Smurf Suite: GCHQ hackt Smartphones mit Schlümpfen

Mit Hilfe der Software-Sammlung "Smurf Suite" kann das GCHQ Smartphones unbemerkt übernehmen und deren Benutzer auf viele Arten überwachen.

Computerschlumpf, Smurf Suite
Foto Stephanie Kroos (CC-BY-SA 2.0)

NSA-Whistleblower Edward Snowden hat schlechte Nachrichten für alle Smartphone-Nutzer: diese könnten „sehr wenig“ dagegen tun, dass die Geheimdienste die „totale Kontrolle“ über ihr Gerät übernehmen, sagte Snowden. Das britische GCHQ bewerkstelligt das mit Hilfe einer Software-Sammlung namens „Smurf Suite“.

Dienste hacken Smartphones ohne Wissen der Benutzer

Snowden erklärte in der Sendung „Panorama“ des britischen TV-Senders BBC, das GCHQ könne Smartphones hacken, ohne dass deren Benutzer dies auf Anhieb mitbekommen. Dazu werde eine verschlüsselte Textnachricht – die als „stille SMS“ nicht angezeigt wird – auf das Gerät geschickt. Anschließend könnten die Geheimagenten das Gerät fernsteuern und beispielsweise das Mikrofon und die Kamera nutzen, um den Smartphone-Besitzer zu überwachen.

Neben dem GCHQ verfügt laut Snowden auch die US-amerikanische NSA über entsprechende Technologien. Laut Snowden haben beide Geheimdienste in den letzten Jahren erhebliche Summen in die Entwicklung dieser Software investiert. Der Whistleblower nimmt nicht an, dass das GCHQ oder die NSA daran interessiert sind, massenhaft die Kommunikation der Menschen zu überwachen. Hat aber jemand das Interesse der Geheimdienste geweckt, kann dieser sein Smartphone leicht zum Abhörgerät umfunktionieren.

Laut Snowden können die Geheimdienste, wenn sie einmal die Kontrolle über ein Smartphone haben, sehen „wen du anrufst, was du per SMS geschrieben hast, die Internet-Seiten, die du angeschaut hast, die Liste deiner Kontakte, die Orte, an denen du gewesen bist, die WLANs, bei denen dein Telefon eingebucht war.

Smurf Suite: Die Schlumpf-Sammlung des GCHQ

Das GCHQ besitzt laut Snowden mittlerweile eine ganze Sammlung von Tools zur gezielten Übernahme von Smartphones. Bei deren Benennung bewiesen die Geheimagenten Humor. Die Software-Sammlung heißt „Smurf Suite“ nach den lustigen blauen Schlümpfen des belgischen Cartoonisten Peyo.

Auch die einzelnen Komponenten sind nach Schlümpfen benannt. So gibt es etwa „Dreamy Smurf“, ein Energieverwaltungs-Tool, das das Smartphone ohne Wissen des Benutzers ein- und ausschalten kann.

„Nosey Smurf“, der „neugierige Schlumpf“, ist laut Snowden ein Tool, mit dem „zum Beispiel, wenn es [das Smartphone] in deiner Tasche ist, das GCHQ das Mikrofon einschalten kann und alles mithören kann, was um dich herum vorgeht – selbst, wenn das Telefon ausgeschaltet ist, weil das GCHQ all diese anderen Werkzeuge hat, um es einzuschalten.“

Die Software-Komponente „Tracker Smurf“ dient dagegen – wie der Name schon andeutet – dem Sammeln von Standortdaten. Da dieses direkt über die GPS- und anderen Ortungssysteme des Smartphones erfolgt, sind die erhaltenen Daten weitaus genauer als solche, die man durch die reine Triangulation per Mobilfunk-Mast erhalten würde.

Abgerundet wird die Sammlung durch „Paranoid Smurf“. Dieses Tool soll die Manipulation des GCHQ verschleiern. Und das selbst dann, wenn ein Nutzer sein Telefon zum Service bringt, weil ihm dessen Verhalten merkwürdig vorkommt.

Kein Kommentar vom GCHQ

Das GCHQ verweigerte einen Kommentar zu Snowdens Aussagen mit der Begründung, über nachrichtendienstliche Fragen gebe man grundsätzlich keine Auskunft. Die Behörde erklärte lediglich, sie halte sich bei ihren Ermittlungen an geltendes Recht.

Tarnkappe.info