Rheinneckarblog wegen Fake-News zu 9.000 Euro Strafe verurteilt

Ein erfundener Bericht über einen Anschlag in Mannheim im Rheinneckarblog ist der Grund dafür, dass der Betreiber 9.000 Euro bezahlen muss.

Rheinneckarblog wegen Fake-News zu 9.000 Euro Strafe verurteilt

Das Amtsgericht Mannheim verurteilte den Betreiber des Rheinneckarblogs, Hardy Prothmann, wegen der Verbreitung einer Falschmeldung zu 9.000 Euro Geldstrafe. Er hatte in seinem Blog im März verbreitet, in Mannheim hätte ein angeblich „massiver Terroranschlag“ stattgefunden mit mehr als 130 Toten. Einen entsprechenden Strafbefehl erließ das Amtsgericht der Stadt, laut Mitteilung vom Donnerstag. Hardy Prothmann, will die Strafe anfechten, berichtet die FAZ.

Betreiber vom Rheinneckarblog veruteilt

Unter dem Titel: „Massiver Terroranschlag in Mannheim” hatte im März diesen Jahres der Rheinneckarblog für einiges Aufsehen gesorgt. Er berichtete von einem „Blutbad apokalyptischen Ausmaßes“, in dem von über 130 Toten, 230 Verletzten und Chaos in der Stadt die Rede war. Dafür sollten 50 Angreifer verantworlich sein, die mit Macheten und Messern Gäste auf einem Mannheimer Stadtfest angegriffen hätten. Zudem schrieb Prothmann, es wäre durch die Polizei eine Nachrichtensperre verhängt worden.

Die durch die Staatsanwälte beantragte Strafe haben sie mit dem Verdacht begründet, dass die Falschmeldung den öffentlichen Frieden gestört hätte. Aus Sicht der Staatsanwälte wirkte der Beitrag so realistisch, dass die Leser ihn kaum als frei erfunden einstufen würden und ihn für glaubwürdig hielten. Zudem sei der Artikel so verfasst wurden, dass man der Annahme sein konnte, es stünden noch schwere Straftaten bevor und genau diese Meldung wäre dazu geeignet gewesen, den öffentlichen Frieden zu stören. Der Beitrag wurde mehr als 20.000 Mal aufgerufen.

Politische Ziele gegen einen unbequemen Journalisten verfolgt?

Prothmann hingegen meint über den Rheinneckarblog. “Die Staatsanwaltschaft verfolgt mit diesem Strafbefehl politische Ziele gegen einen auch für sie unbequemen Journalisten.” In einem Interview erklärte er: “Ich weise auf ein massives Problem hin – wir sind eine durch Frieden und Freiheit geprägte Gesellschaft, aber gesellschaftlich vollständig unerfahren mit täglicher Gewalt und Terror. Das fiktive Szenario in Mannheim wäre in Tel Aviv unvorstellbar. Dort würden Sicherheitskräfte, die an jeder Ecke stehen, die 50 Mörder schnell und kompromisslos ausschalten.” Es kommt zum öffentlichen Prozess, sobald Prothmann Rechtsmittel einlegt.


Massenpanik hätte die Folge sein können

Aufgrund des Berichts sprach der Deutsche Presserat bereits am 15. Juni eine Rüge gegen den Rheinneckarblog aus. “Unabhängig von der Absicht, die die Redaktion mit dem erfundenen Bericht verfolgte, hat sie damit dem Ansehen der Presse massiv geschadet”. Prothmann hatte die Aktion damit begründet, dass man mit der Meldung nicht die Absicht verfolgte, eine Massenpanik zu erzeugen. Vielmehr wollte man die Leser für mögliche Bedrohungslagen, aber auch für Fake News sensibilisieren.

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Tarnkappe.info

Über den Autor

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.