Steckt Cloudflare bald in Schwierigkeiten?

Der niederländische Sicherheitsforscher Bert Hubert geht fest davon aus, dass Cloudflare bald ernsthafte Probleme mit der US-Regierung bekommt. Mindestens sieben verschiedene Webseiten verschiedener Terror-Organisationen werden derzeit von ihrem CDN-Netzwerk geschützt.

Vergangenen Freitag äußerte der Ingenieur Bert Hubert seine Bedenken auf Twitter. Die indirekte Unterstützung terroristischer Einheiten rufe das US-Justizministerium auf den Plan, das aber noch nicht aktiv wurde. Laut Hubert reiche dieses Fehlverhalten normalerweise aus, um das vorzeitige Ende eines US-Unternehmens einzuläuten.

 

Die Huffington Post hat die Vorwürfe untersucht und bestätigt sie vollumfänglich. So verschleiere der Content Delivery Network (CDN)-Anbieter Cloudflare den wahren Standort von mindestens sieben verschiedenen Webseiten mit terroristischen Inhalten. Darunter die Volksfront zur Befreiung Palästinas, die al-Shabaab Miliz, die Qods-Brigaden, die PKK und andere mehr.

Cloudflare wird seit 2012 immer wieder darauf hingewiesen, dass man mit der Aufnahme ins hauseigene CDN-Netzwerk, staatsfeindliche Organisationen unterstützt, das hat aber bisher noch zu keiner Reaktion der Geschäftsführung geführt. 2012 berichtete die Nachrichtenagentur Reuters darüber.

Cloudflare pocht auf seine Neutralität

Gegenüber der Huffington Post äußerte sich der Firmensprecher Doug Kramer, man versuche sich neutral zu verhalten. Man sehe sich selbst nicht als Schiedsrichter, der darüber bestimmt, was online geschehen dürfe und was nicht. Mit dem Verweis auf den Datenschutz lehnte es Kramer ab, die genannten Terror-Webseiten im Detail zu kommentieren.

cloudflare

Quelle: crimeflare.com, thx!

Die fraglichen Seiten verbreiten staatsfeindliche Propaganda. Darüber werden Terroranschläge angekündigt, sich dazu bekannt, gezielte Fehlinformationen und gewaltverherrlichende Videos verbreitet. Doch selbst wenn die al-Shabaab Miliz Katzenvideos via Cloudflare in Umlauf bringen würde, so würde es nichts daran ändern, dass in den USA die direkte und indirekte Unterstützung dieser Vereinigung schlichtweg verboten ist. Zwar können Content-Anbieter und andere Dienstleister laut dem Communications Decency Act (CDA) nicht für verbotene Inhalte ihrer Kunden haftbar gemacht werden. Allerdings schützt Cloudflare die Terror-Seiten schon seit längerer Zeit vor einer Aufdeckung des wahren Server-Standorts und ist sich dessen bewusst, womit ihr Verhalten wieder strafbar wäre.

Würde man zwei Juristen fragen, kämen mindestens drei verschiedene Meinungen dabei heraus. Wie dem auch sei: Das letzte Wort zu dem Thema ist sowieso noch nicht gesprochen. Doch die Sache könnte Cloudflare tatsächlich früher oder später in arge Bedrängnis bringen. Markenpiraten oder Schwarzkopierer zu schützen ist schlichtweg eine andere Nummer, als der Schutz von international tätigen Terroristen, die den US-Behörden schon häufiger durch ihre Anschläge aufgefallen sind.

Tarnkappe.info

 

Beitragsbild Hugo Jehanne @ unsplash , thx! (CC0 1.0)

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.

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