Tor vs. VPN – Wir räumen auf mit dem ewigen Mythos

Tor oder VPN – Beide versprechen sie das Blaue vom Himmel und wollen die Besten sein. Die Tarnkappe räumt auf mit Mythen und Werbelügen.

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Wenn man heutzutage im Internet unterwegs ist, kommt man an Tor oder einem VPN kaum vorbei. Beide versprechen sie uns das Blaue vom Himmel und behaupten das Beste für uns zu sein.

Aber wann ist es tatsächlich besser sich mit dem Tor-Browser im Netz zu bewegen? Und wann sollten wir doch lieber einen VPN-Service nutzen? Hilft ein VPN wirklich dabei, uns vor Tracking und bösen Hackerangriffen oder sogar Malware zu schützen? Diese und noch einige weitere Fragen und Mythen wollen wir uns heute genauer anschauen.

Der erste große Unterschied – oder: es ist nicht alles Gold was glänzt

Roskomnadzor blockiert VPN-Dienste

Wenn man sich Tor oder genauer gesagt, das Zwiebelnetzwerk und egal welchen VPN-Anbieter einmal etwas genauer anschaut, fällt uns eine Tatsache sofort auf. Richtig. Bei VPN-Anbietern geht es hauptsächlich darum, Geld zu verdienen. Sehr viel Geld.

Tor hingegen wurde seinerzeit entwickelt, um Nutzer im Netz effizient vor Zensur, Überwachung und Tracking schützen zu können. Damals wie heute finanziert sich das Tor-Projekt hauptsächlich durch Spenden. Auch werden Nutzer immer wieder aktiv dazu aufgefordert, sich an dem Projekt zu beteiligen.

Heute wird es (das Tor-Netzwerk) täglich von normalen Menschen, dem Militär, Journalisten, Strafverfolgungsbeamten, Aktivisten und vielen anderen für die unterschiedlichsten Zwecke genutzt.

The Tor Project

Klar, wer möglichst schnell viel Geld verdienen möchte, der muss potenziellen Nutzern auch einiges bieten können. Oder besser gesagt, man muss sehr viel Geld in Werbung investieren. Der Konkurrenz immer einen, wenn auch nur kleinen Schritt voraus sein zu müssen, hat eben seinen Preis. Da werden dann leider sehr oft Versprechungen gemacht, die eigentlich komplett unsinnig sind und so manch einem User das gefährliche Gefühl falscher Sicherheit vermitteln.

Das Tor Netzwerk
Grafik: LarysaRay

Tor vs. VPN – was wir wirklich beachten sollten

Um es gleich vorwegzunehmen. Sowohl das Tor-Projekt als auch ein (guter) VPN haben ihre Daseinsberechtigung. Leider gibt es viele Unwahrheiten und Mythen bezüglich Tor oder der Nutzung eines VPNs.

1. VPNs schützen uns vor Hackern in einem lokalen Netzwerk

Diese Behauptung wird in der Regel im Zusammenhang mit offenen WiFi-Netzwerken wie z. B. an Flughäfen oder in Cafés aufgestellt. Grundsätzlich ist das auch nicht verkehrt.

Allerdings werden mittlerweile zwei Drittel (oder mehr) des Internetverkehrs durch TLS geschützt. Auch haben die allermeisten Webseiten und Webbrowser zum Glück endlich gelernt, HTTPS zu nutzen. TLS und CA (Sicherheitszertifikate) haben zwar auch weiterhin so ihre Tücken, aber da muss man dann schon ein sehr versierter Hacker sein.

Hat man es tatsächlich mit solch einem oder sogar einem staatlichen Angreifer zu tun, hilft in diesem Zusammenhang auch kein VPN. Und ja, hier wäre man mit dem Tor-Browser tatsächlich besser geschützt.

Solltet ihr also wirklich einmal zur falschen Zeit am falschen Ort sein, keine Panik. Auch ohne VPN würde der durchschnittliche 08/15-Hacker nicht viel über euch herausbekommen. Das einzige, was er zu sehen bekäme, wäre die Webseite, die wir gerade besuchen. Weder unseren Accountnamen noch euer Passwort oder was genau wir auf der Webseite machen, kann er sehen.

