WikiLeaks: Diskussion um mögliche russische Beteiligung an Leaks

Article by · 16. Dezember 2016 ·

Schon seit längerem wird spekuliert, dass die russische Regierung bewusst Dokumente über US-Politiker an WikiLeaks weitergegeben haben könnte. Chefredakteur Julian Assange dementierte diese Vermutungen nun erneut. Gleichzeitig spekulierte er aber, Leaks an andere Medien könnten durchaus von den Russen inszeniert worden sein.

WikiLeaks-Flagge - von "Graphic Tribe" unter CC-BY-SA 3.0

WikiLeaks-Flagge – von „Graphic Tribe“ unter CC-BY-SA 3.0

Kontroverse um Leaks über die Demokraten

Vor den Präsidentschaftswahlen in den USA hatte WikiLeaks eine ganze Reihe von inkriminierenden Dokumenten über die Demokraten und deren Kandidatin Hillary Clinton veröffentlicht. Kritiker spekulierten, Russland könnte den Transparenz-Aktivisten diese Dokumente zugespielt haben. Die Russen, so die Vermutung, wollten Clinton damit sabotieren und ihrem Gegner Donald Trump (Republikaner), über den keine Leaks erschienen, einen Vorteil verschaffen. Trump, der die Wahl schließlich gewann, ist Russland gegenüber wesentlich freundlicher eingestellt als Clinton. Andere Geheimdienst-Akteure vermuten, dass Russland mit seinem Hack der Democratic National Convention (DNC) lediglich Chaos in den USA stiften wollte.

Julian Assange dementierte solche Gerüchte immer wieder. WikiLeaks veröffentliche, was immer ihm zugespielt werde und dabei relevant und wahrscheinlich echt sei, so Assange. Er bestritt, Clinton persönlich schaden zu wollen. Ebenso wenig lasse sich WikiLeaks von Russland instrumentalisieren.

Assange: WikiLeaks hat keine Dokumente von den Russen

In einem Radio-Interview bekräftigte Assange diese Haltung nun noch einmal. „Unsere Quelle ist nicht die russische Regierung,“betonte er. Er erklärte sogar, WikiLeaks habe keinerlei Dokumente, die von staatlichen Akteuren – seien sie aus Russland oder anderen Ländern – stammten.

Assange erklärte, gehackte Dokumente der Demokraten, die den US-Medien „Gawker“ und „The Hill“ zugespielt worden seien, könnten durchaus von der russischen Regierung stammen. Deren Dokumente stammen von einem Hacker mit dem Pseudonym „Guccifer 2.0“. Dass dieser in Diensten der russischen Regierung steht, wird schon lange spekuliert. Bewiesen wurde es allerdings noch nicht – typisch für die Welt des Internets, in der es oftmals schwer ist, Akteure und ihre Auftraggeber richtig zuzuordnen. „Von wem diese [Leaks] stammen, wissen wir nicht,“ erklärte Assange, „Sie sehen ganz so aus, als seien sie von den Russen. Aber in mancher Hinsicht sehen sie sehr amateurhaft aus und sehen fast ein bisschen zu sehr nach den Russen aus.“ 

Der WikiLeaks-Chefredakteur ist aber nach eigenen Angaben optimistisch, dass die auf seiner Website veröffentlichten Dokumente nicht von „Guccifer“ stammen. Woran er das festmacht, erklärte er nicht genauer. Das könnte im Quellenschutz begründet sein. Schon die Aussage, dass WikiLeaks über keine Dokumente von staatlichen Akteuren verfügt, verletzt streng genommen schon die WikiLeaks-Tradition, niemals irgendwelche Kommentare zu Quellen abzugeben.

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30 Comments

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      Hat Patrick gut geschrieben, inhaltlich aber wenig Neues drin.

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        Zufaelliger Passant

        Du haettest es sicher besser gekonnt. Biet ihm in der naechsten Redaktionskonferenz doch kollegialen Beistand fuer kuenftige Artikel an.

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        Ewald

        Kann man auch anders sehen.
        Sehr schön beschrieben wurde die Fahrlässigkeit, mit der Menschen in Gefahr gebracht werden, weil man zu faul oder dumm zum Schwärzen ist.
        Es hat schon seinen Grund, warum Snowden seine Daten nicht an WL gegeben hat.
        Die Medien, die die Daten dann veröffentlicht haben, war die Verantwortung bewusst.

