Windows 10 Keys von eBay: tausende Strafverfahren laufen

Windows 10 Key gekauft? Laut der Staatsanwaltschaft Koblenz haben sie über 10.000 Fälle an die zuständigen Staatsanwaltschaften abgegeben.

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Billige Windows 10 Keys bei eBay
Bildquelle: eBay

Gegenüber golem.de gab die Staatsanwaltschaft Koblenz bekannt, alleine sie hätten über 10.000 Fälle an die zuständigen Staatsanwaltschaften abgegeben. Es geht dabei um den illegalen Erwerb von Windows 10 Lizenzschlüsseln nebst Office-Paketen bei eBay & Co.

Vorsicht beim Kauf auffällig billiger Lizenzen für Windows 10 bzw. Microsoft Office!

Die Zentralstelle für Wirtschaftsstrafsachen der Staatsanwaltschaft Koblenz ist für den gesamten Bezirk des Oberlandesgerichts Koblenz und somit auch für die Bearbeitung aller Wirtschaftsstrafsachen aus den Landgerichtsbezirken Bad Kreuznach, Mainz und Trier zuständig. Es habe dort „zahlreiche Umfangsverfahren“ wegen unseriöser Lizenzschlüssel für Windows 10 oder Office-Pakete gegeben, hieß es als Antwort auf die Presseanfrage von Friedhelm Greis. Die vielen verschickten Briefe wurden medial bekannt, nachdem uns ein Leser in der öffentlichen Gruppe bei Telegram über den Empfang eines solchen Schreibens berichtet hat.

Zahlreiche Fälle an die zuständigen Staatsanwaltschaften abgegeben

windows 10, instant delivery

In der Vergangenheit habe man die Verfahren regelmäßig an die zuständigen Staatsanwaltschaften beim Wohnsitz des Käufers abgegeben. Insgesamt soll die Anzahl der abgegebenen Fälle in einem niedrigen fünfstelligen Bereich liegen. Laut der Antwort auf die Presseanfrage seien derzeit auch mehrere Strafverfahren wegen eben dieser Delikte anhängig. Das heißt: Die Käufer unseriöser Windows 10 Keys müssen weiterhin mit einem Schreiben rechnen, in dem man sie zu einer Vernehmung in die lokale Polizeidienststelle vorlädt.

Wahrscheinlich wertet man die Daten eines Verkäufers aus und folgt dem Legalitätsprinzip. Demnach muss jede Behörde ein Ermittlungsverfahren eröffnen, wenn es dafür einen Anfangsverdacht gibt. Sollte man also von einem Verkäufer unzählige Kundendaten erhalten haben, der ihnen die Lizenzschlüssel für weitaus weniger als den offiziellen Verkaufspreis veräußert hat, so wäre dies ein rechtlich gültiger Anfangsverdacht.

Hausdurchsuchungen wegen unergiebiger Ermittlungsverfahren

Gegenüber Golem gab Rechtsanwalt Tobias Kläner bekannt, weil die Ermittlungen wenig ergiebig waren, kam es in ein paar Einzelfällen in Rheinland-Pfalz auch zu Hausdurchsuchungen, um den Anfangsverdacht zu erhärten. Doch in der Regel blieb es offenbar beim Versand der Vorladung, ähnlich wie bei früheren Kunden illegaler IPTV- oder Card-Sharing-Angebote.

Polizei Bergisch Gladbach, ZAC NRW

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Geldbuße oder Haftstrafe für Windows 10 Keys?

Die meisten Käufer dürften die Keys ja in einem privaten Rahmen zum Eigengebrauch erworben haben. Wenn man keine Windows 10 Keys gehandelt oder diese für seine eigene Firma verwendet hat, hängt das Strafmaß auch davon ab, ob der Tatverdächtige vorbestraft ist. Entscheidend dafür sei zudem, ob der Beschuldigte ein Geständnis zur Abkürzung des Verfahrens abgegeben habe. Wer hingegen häufiger derartige Lizenzen käuflich erwirbt, müsse mit höheren Strafen rechnen.

Strafrechtlich interessant wird es natürlich vor allem für die Verkäufer unseriöser Software in großen Mengen.

Online-Marktplätze sind ein Teil des Problems

Windows 10 Pro

Es ist sehr bedauerlich, dass keine Online-Handelsplattform dem Verkauf der dubiosen Windows 10 Keys einen Riegel vorschiebt. Das versucht man mit Ausnahme von Amazon noch nicht einmal, zumindest ist von irgendwelchen Bemühungen nichts zu sehen. Einfach mal selbst danach suchen. Bei eBay wird man direkt zugeworfen mit zwielichtigen Angeboten. Man kann sogar die Option Preis unter fünf Euro auswählen, um die billigsten Keys zu sehen! Ab 2,94 EUR gibt es alles was das Herz begehrt, instant delivery inbegriffen. Natürlich gab es solche Angebote schon früher, wie wir schon berichtet haben…

Wäre das Angebot weit unter dem Verkaufspreis von Microsoft unmöglich, weil eBay solche Händler sperren würde, käme es jetzt auch zu keinen bösen Überraschungen bei den Empfängern der Briefe.

eBay Logo, Wiesbaden

eBay & Co. profitieren eindeutig von der Problematik. Doch sie werden ihrer Verantwortung offenkundig nicht gerecht. Oder wie seht ihr das? Sollte man auch die Online-Händler haftbar machen, sofern dies juristisch möglich wäre? Schreibt uns eure Meinung.

Tarnkappe.info

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.