VPN-Werbung
VPN-Werbung

Fazit

Behauptungen, dass VPNs unsere Passwörter oder Bankkonten schützen oder dass sie in diesem Zusammenhang die Privatsphäre, die Sicherheit oder die Anonymität im jeweiligen Netzwerk in irgendeiner Weise verbessern, sind Blödsinn.

2. VPNs schützen uns vor Werbung, Malware oder Tracking

Kurz gesagt, auch das wird in der Werbung sehr gerne schöngeredet. „Ja, aber mein VPN verspricht mir Werbeanzeigen und- oder Malware zu blockieren, wenn ich im Internet surfe“.

Stimmt schon. Aber dafür müssen sie dann auch den Netzwerkverkehr analysieren und unseren Datenverkehr dauerhaft überwachen. Da muss man einer Firma, bei der man weiß, dass Geld verdienen an erster Stelle steht, schon sehr viel Vertrauen entgegenbringen.

Was das Tracking angeht, kann ein VPN kaum etwas machen. Unsere IP-Adresse spielt schon lange nur noch eine untergeordnete Rolle, wenn es darum geht, uns durchs Netz zu verfolgen. Es gibt so vieles, was Webseiten und große Internetunternehmen (z. B. Facebook, Google) tun können, um uns im Internet zu verfolgen, nur unsere IP zu verstecken ergibt in dieser Hinsicht also wirklich kaum einen Sinn.

Fazit

Die gute Nachricht gleich zuerst. Wer sich vor Werbung, Malware oder Tracking schützen möchte, muss nicht viel Geld für einen VPN ausgeben. Denn uBlock Origin (zum Beispiel im Firefox-Browser) macht das mindestens genauso gut. Wenn nicht sogar noch besser und ganz klar, ohne uns dabei „auszuspionieren“.

Aber auch der Tor Browser bietet hier in der Regel mehr Sicherheit als ein oft teurer VPN. Zwar kann auch er uns keinen 100-prozentigen Schutz vor Tracking bieten, aber immer noch besser, als sinnlos Geld zum Fenster raus zu schmeißen.

  • Der Tor Browser versucht, verhaltensbasiertes Tracking zu verringern. VPNs tun nichts in dieser Hinsicht.
  • Der Tor Browser isoliert und verteilt auf intelligente Weise unseren Datenverkehr. Bei VPNs geht alles von der gleichen IP-Adresse aus.
  • Der Tor Browser ergreift zusätzliche Maßnahmen, damit alle Benutzer einen möglichst ähnlichen Browser-Fingerabdruck haben.

3. Geoblocking umgeht man besser mit einem VPN, als mit dem Tor-Browser

Ja, das stimmt. Geoblocking zu umgehen, ist einer der wenigen (guten) Gründe, einen VPN zu nutzen. Das Tor-Projekt kann dafür zwar auch genutzt werden, allerdings könnte es vor allem beim Videostreaming sehr schnell zu Performance-Problemen kommen.

Fazit

Hier sollten wir ganz klar zu einem guten VPN-Anbieter unseres Vertrauens greifen. Zumindest, wenn es darum geht, reibungsloses und ruckelfreies Streaming von Videos zu ermöglichen, schlägt ein VPN Tor um Längen. Das Zwiebelnetzwerk ist auf Sicherheit ausgelegt. Geschwindigkeit spielt da nur eine untergeordnete Rolle.

4. Torrents oder andere Downloads von urheberrechtlich geschützten Medien lädt man sicherer über Tor

An dieser Stelle, ganz klar ein Nein. Man sollte niemals (wirklich niemals!!) Torrents über Tor laden. Zum einen ist Tor wirklich nicht auf Geschwindigkeit ausgelegt und eignet sich einfach nicht dazu, größere Dateien herunterzuladen. Zum anderen, nehmt ihr damit anderen die Bandbreite weg. Tor ist eine wichtige Ressource, auf die viele Menschen angewiesen sind, um freien Zugang zum Internet zu haben.