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      Schmunzel

      Das Assange ein ausgewiesener Unsympathling ist sehe ich genauso.
      Allerdings kann ich das Gejammer der Geheimdienstler wegen deren Gefährdung nicht verstehen.
      Geht man den nicht zu so einer Organisation um ein bischen Abenteuer und Action zu bekommen?
      Einsatz fürs Vaterland und fremde Länder und Kulturen kennenlernen sowie diese anschließend anzünden :-).
      Will man Fallbearbeiter mit geregelten Tagesablauf und ohne Risiko werden soll man doch zur Allianz gehen.
      Mit Diplomatenpass ausgestattet in anderer Leute Grundstücke einsteigen und verwanzen oder Koffer klauen ist nichts neues und bekanntermaßen eine Kernkompetenz eines jeden Geheimdienstes.
      Kann gefährlich werden, das können auch nichtstaatliche Einbrecher bestätigen:-) .
      Hat ja auch der KGB und die Stasi gerne gemacht. Übrigens auch mit der Begründung nur das Beste zu wollen und vertraut uns wir sind die Guten.
      Gerade die CIA ist ja bekannt für ihre sklavische Beachtung von Rechtsnormen im In- und Ausland.
      Da gilt der alte Satz, ist der Ruf erst ruiniert lebt es sich ganz ungeniert.
      Mir kann auch niemand erzählen, das die einigermaßen kompetenten Mit- und Gegenspieler das nicht gewusst haben.
      Einzig der eine oder andere mittelständische Betrieb wird sich jetzt erklären können warum er denn einen oder anderen Auftrag nicht bekommen hat und jemand im Amiland kurz vor knapp einen fast identischen Patentantrag gestellt hat.
      Das könnte sogar das eine oder andere Hausverbot für die Agenten nach sich ziehen, ganz schlimm.

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        Ewald

        In diesem Fall jammert kein Geheimdienst, es stellt ein Journalist sehr einleuchtende Überlegungen an. Einem Geheimdienst kann es letztlich fast egal sein, ob eine Quelle gefährdet ist.
        Der Quelle selber aber nicht. Und genau das skizziert der Artikel richtigerweise. Wer zu doof oder zu faul ist zu schwärzen, der geht bewusst das Risiko ein, dass Menschen gefährdet sein können.

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    Die „New York Times“ hatte am Dienstag (Ortszeit) unter Berufung auf „vier derzeitige und frühere Behördenvertreter“ berichtet, abgefangene Telefonate und Mitschnitte belegten, dass Mitarbeiter aus Trumps Kampagnenteam im Wahlkampfjahr wiederholt mit russischen Geheimdienstlern kommuniziert haben. Dabei soll es sich nicht nur um Wahlkampf-Manager, sondern auch um andere Personen aus Trumps Umfeld gehandelt haben. Auf russischer Seite sollen demnach ebenfalls nicht nur Geheimdienstmitarbeiter, sondern auch Mitglieder der Regierung an den Gesprächen beteiligt gewesen sein.

    Quelle:
    http://www.faz.net/aktuell/politik/trumps-praesidentschaft/donald-trump-weist-berichte-zu-russland-kontakte-zurueck-14878835.html

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    Der scheidende US-Präsident Barack Obama bestraft Russland für Hackerangriffe während des Wahlkampfes: Die USA erlassen Sanktionen und weisen 35 Diplomaten aus.

    Quelle:
    http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-12/hackerangriffe-usa-weisen-35-russische-diplomaten-aus

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      Nur halt die Beweise fehlen.

      Heute ist hier in der Straße der Strom ausgefallen, das waren bestimmt auch die bösen russischen Hacker.

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        Beweise werde vielleicht noch vorgelegt:

        Die US-Geheimdienste sind zu der Überzeugung gelangt, dass russische Geheimdienste das DNC gehackt haben. Anschließend sei das Material an Wikileaks weitergeleitet worden. Das Ministerium für Heimatsicherheit wird gemeinsam mit dem FBI einen Bericht veröffentlichen.

        Quelle:
        https://www.heise.de/newsticker/meldung/Wegen-Hacking-US-Sanktionen-gegen-Russlands-Geheimdienste-3582921.html

        „… Strom ausgefallen, das waren bestimmt auch die bösen russischen Hacker“

        Dafür haben sie hier in Deutschland kein Motiv:

        Einen Angriff wie in der Ukraine erwartet Dalheimer hierzulande aber derzeit nicht. Zwar sei es technisch möglich, allerdings gebe es in der Ukraine durch den Konflikt zwischen prorussischen Separatisten und dem ukrainischen Militär ein besonders schwieriges politisches Umfeld und entsprechende Motive für Sabotage.

