YouTube: unzählige kommerzielle Hörbücher im Angebot

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Hörbücher. Foto: The Preiser Project, thx! (CC BY 2.0)

All you can eat bei YouTube. Dort sind jede Menge Hörbücher verfügbar, die teilweise schon seit mehreren Jahren auf Halde liegen. Neben Spartenwerken wie „John Sinclair“, die nur eingefleischte Fans interessieren, sind auch populäre Werke wie „Millennium“, „Der Schwarm“ oder „Fifty Shades of Grey“ zum Anhören verfügbar – inklusive Werbung und ungekürzt, versteht sich. Die Verlage bekommen das nicht mit. Oder aber sie haben alle Augen und Ohren fest geschlossen.

Der Bochumer Blogger (bzw. Ex-gulli.com-Chefredakteur) Korrupt ist kürzlich über die „fette Hörbuchsituation“ bei YouTube (YT) gestolpert. „(…) auf einmal rennen mir da Bestseller in Achtstundenlesungen über die Füße, mit, nun, skurrilen Accounts, Beispiel „Hörbuch komplett“ oder „Neue Hörbuch komplett“. (Das Ganze funktioniert immer nach) …demselben Muster, G+/YT-Accounts, durchmonetarisiert und alles schon Wochen bis Monate alt.

Also so alt und so gut aufgerufen, dass ich mir nicht recht vorstellen kann, dass das die ganze Zeit unter dem Radar blieb. Was ist da los?

Manche der von Korrupt vorgestellten YouTube-Kanäle wurden zwischenzeitlich deaktiviert. So wurden die YT-Kanäle „Neue Hörbuch Komplett“ und „herr der ringe“ von Google aufgrund von „wiederholten Urheberrechtsverletzungen“ gekündigt. Offenbar wurde das hochgeladene Material wieder und wieder von Dritten gemeldet.

Vielleicht könnten die Verlage ihre ganz alten Schinken per YT-Monetarisierung vermarkten. Bei aktuelleren Hörbüchern dürften die Einnahmen aber bei weitem nicht ausreichen. So stellt auch Korrupt in seinem Blogbeitrag völlig zurecht fest, dass man „den Kram über die einschlägigen YT-Downloader werbefrei runtergerippt kriegt“ Das allerdings ist eine Sache, die sicher keinem Rechteinhaber schmecken wird. Sobald die Hörbücher als MP3s vorliegen, werden damit keine Werbeeinnahmen mehr generiert. Außerdem ist es unwahrscheinlich, dass auch nur einer der genannten YouTube-Kanäle wirklich einem Rechteinhaber gehört.

Verlage: nichts hören, nichts sehen, nichts tun!

nichts hören, nichts sagen, nichts sagen

Trotzdem reagieren die Verlage im deutschsprachigen Raum wenig bis gar nicht. Wir haben kürzlich bei mehreren Piratenjägern nachgefragt, die unsere Einschätzung teilen. Die Verlage tun nichts gegen das Angebot illegaler Hörbücher auf den Videoplattformen. Warum ist das so? Ganz einfach. Schon E-Books sind keine Massenware. Laut der Umfrage der GfK liegt der Umsatzanteil von E-Books im deutschen Publikumsmarkt 2014 bei etwas über vier Prozent. 2010 waren es noch 0,5 Prozent. Die Umsätze für digitale Verlagsprodukte steigen zudem mit und ohne YouTube stark an. Im Jahr 2010 lagen die Umsätze mit E-Books und digitalen Hörbüchern laut GfK bei knapp 21 Millionen Euro. 2013 konnten Umsätze in Höhe von knapp 200 Millionen Euro erwirtschaftet werden. Dennoch wird weiterhin die Masse an Geld mit den gedruckten Büchern verdient, das gilt übrigens nicht nur für Belletristik.

Google: Kampf gegen Schwarzkopien nur gegen Bezahlung

Ich habe Mitte Mai (für die Recherche in einem anderen Fall) mit einem Pressesprecher von Google telefoniert. Er erzählte mir von diversen Maßnahmen, die YouTube-Betreiber Google seinen Kunden im Kampf gegen Urheberrechtsverletzungen anbietet. Eine davon ist die Content ID. Mein Gegenargument war, dass Google durch das Fingerprinting doch Aufwand entstehen würde. Ja, wurde mir bestätigt. Deswegen würde man dieses System auch nur gegen Bezahlung anbieten. Über die Preise habe man allerdings Stillschweigen vereinbart. Angeblich soll das Verfahren so günstig sein, dass es sogar für kleine Unternehmen bezahlbar wäre. Trotz meiner erneuten Frage will Google im Hinblick auf die Kosten für die Content ID keine konkreten Zahlen nennen. Zu Anfang des Telefonats hob der Sprecher natürlich hervor, wie ernst man dort das Thema Internet-Piraterie nehmen würde. Nun ja, da gab es ja auch schon mehrere Gegenbeispiele.

