y2mate.com: RIAA will Identität des Betreibers erstreiten

Die US-amerikanische Musikindustrie geht derzeit juristisch gegen die populäre Seite y2mate.com vor. Dort kann man kostenlos die Videos und Musikstücke aller YouTube Videos als Datei herunterladen. Die Vorladung wurde an Cloudflare und den Domain-Registrar NameCheap verschickt. Diese sollen dazu gezwungen werden, die Identität der Betreiber preiszugeben. Monatlich werden bei y2mate.com nach aktuellen Schätzungen ca. 360 Millionen Seitenzugriffe generiert.

Die Vorgehensweise von y2mate.com gefällt dem Branchenverband der US-amerikanischen Plattenlabels überhaupt nicht. Sie haben gerichtliche Vorladungen an die Betreiber des CDN-Dienstleisters Cloudflare und an den Registrar der Domain, NameCheap, verschickt. Die RIAA verlangt die Weitergabe aller relevanten Informationen der Betreiber, weil die Webseite nach eigenen Angaben eine große Bedrohung ihres Geschäftsmodells darstellt. In ganz ähnlicher Form ist die RIAA bereits vor kurzem gegen diverse Piraten-Seiten vorgegangen.


y2mate.com = einfache Bedienung, keine Kosten

Bei y2mate.com muss man lediglich die URL eines YouTube Videos eingeben. Sekunden später kann man das konvertierte MP3 oder das Video an sich von dort herunterladen. Kostenlos versteht sich, denn die Seite ist komplett werbefinanziert. Wer auf seiner Festplatte Platz sparen will, kann die Qualität nach unten schrauben.

Erst kürzlich ging die RIAA juristisch gegen die Sharehoster NoFile.io und Dbr.ee vor. Auch dabei wählten sich die Rechtsanwälte der RIAA den Domain-Registrar NameCheap als Ziel aus. Unter dbr.ee wird man aktuell lediglich zu einer Warn-Seite von ifpi, RIAA und music canada weitergeleitet (siehe Screenshot unten). Auch der Sharehoster nofile.io ist in Folge der Klage weg vom Fenster. Ganz offensichtlich waren dort mehr echte Daten vorhanden, als es den Betreibern lieb war. Von daher ist es nicht verwunderlich, wenn die RIAA ihre erfolgreiche Strategie wiederholt anwendet.

ifpi riaa music canada

360 Millionen Seitenzugriffe monatlich

y2mate.comy2mate.com hat sich aufgrund der Popularität selbst zum Ziel gemacht. Das Portal ist laut dem Online-Dienst SimilarWeb eine der beliebtesten Webseiten überhaupt. Sie befindet sich im internationalen Vergleich auf Platz 570. In den USA liegt sie weiter hinten, denn sehr viele Besucher kommen aus Brasilien, Mexiko, Indien, Spanien und aus anderen Nationen. Laut der Klage der RIAA beim Bundesgericht von Columbia (USA) könne sich Cloudflare nicht darauf verlassen, laut der DMCA-Rechtsprechung auf der sicheren Seite zu sein. Der Kläger will die Daten der Verantwortlichen kennen, die urheberrechtlich geschützte Tonaufnahmen der RIAA-Mitglieder ohne Zustimmung reproduziert und verbreitet haben. Das an NameCheap verschickte Schreiben hat den gleichen Inhalt. Auch darin verlangt man ausdrücklich den „Namen, die Anschrift, nebst IP-Adressen, Telefonnummern, E-Mail-Adressen, Bankverbindung“ und vielen anderen Angaben der Betreiber von y2mate.com.

Geschäftsmodell von NameCheap & Cloudflare infrage gestellt?

Die Reaktionen von Cloudflare und NameCheap bleiben abzuwarten. Sie werden wahrscheinlich alles in ihrer Macht stehende versuchen, um eine Preisgabe zu verhindern. Beide Unternehmen arbeiten eng mit unzähligen Kunden zusammen, die ihr Geld mit Urheberrechtsverletzungen im gewerbsmäßigen Umfang verdienen. Sollte sich herumsprechen, dass diese Firmen keinen sicheren Ort mehr für Online-Piraten darstellen, würden sie viele Kunden verlieren. Möglicherweise erledigt sich das „Problem“ für die Beklagten schon bald ganz von alleine. Das wäre der Fall, wenn die Betreiber von y2mate.com kurzerhand ihre Seite vom Netz nehmen. Bislang aber ist die Webseite aber ohne jede Einschränkung erreich- und nutzbar.

Tarnkappe.info

 

Beitragsbild Louis Hansel, thx! (unsplash licence)

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.

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