        Quelle:
        http://www.zeit.de/digital/internet/2016-01/stromausfall-hacker-ukraine-blackenergy

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          Man darf davon ausgehen, dass den amerikanischen Sicherheitsbehörden weitergehende Informationen vorliegen. Sie tauchen allerdings in dem Bericht nicht auf. Auch in einem weiteren Report, der in drei Wochen mehr Details liefern soll, dürfte manches außen vor bleiben.

          Denn die besten Informationen der Amerikaner dürften ihrerseits aus der Infiltrierung russischer Netze stammen – und das macht keine Cybergroßmacht gern öffentlich.

          Quelle:
          http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/fbi-bericht-zu-russlands-hacker-angriff-auf-usa-operation-grizzly-steppe-a-1128045.html

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          Auf einem Computer eines Stromversorgers im US-Bundesstaat Vermont wurde Software der russischen Cyberattacke „Grizzly Steppe“ gefunden.

          Quelle:
          http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/usa-russische-hacker-sollen-stromversorger-angegriffen-haben-a-1128123.html

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          Die intensiven Beziehungen Trumps und seines Teams zu regierungsnahen Kreisen in Russland waren bereits im US-Wahlkampf Thema. Obwohl Trumps Firmen selbst nicht in Russland engagiert sind, sollen Trump-Projekte von Russland aus mitfinanziert worden sein. Außerdem haben enge Trump-Vertraute verdächtige Geschäftsbeziehungen.
          Trumps Team mit guten Beziehungen

          Paul Manafort, Vorsitzender von Trumps Wahlkampagne, soll mit dem Oligarchen und Putin-Vertrauten Oleg Deripaska sowie dem 2014 abgesetzten ukrainischen Präsidenten Viktor Janukovič Millionengeschäfte gemacht haben. Manafort gibt an, die von ihm in Empfang genommenen 12,7 Millionen US-Dollar aus der Ukraine seien nicht für ihn selbst, sondern für seine Mitarbeiter bestimmt gewesen. Janukovič wird in der Ukraine wegen Hochverrats gesucht, hat sich aber nach Russland abgesetzt.

          Trumps designierter US-Außenminister Rex Tillerson hat als Exxon-Mobil-Chef jahrelang Milliardengeschäfte mit Russland abgewickelt. Tillerson, der ein enger Freund Putins sein soll, hat auch einen der höchsten russischen Orden erhalten. Diese Ehrung war während Trumps Kabinettsbildung zwischenzeitlich aus Tillersons Wikipedia-Eintrag entfernt worden.

          Michael Flynn, Trumps Berater für Nationale Sicherheit, soll für Russia Today (RT) bezahlte Reden gehalten haben. Ihm wird in den USA unter anderem angekreidet, 2015 bei einem Festbankett zu Ehren RTs den Platz neben Putin eingenommen zu haben.

          Quelle:
          https://www.heise.de/newsticker/meldung/Wegen-Hacking-US-Sanktionen-gegen-Russlands-Geheimdienste-3582921.html

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            "

            On paper, the leader of the California secession movement lives in an apartment complex near San Diego’s Golden Hill neighborhood. But in reality, the Calexit campaign is being run by a 30-year-old who lives and works in a city on the edge of Siberia

            Several times, the Communist Party’s Pravda newspaper covered the Yes California campaign, including this September, when he met with other secessionists at a conference sponsored by the Russian government.

            Quelle:
            http://ww2.kqed.org/news/2016/12/13/from-his-home-in-russia-calexit-leader-plots-california-secession/

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        Laut Robert M. Lee und anderen Beobachtern sollen die Mitglieder des Kongresses in den USA einen geheimen Bericht vorgelegt bekommen, der eindeutig beweist, dass der Wahlkampf-Hack direkt von der russischen Regierung veranlasst wurde und der die beschlossenen Sanktionen rechtfertigt. Dieser Bericht soll demnach von der NSA verfasst werden und unter Umständen später der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden (wahrscheinlich in zensierter Form). Sicherheitsforscher vermuten, dass die NSA im Rahmen ihrer umfassenden Internet-Überwachung Daten gesammelt haben könnte, welche den Einfluss russischer Geheimdienste belegen.

        Quelle:
        https://www.heise.de/newsticker/meldung/US-Regierungsbericht-enthaelt-keine-Beweise-fuer-russischen-Hack-im-Wahlkampf-3585937.html

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    Craig M***, a former British ambassador to Uzbekistan and a close associate of WikiLeaks founder Julian Assange, said in the report by the Daily Mail that he flew to Washington for a clandestine handoff with one of the email sources in September.

