Sozialkredit-System vs. Datenkapitalismus: Online-Konferenz im Juni

Die Gesellschaft für Informatik lädt zu Online-Vorträgen ein. Thema ist das chinesische Sozialkredit-System vs. westlicher Datenkapitalismus.

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Am 18. und 19. Juni diesen Jahres trifft man sich ausnahmsweise nicht im hohen Norden, sondern coronabedingt online. Die Gesellschaft für Informatik eV. (GI), Fachgruppe Internet und Gesellschaft, schneidet dabei zwei spannende Themenbereiche an: Unser ausufernder Datenkapitalismus hierzulande und das chinesische Sozialkredit-System (SCS) im Fernen Osten. Wer sich dafür interessiert, sollte sich besser direkt anmelden. Die Teilnahme ist kostenlos.

Teufel vs. Beelzebub: Überwachung mittels Sozialkredit-System oder der westliche Datenkapitalismus?

In China versucht man die eigene Bevölkerung mithilfe des Sozialkredit-Systems unter Kontrolle zu bringen. Den Einwohnern vergibt man bei erwünschtem Verhalten positive Punkte, die sich in einem Rating widerspiegeln. Wer sich nicht regelkonform verhält, der muss hingegen erhebliche Nachteile in Kauf nehmen. Plötzlich stehen den Betroffenen soziale Dienste nicht mehr zur Verfügung. Oder aber man erhält wenig überraschend eine Absage für einen Studienplatz oder einen Job.

Voraussetzung dieses Systems ist eine allumfassende Überwachung, damit das Sozialkredit-System Punkte addieren oder vom Score abziehen kann. Im Idealfall kennen es die Menschen nicht anders und erfahren die totale Überwachung als eine ganz normale Sache.

Sozialkredit-System

Sozialkredit-System in China und Datenkapitalismus im Westen – Herrschaft durch Scoring und datengestützte Simulation von Gesellschaft.

Ein paar Vorträge exemplarisch vorgestellt

Der Informatiker Martin Warnke spricht über die Entstehungsgeschichte des Sozialkredit-Systems (SCS) in China. Antonia Hmaidi wird im Rahmen des Events hinterfragen, ob das SCS sogar möglicherweise dazu in der Lage ist, Ressourcen fairer zu verteilen. Spannend klingt auch der geplante Vortrag von Doris Fischer. Fischer stellt den Konferenzteilnehmern die bestehenden Sozialkredit-Systeme für Unternehmen vor. Damit erfüllt das System Funktionen, die auch in anderen Wirtschaftsordnungen durchaus erwünscht sind.

Gefängnis, Korridor, Schlüssel

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Doch die Veranstalter wollen sich nicht nur mit der chinesischen Regierung beschäftigen. Hierzulande überwachen Unternehmen so viel sie nur dürfen und auch, wenn sie es nicht dürfen. Die ungebremst voranschreitende Daten-Sammelleidenschaft hat in Europa und den USA schon vor vielen Jahren Einzug gehalten. Auch darum wird es am 18. und 19. Juni inhaltlich gehen.

Schwer zu sagen, was schlimmer ist: die totale Überwachung durch die Organe eines Zentralstaats. Oder will man sich lieber von Unternehmen ausforschen lassen, die sich im Detail für unsere Vorlieben interessieren? Das Ganze klingt wie die Wahl zwischen dem Teufel und dem Beelzebub.

Anmeldefrist endet am 17.06.2021

Gesellschaft für Informatik

Übrigens. Am Ende des Vortragsprogramms schaffen die Veranstalter außerdem noch Möglichkeiten zum Austausch zwischen den Referentinnen und Teilnehmerinnen. Gegebenenfalls richtet man dafür extra Online-Gesprächsräume ein. Zum Thema Sozialkredit-System bzw. Datenkapitalismus gibt es wahrlich viel zu sagen. Von daher dürften viele Gäste einen entsprechend großen Gesprächsbedarf haben. Das Ende des Austausches ist allerdings offen. Wohl auch, damit niemand zu kurz kommen wird.

Hier kann man das komplette Programm einsehen. Dort kann man sich bei Interesse registrieren.

Die Redaktion von Tarnkappe.info wird ebenfalls an der Online-Konferenz teilnehmen.

Tarnkappe.info

 

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.