Tor hat Spendenkampagne gestartet

Article by · 28. November 2015 ·

laura poitras donate for tor
Das Verschlüsselungsnetzwerk Tor soll unabhängiger werden. Noch im Jahr 2012 gaben die Betreiber bekannt, dass sich das Projekt zu etwa 60% aus Geldern der US-Regierung finanziert hat. Auch Filmemacherin Laura Poitras ruft zu mehr Unterstützung auf. Ihre Snowden-Dokumentation „Citizenfour“ wäre ohne Tor unmöglich gewesen, wie sie sagt.

Die Entwickler des Tor-Netzwerkes wünschen sich mehr Unabhängigkeit von staatlichen Institutionen. 80 bis zu 90 Prozent der Einnahmen seien derzeit jedes Jahr Spenden der US-Regierung, heißt es. Vor drei Jahren wurde im hauseigenen Report noch ein staatlicher Finanzierungsanteil von 60% angegeben. Mit dem Geld möchte man sicheres Surfen auch in solchen Staaten ermöglichen, wo schon das Lesen kritischer Neuigkeiten mit schwerwiegenden Konsequenzen verbunden sein können. Zudem möchte man das Verschlüsselungsnetzwerk künftig allerorts noch mehr Menschen zur Verfügung stellen.

Statt die Surfer (wie sonst üblich) direkt mit einer Webseite zu verbinden, läuft die Verbindung bei Tor verschlüsselt über mehrere Server. Damit soll verhindert werden, dass jemand in Erfahrung bringen kann, welcher Anschlussinhaber welche Webseiten besucht hat. Das Verhältnis zwischen den Entwicklern und dem amerikanischen Staat ist seit dem versuchten Hack durch die Carnegie Mellon Universität besonders erschüttert. Das FBI soll Forschern des Computer Emergency Response Teams eine Million US-Dollar bezahlt haben, damit die Nutzer von illegalen Online-Marktplätzen im Deepweb aufgedeckt und die Identität der Betreiber festgestellt wird. Zeitweise gelang es den Wissenschaftlern offenbar, einen gewissen Anteil des Datenverkehrs über ihre eigenen und somit manipulierten Server zu leiten.

TorLaura Poitras, einer der Betreiber und Gründungsmitglied des Portals „The Intercept“, wird derzeit für die Spendenaktion als prominentes Aushängeschild benutzt. Ohne Tor und andere Verschlüsselungsprogramme wäre es für sie unmöglich gewesen, mit Edward Snowden sicher zu kommunizierten. Jeglicher Quellenschutz sei für einen Journalisten ohne diese Hilfsmittel schlichtweg nicht möglich. Im Januar 2013 erhielt sie die erste verschlüsselte E-Mail von Edward Snowden, der das Pseudonym Citizenfour benutzte. Im Juni des gleichen Jahres führ sie mit Glenn Greenwald nach Hongkong, um Videoaufnahmen für ihre gleichnamige Dokumentation zu machen und Snowden endlich persönlich zu treffen.

Wer für das Tor-Projekt spenden will, kann dies einmalig oder per Dauerauftrag tun. Ansonsten steht den Spendern auch der Peer to Peer-Bezahldienst Dwolla und z.B. Bitcoins zur Verfügung. Zu den Geldgebern sollen im Jahr 2015 unter anderem das US-Außenministerium, Reddit, Radio Free Asia, die National Science Foundation, das Auswärtige Amt der Bundesrepublik und etwa 4.300 Privatpersonen gehören.

Mit dem öffentlichen Spendenaufruf werden es sicher bald mehr. Das Projekt kann jede Unterstützung gebrauchen. Tor befindet sich trotz der vielen Nutzer, die darauf schon jetzt weltweit zurückgreifen, noch immer in einer frühen Entwicklungsphase.

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1 Comment

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    Lanzi

    Besser wäre es ein Projekt zu unterstützen, wo wirklich noch gar kein Staat seine Pfoten drin hatte! Also ein absolut neues opensource Projekt ebenfalls über xxx Server verteilt, dass jedoch sozusagen bei Null beginnt. So kann man ja nicht sicher sein, was da alles in den Quellcode geschmuggelt wurde.
    Zudem sollte es dann bei solchen Projekten vielleicht weniger um kostenlose Spiele und Filme gehen und mehr um das Internet und die Kommunikation als solches. Nur wird dies dann eben immer eine Spielwiese für Nerds bleiben, der Rest tummelt sich bei FB und hält VPN für eine sichere Alternative ;)


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