Tor-Projekt hat große Spendenkampagne gestartet

Das Verschlüsselungsnetzwerk Tor hat kürzlich eine Spendenkampagne gestartet, die von der Filmemacherin Laura Poitras aktiv unterstüzt wird.

Tor, Laura Poitras

Das Verschlüsselungsnetzwerk Tor soll unabhängiger werden. Noch im Jahr 2012 gaben die Betreiber bekannt, dass sich das Projekt zu etwa 60% aus Geldern der US-Regierung finanziert hat. Auch Filmemacherin Laura Poitras ruft zu mehr Unterstützung auf. Ihre Snowden-Dokumentation „Citizenfour“ wäre ohne Tor unmöglich gewesen, wie sie sagt.

Die Entwickler des Tor-Netzwerkes wünschen sich mehr Unabhängigkeit von staatlichen Institutionen. 80 bis zu 90 Prozent der Einnahmen seien derzeit jedes Jahr Spenden der US-Regierung, heißt es. Vor drei Jahren wurde im hauseigenen Report noch ein staatlicher Finanzierungsanteil von 60% angegeben. Mit dem Geld möchte man sicheres Surfen auch in solchen Staaten ermöglichen, wo schon das Lesen kritischer Neuigkeiten mit schwerwiegenden Konsequenzen verbunden sein können. Zudem möchte man das Verschlüsselungsnetzwerk künftig allerorts noch mehr Menschen zur Verfügung stellen.


Tor-Projekt benutzt Laura Poitras als Aushängeschild

Statt die Surfer (wie sonst üblich) direkt mit einer Webseite zu verbinden, läuft die Verbindung bei Tor verschlüsselt über mehrere Server. Damit soll verhindert werden, dass jemand in Erfahrung bringen kann, welcher Anschlussinhaber welche Webseiten besucht hat. Das Verhältnis zwischen den Entwicklern und dem amerikanischen Staat ist seit dem versuchten Hack durch die Carnegie Mellon Universität besonders erschüttert. Das FBI soll Forschern des Computer Emergency Response Teams eine Million US-Dollar bezahlt haben, damit die Nutzer von illegalen Online-Marktplätzen im Deepweb aufgedeckt und die Identität der Betreiber festgestellt wird. Zeitweise gelang es den Wissenschaftlern offenbar, einen gewissen Anteil des Datenverkehrs über ihre eigenen und somit manipulierten Server zu leiten.

TorLaura Poitras, Betreiberin und Gründungsmitglied des Portals „The Intercept“, wird derzeit für die Spendenaktion als prominentes Aushängeschild benutzt. Ohne Tor und andere Verschlüsselungsprogramme wäre es für sie unmöglich gewesen, mit Edward Snowden sicher zu kommunizierten. Jeglicher Quellenschutz sei für einen Journalisten ohne diese Hilfsmittel schlichtweg nicht möglich. Im Januar 2013 erhielt sie die erste verschlüsselte E-Mail von Edward Snowden, der das Pseudonym Citizenfour benutzte. Im Juni des gleichen Jahres führ sie mit Glenn Greenwald nach Hongkong. Dort machte sie Videoaufnahmen für ihre gleichnamige Dokumentation und traf Snowden endlich persönlich.

Bezahldienste & Kryptowährungen stehen zur Auswahl

Wer für das Tor-Projekt spenden will, kann dies einmalig oder per Dauerauftrag tun. Ansonsten steht den Spendern auch der Peer to Peer-Bezahldienst Dwolla und z.B. Bitcoins zur Verfügung. Zu den Geldgebern sollen im Jahr 2015 unter anderem das US-Außenministerium, Reddit, Radio Free Asia, die National Science Foundation, das Auswärtige Amt der Bundesrepublik und etwa 4.300 Privatpersonen gehören.

Mit dem öffentlichen Spendenaufruf werden es sicher bald mehr. Das Projekt kann jede Unterstützung gebrauchen. Tor befindet sich trotz der vielen Nutzer, die darauf schon jetzt weltweit zurückgreifen, noch immer in einer frühen Entwicklungsphase.

Tarnkappe.info

Über den Autor

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.