Werner Herzog: Piraterie ist die erfolgreichste Form der Verbreitung

Der deutsche Regisseur und Schauspieler Werner Herzog bekundete kürzlich seine zögerliche Unterstützung für das Thema Filmpiraterie. Beim diesjährigen Visions du Réel Film Festival sagte Herzog, dass die Piraterie weltweit die erfolgreichste Form der Verbreitung von Filmen darstellt. Wer einen seiner Filme nicht legal beziehen könne, habe für den Download der Schwarzkopie seinen Segen.

Hintergrund: Der aus Bayern stammende Werner Herzog hat mehr als 60 Dokumentarfilme und früher ein paar Kinofilme unter anderem mit dem Schauspieler Klaus Kinski gedreht. Laut der Zeitschrift Time gehörte Herzog im Jahr 2009 zu den einhundert einflussreichsten Personen der Welt und erhielt 2012 das Bundesverdienstkreuz. Seine Filmografie kann man hier einsehen.


Anzeige

Wie das Fachmagazin Screen Daily berichtet, diskutierte er kürzlich auf einem Schweizer Filmfestival mit dem ukrainischen Filmproduzenten Illia Gladshtein von Phalanstery Films. Gladshtein erwähnte auf der Bühne seine Probleme bei der Beschaffung der Filme von Herzog in seinem Heimatland. In der Ukraine könne man nur mittels illegaler Torrent-Portale auf die Werke des Kollegen zugreifen. Werner Herzog konterte, dass man sich als Pirat ruhig seine Werke besorgen soll. Aber nur, sofern man sich diese nicht über Netflix oder das staatlich geförderte Fernsehen anschauen kann.

Werner Herzog ist Realist aber kein Pirat.

Werner Herzog ist sicherlich kein ausgemachter Freund der Online-Piraterie. Wie er in Nyon auf der Bühne sagte, möge er illegale Downloads eigentlich nicht. Herzog möchte mit seinen Filmen auch etwas Geld verdienen. Aber wenn es mangels Verfügbarkeit keine andere Wahl gebe und jemand seine Filme über das Internet oder wie auch immer stiehlt, so bekomme er von ihm seinen Segen. Piraterie wäre halt in der ganzen Welt die erfolgreichste Vertriebsform überhaupt, fügte er seinen Ausführungen hinzu. Der Regisseur freut sich, wenn 15-Jährige ihn mit der Frage bombardieren, warum sie seine Filme nicht legal erhalten können. Immerhin seien nun zumindest einige seiner Dokumentationen legal über Amazon und anderswo als Stream erhältlich. Zudem könne man mittlerweile einige Filme in Form einer DVD oder Blu-Ray Disc bestellen.

Tarnkappe.info

 

Beitragsbild Raffi Asdourian, thx! (CC BY 2.0)

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.

Vielleicht gefällt dir auch