vorprogrammiert

Bundesweit uneinheitlich geregelt sind auch die Kino-Wiedereröffnungs-Termine. Während Kinos in Hessen, Sachsen und Schleswig-Holstein bereits geöffnet haben, öffnen Kinos in Mecklenburg-Vorpommern heute erst. Mitte der Woche ziehen Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt nach. Für Samstag ist die Wiederöffnung in Nordrhein-Westfalen geplant. Für Berlin und Brandenburg sind bisher keine Termine bestätigt.

CineStar-Geschäftsführer Oliver Fock ist eher skeptisch und gibt an, wann die Cinestar-Kinos wieder öffnen, steht noch nicht fest. „Wir hoffen, die Hygiene-Verordnungen und Auflagen für die Wiedereröffnung, die uns teilweise noch nicht bekannt sind, zeitnah zu erhalten.“ Für ihn liegt der realistische Eröffnungstermin erst in drei Wochen. Dem schließt sich auch der Vorsitzende des Filmverbands Sachsen Joachim Günther an: „Ich würde nicht davon ausgehen, dass am Freitag die Kinos in Sachsen offen haben. Jedes Kino muss ein individuelles Hyginekonzept vorlegen, das vom zuständigen Amt genehmigt werden muss“. In so kurzer Zeit ließe sich das nicht umsetzen.

Unklar ist, welche Filme zur Vorführung kommen sollen

Sebastian Riech, Theaterleiter im Ufa-Palast, sieht ein weiteres Problem in den Filmen, mit denen die Kinos wieder eröffnen dürfen. „Hollywood-Blockbuster können wir erst zeigen, wenn die Kinos überall auf der Welt wieder öffnen.“ Er rechnet damit, dass sich das durchaus noch bis Juni hinziehen könne. Bis dahin würde man Filme zeigen, die durch die Corona-Pandemie ihre gesamte Laufzeit nicht nutzen konnten. „Ich habe gerade zu viele Säle für zu wenige Filme“, verdeutlicht Riech.

Auch Joachim Günther sieht in der Filmversorgung eine weitere Schwierigkeit. „In den kleinen Programmkinos liegen vielleicht noch Filme, die man zeigen kann. Aber die großen Kinos, die auf Blockbuster angewiesen sind, haben die bestimmt nicht da.“ Die Verleihfirmen hätten die Blockbuster erst für Mitte Juli angekündigt. „Das klappt aber auch nur, wenn eine internationale Verwertung möglich ist“. Michael Kölmel, Chef des Leipziger Filmverleihs Weltkino, meint zum Thema, er hätte sich einen bundeseinheitlichen Termin für die Wiedereröffnung gewünscht, denn neue Kinofilme gingen deutschlandweit an den Start.

Das Kino steht mittelfristig vor dem Aus

Auch Christine Berg kritisiert.

„Der ungeordnete Austritt aus dem Lockdown ist für die Kinos verheerend. Das uneinheitliche Vorgehen schafft große Unsicherheit. […] Die Kinos brauchen zudem Zeit für den Anlauf, um die Hygiene- und Abstandsmaßnahmen umzusetzen. Es sind keine Gastronomie-Betriebe“.

Bilanz zieht der Tagesspiegel mit konkreten Zahlenangaben: „1734 bundesdeutsche Kinos, die wöchentlich 17 Millionen Euro Ertragsverluste verzeichnen: Viele der vom baldigen Aus bedrohten Häuser sind mit einer Wiedereröffnung nicht automatisch gerettet.“

Tarnkappe.info

Über den Autor

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.