TSA: Körperscanner diskriminieren afrikanische Frauen und Turbanträger

Mitarbeiter der Transportation Security Administration (TSA) mussten in einem Interview einräumen, dass ihre Körperscanner arge Probleme mit dicken Haaren und anderem Kopfschmuck haben. In der Folge müssen zum Beispiel afrikanische Frauen und Träger eines Turbans von den TSA-Mitarbeitern persönlich durchsucht werden. Dadurch behandelt man immer wieder bestimmte Personengruppen nachteilig.


Niemand wollte namentlich genannt werden

Das News-Portal ProPublica befragte zwei Offiziere der TSA, die im Verlauf des Gesprächs Fehlfunktionen und Fehlalarme der Körperscanner zugeben mussten. Diese werden häufig durch bestimmte Frisuren oder einen entsprechend dichten Haarschmuck ausgelöst. Bei Frauen mit afrikanischen Wurzeln seien die Haare dicker, weswegen die Körperscanner häufig bei Zöpfen oder Dreadlocks anschlagen. Ein befragter Mitarbeiter der TSA arbeitet an einem Flughafen im Bundesstaat Texas. Er möchte namentlich nicht genannt werden. Die Aussagen decken sich aber mit einem Regierungsbericht aus dem Jahr 2014, wonach die Geräteeine höhere Fehlalarmrate haben, wenn Passagiere Turbane und Perücken tragen„. In dem Fall glauben die Geräte, ein Gegenstand wurde in den Haaren der Reisenden versteckt. Sie können den Unterschied zwischen einer Bombe und einem dichten Haarknäuel nicht ausmachen.

TSA-Mitarbeiterin tritt Flugreisen nur mit kurzen Haaren an

EES Flughafen KörperscannerInteressant auch die Aussagen einer hochrangigen Beamtin der TSA. Diese sagte, dass sie vor jeder Reise ihre Haare schneiden lassen würde. Offenbar will sie damit andeuten, dass ihre Mitbürger es ihr nachmachen sollten. Haarveränderungen vor dem Antritt der Reise empfindet sie nicht als diskriminierend, wie sie sagt. Anderenfalls schlage der Körperscanner an weil er glaubt, einen Gegenstand identifiziert zu haben. Dann müssen die Personen von den Mitarbeitern auf versteckte Waffen oder andere Gegenstände wie Bomben untersucht werden.

Ihre Behörde habe in den letzten Jahren keine Anhaltspunkte dafür gefunden, dass man einzelne ethnische Gruppen oder Menschen mit einer bestimmten Religionszugehörigkeit nachrangig behandelt hätte. Auch die langjährige TSA-Beamtin möchte nicht, dass man ihren Namen erwähnt. Auf der eigenen Webseite wird allen Reisewilligen dazu geraten, jegliche Gegenstände aus den Haaren zu entfernen. Außerdem könne „das Tragen eines Haarteils, von Verlängerungen oder einer Perücke sowie eines Pferdeschwanzes, eines Zopfes etc.“ aus Versehen einen Alarm auslösen.

Körperscanner teuer und fehleranfällig

Flughafen KörperscannerAuf der Webseite der Transportsicherheitsbehörde warnt man davor, dass man überrascht wäre zu erfahren, wie viel man in Haaren verstecken könne. Die bemerkenswertesten Dinge, nach denen sie suchen, seien konventionelle Sprengstoffe und improvisierte Bomben mit selbst gemachten Sprengstoffen. Leider weigert sich die Behörde Zahlen preiszugeben, wie oft man tatsächlich etwas Gefährliches in den Haaren gefunden hat. Wahrscheinlich noch gar nicht. Doch dann müsste man im gleichen Atemzug zugeben, dass die Körperscanner, die pro Stück rund 150.000 US-Dollar kosten, so fehleranfällig wie diskriminierend sind.

Alleine die US-Behörde TSA soll über 100 Millionen US-Dollar in die Technik der Firma L3 Technologies gesteckt haben. Auf Anfrage der Kollegen von ProPublica wollte der Hersteller L3Harris Security & Detection Systems keinen Kommentar zu den Fehlalarmen abgeben. Diese betreffen aber nicht nur die Durchsuchten selbst, sondern sie sorgen auch zunehmend für Warteschlagen, wie ein offizieller Bericht aus dem Jahr 2014 besagt. Ein Update der Software oder Austausch der Körperscanner wäre also für alle Beteiligten sinnvoll.

Tarnkappe.info

 

Beitragsbild Waldemar Brandt, thx! (unsplash licence)

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.

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