    He said he received a package in a wooded area near American University.

    Quelle:
    http://www.washingtontimes.com/news/2016/dec/14/craig-murray-says-source-of-hillary-clinton-campai/

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    Ewald

    Ich habe ja nicht behauptet, dass Confluence was neues ist.
    Finde es trotzdem irre einem Unternehmen, wo ein Blinder sieht, was Sache ist, den Mailserver zu übergeben.

    Leaking Plattformen sind keine Journalisten, genauso wenig wie jeder Blogger einer ist.
    Kein Wunder, dass Snowden seine Dokumente nicht WL gegeben hat, der wusste schon warum.
    Obwohl sich WL gleich an ihn rangehängt hat.
    Die beste Bezeichnung für Leute wie Assange ist nützlicher Idiot. Und so ein günstiger dazu.

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      Assange lässt sich offenbar für die Zwecke der russischen Geheimdienste einspannen, stimmt schon. Aber er war der einzige Medienpartner, der Snowden gefragt hat, ob er auch mal etwas für ihn tun kann. Wenn das ein nützlicher Idiot ist, möchte ich auch so einer sein. Alle anderen Magazine (auch Spiegel, Guardian & Co.) hatten ausschließlich ihren eigenen Vorteil im Sinn.

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        Ewald

        Der Sinn eines Nachrichten Magazin ist was?
        Auflage, wirtschaftlicher Erfolg.
        Den kann man durch interessante Artikel erreichen.
        Ich wüsste jetzt nicht, was Spiegel und Guardian hätten tun sollen.
        Ihn an Bord eines Schiffes schmuggeln und außer Landes bringen?
        Ihn versteckt halten?

        Snowden hat sehr genau erkannt, dass er Journalisten braucht und nicht Copy&Paste Könner.
        Die haben seine Informationen bearbeitet und nicht 1:1 veröffentlicht.

        Natürlich ist Assange ein Handlanger der Russen. Ich vermute, er weiss das auch.
        Aber das ist Leuten wie ihm auch egal.

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          Den Erfolg für sich verbuchen ohne Rücksicht auf Verluste – ich überspitze das jetzt mal – das kann jeder. Assange war trotz seines gigantischen Egos zumindest so fair und hat mal nachgefragt, ob er auch helfen kann. Ich würde das aber nicht für einen nützlichen Idioten halten. Gut, außer für den FSB, da verhält sich Assange sehr einseitig.

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            Glenn Greenwald und Laura Poitras haben Snowden auch unterstützt. Zumindest juristisch und moralisch.

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            Ewald

            Assange hat es ja auch versucht.
            Wie hieß die WL Dame doch gleich, die versucht hat ihn in Moskau abzugreifen?

            Es spricht für Snowden, dass er das brav den Zeitungen gegeben hat und nicht Assange.

            Aber noch mal, wie hätten Spiegel und Guardian ihm helfen können?
            In so gut wie jedem Winkel dieser Erde wäre er aufgespürt worden.
            Moskau war bestimmt nicht sein Wunschziel, aber dort dürfte es sicherer für ihn sein.

            Lars, besser kein nützlicher Idiot wie Assange.

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    Ewald

    Interessant, dass Assange das so genau sagen kann.
    Vielleicht stand es auf den Dokumenten?
    „Nicht von Russen abgegriffen“.
    Oder Assange hat es im Internet gelesen, denn das hat ja immer Recht.

    Erstaunlich ist doch viel mehr, dass Clinton sich in die Obhut von Confluence in den USA begeben hat.
    Da musste der russische Geheimdienst wohl nicht mal hacken, sie bekamen es auf dem Silbertablett.
    http://gawker.com/how-unsafe-was-hillary-clintons-secret-staff-email-syst-1689393042

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      Ich habe lediglich berichtet, dass Assange das so gesagt hat. Nicht, dass ich ihm uneingeschränkt glaube.

      Andererseits (mal in meiner gänzlich leichtgläubigen Naivität gesprochen) ist es auch seit mindestens 1950 eine gern genommene Sache, politischen Gegnern zu unterstellen, sie seien mit „den Kommunisten“ oder „den bösen Russen“ im Bunde. Das spart nämlich eine Menge Argumente. Ich würde gar soweit gehen, zu sagen, dass derlei Behauptungen nicht immer stimmen müssen…


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