Fazit: Gut geschützt ist als Rechteinhaber nur, wer zum eigenen Schutz Geld ausgibt. Videos werden ansonsten auf Aufforderung (bzw. Meldung durch die Nutzer) gelöscht, Konten bei Wiederholungstätern gesperrt. Schon aufgrund der enormen Masse an Uploads sieht sich Google außerstande, das Material zu überprüfen. Nach eigenen Angaben werden pro Minute 300 Stunden Videomaterial auf YouTube hochgeladen.

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Screenshot: YouTube-Kanal von Hein Bloed. John Sinclair-Hörbücher ohne Ende.

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Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.

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9 Kommentare

  1. MiBa sagt:

    Bei mir hat Youtube immer sofort gehandelt, wenn ich eine Urheberrechtsverletzung gemeldet habe. Mein Roman/Hörbuchteil, der raubkopiert wurde, ist teilweise binnen einer Stunde bei dem Kopierer nicht mehr verfügbar gewesen. Selbst Hinweis zu einem Link sind gelöscht worden. Ich bin eine Eigenverlag und mache immer mal Stichproben.
    Die großen Betriebe bräuchten bloß einen Praktikanten dransetzen, der täglich kontrolliert und Beschwerden einreicht, und schwups die wups, wären alle Hörbücher weg! Das Problem sind tatsächlich die Verlagsaffen!

    Selber einlesen verletzt auch die Urheberrechte des Autors und des Verlages. Zumindest als Autorin kann ich sagen, dass viele Jahre Arbeit in einem Buch stecken und ich möchte die Hörer mal erleben, wenn sie ein Jahr lang keine Gehlat für ihre Arveit erhalten!
    Man sparst sich beim Selbstlesen nur die Stimmrechte des professionellen Sprechers, der im übrigen Tage und Stunden in einem teuren Studio verbracht hat und akzentfrei zu lesen gelernt hat, was keiner der Leien, die ich gehört habe auch nur ansatzweise beherrscht. Aber heutzutage muß ja nichts mehr bezahlt werden, schon klar!
    Kann ja jeder selber. Am besten baut auch jeder sein Auto selber, dann braucht man dafür auch nicht mehr zahlen!

  2. djdjdj sagt:

    Frage: wie schaut die rechtslage eigentlich bei selbst eingelesenen hörbüchern aus? Also wenn ich z.B. eine Aufnahme machen würde, bei der ich 50 shades of grey vorlesen würde und online stellte? Worunter fällt das dann?

    • Lars Sobiraj sagt:

      Gute Frage, die ein Anwalt beantworten müsste. Bei der Länge des Buches wird das wohl kaum jemand machen.

  3. nexone sagt:

    Vieles ist nur per proxy zu erreichen wie zb die neuen john sinclair und 3 ? .
    Die alten JS sind von ton studio braun, gegen die tut niemand was. Wozu auch. Und hörbücher verschwinden. Doch die reups siegen.

  4. SoeinQuark sagt:

    Verrückte Welt. Kleine Betreiber werden totgeklagt, YT hingegen bekommt noch Geld in den Rachen, damit sie Content, den sie ohnehin verpflichtet sind zu löschen, bitte entfernen mögen? Gegenüber Rapidshare hieß es immer nur: Die technische Realisierung ist euer Problem. Wir wollen Schadenersatz!
    ‘To big to fail’, oder besser: ‘To famous to fail’?

  5. SoeinQuark sagt:

    NARF

  6. Lars Sobiraj sagt:

    Das sehe ich genauso. Aber es ist die Frage, ob die Verlage bereit zu solchen Experimenten sind.

  7. N.E.R.D sagt:

    Das Geld der Werbeeinnahmen sollte den Urhebern zugute kommen, bei älteren Hörbüchern die nicht mehr verlegt werden wäre das doch ne Option sie online zu lassen und von der Werbung wenigstens noch ein bischen Einnahmen zu haben.

  1. 22. Oktober 2018

    […] richtig gelesen. Die Google-Tochter YouTube ist seit jeher ein Quell an unzähligen Hörbüchern. Irgendwie stört sich dort niemand daran, die Rechteinhaber haben das wohl auch noch nicht […]

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