Was aber noch viel schlimmer ist, uTorrent, BitSpirit und libTorrent schreiben in einigen Fällen einfach unsere IP-Adresse direkt in die Informationen, die sie dann an den Tracker und/oder andere Peers senden.

Wir verstecken also durch Tor in diesem Fall nur die Herkunft unserer IP-Adresse. Verschleiern oder unkenntlich machen, ist aber nicht immer mit Sicherheit gegeben. Was das unter Umständen bedeuten kann, sollte jedem klar sein.

Fazit

Wer regelmäßig und viel aus dem Internet herunterlädt, ist besser beraten, einen guten VPN zu nutzen. Denn zum einen nimmt man niemandem wertvolle Bandbreite im Tor-Netzwerk weg. Und auf der anderen Seite ist man in diesem Zusammenhang tatsächlich mit einem VPN sicherer unterwegs.

5. Durch die Nutzung von Tor oder einem VPN bin ich anonym und sicher im Netz unterwegs

Leider ist auch das ein Mythos. Weder Tor noch ein teurer VPN-Dienst können uns das zu 100 % garantieren. Wer das macht, der lügt, um schnelles Geld zu verdienen.

Fazit

Sowohl Tor, als auch VPNs, haben ihre Stärken und sicherlich auch Schwächen. Der größte Schwachpunkt aber und daran wird sich auch so schnell nichts ändern, sitzt immer noch vor dem Rechner. Auf der Webseite vom Tor-Projekt weist man uns freundlich auf diese Tatsache und andere Gefahren hin. Bei einem VPN-Anbieter, der in der Regel schnelles und einfaches Geld verdienen will, wird man solche Warnungen allerdings vergebens suchen.

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Tor vs. VPN – Ein gut gemeinter Ratschlag

Bild: stasnds

Es ist egal, ob ihr Tor oder einen VPN nutzen wollt. Absolute Sicherheit auf Knopfdruck gibt es nicht. Auch ist es in einigen Fällen sicherer, besser und auch unauffälliger, sich ohne einen der beiden zu nutzen durchs Netz zu bewegen.

Schnell und teuer zu sein, heißt nicht unbedingt auch besser zu sein. Weniger ist manchmal einfach mehr. Und sollten wir wirklich einmal ein extra Schutzschild brauchen, tut es in den allermeisten Fällen auch der Tor-Browser.

VPNs haben zwar ganz klar auch eine Daseinsberechtigung, aber man sollte seine Auswahl sehr sorgfältig tätigen. Es gibt viele schwarze Schafe da draußen, denen es tatsächlich nur um unser Geld geht.

Wer Gebühren sparen möchte: hide.me hat den Lesern der Tarnkappe schon vor Wochen extrem günstige Konditionen zugesichert, die auch noch lange nach dem Black Friday, Cyber Friday oder einem anderen künstlich gehypten Jubeltag gültig sein werden. Doch wie wir schon in unsereren Vergleichstests festgehalten haben, hängt die Wahl des VPN-Anbieters stets von den eigenen Bedürfnissen ab.

In manchen Fällen kann es auch sinnvoll sein, das VPN und Tor-Netzwerk miteinander zu kombinieren. In den FAQs von TOR schränkt man diese Empfehlung allerdings auf wenige, technisch versierte Nutzer ein:

Generell raten wir davon ab, ein VPN mit Tor zu benutzen, es sei denn, Du bist ein fortgeschrittener Benutzer, der weiß, wie man beides so konfiguriert, damit Deine Privatsphäre nicht gefährdet wird.

FAQ-Bereich des Supports vom Tor-Netzwerk.

Tarnkappe.info

Sunny

Sunny schreibt seit 2019 für die Tarnkappe. Dort verfasst er die Lesetipps und berichtet am liebsten über Themen wie Datenschutz, Hacking und Sharehoster. Aber auch in unserer monatlichen Glosse, bei den Interviews und in „Unter dem Radar“ – dem Podcast von Tarnkappe.info, ist er immer wieder anzutreffen.