Ross Ulbricht im Interview mit Appell an Bitcoin-User

Ross Ulbricht gewährte Bitcoin Magazine ein Interview aus dem Gefängnis anlässlich der dieses Wochenende stattfindenden Bitcoin 2021-Konferenz

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Ross Ulbricht
Bildquelle: kongvector

In einem Telefoninterview mit dem Bitcoin Magazine äußerte sich Ross Ulbricht, Gründer des berühmt-berüchtigten Bitcoin-basierten Darknet-Marketplaces Silk Road, zum ersten Mal seit seiner Festnahme im Jahr 2013 öffentlich aus einem Hochsicherheits-Bundesgefängnis anlässlich der Bitcoin 2021- Konferenz. Darin zieht er zum einen Bilanz bezüglich seiner ursprünglichen Absichten für Silk Road. Zum anderen hebt er seine damalige Vision hervor, die „einzigartigen Eigenschaften von Bitcoin“ mit der Darknet-Site zu verknüpfen. In einem Appell wandt er sich an die Bitcoin-Community, die „freiheitsfördernden Qualitäten der Technologie“ zu erkennen.

Die Bitcoin 2021- Konferenz bezeichnet cointelegraph als die „größte bisherige Konferenz in der Geschichte der marktführenden Kryptowährung“. Sie findet mit über 12.000 Gästen am 04.-05. Juni in Miami statt. Geladen sind sowohl einige namhafte Politiker, als auch Promis und Branchenköpfe.

Darunter erwartet man Miami-Bürgermeister Francis Suarez, Twitter-Chef Jack Dorsey und Paris Hilton. Dabei ist das Event als keine gewöhnliche Konferenzveranstaltung geplant. Vielmehr soll es „mehr eine Art Musikfestival“ sein, auf dem es mehrere „Bühnen“ gibt. Der Livestream läuft derzeit hier.

Darknet-Waffenhandel

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Bitcoin 2021- Konferenz präsentiert Ross Ulbricht im Interview

Die Konferenz veranstaltet Bitcoin Magazine, ein Nachrichtenmagazin, an dessen Gründung im Jahr 2012 auch Ethereum-Mitgründer Vitalik Buterin beteiligt war. Das Telefoninterview von Ross Ulbricht mit dem Bitcoin Magazine hatte auf der Bitcoin 2021- Konferenz Premiere. Ulbricht zeigt sich von der Entwicklung des Bitcoin über die Jahre hinweg begeistert.

„Ich habe die letzten acht Jahre damit verbracht, Bitcoin von hier aus aufwachsen zu sehen. Ich habe unglaubliche Innovationen gesehen, habe inspirierenden Mut gesehen. Wir wussten am Anfang nicht, wie sich die Dinge für Bitcoin entwickeln würden, aber im Laufe der Jahre war ich immer wieder beeindruckt von dem, was Sie erreicht haben…

Wir verändern die Weltwirtschaft und haben einen Hauch von Freiheit und Gleichheit in entlegene Ecken der Welt gebracht. Ich weiß, dass wir auch die Strafjustiz verändern können.“

Ross Ulbricht schuf Darknet-Market der Superlative

Silk Road war der erste große Darknet-Markt, auf dem illegale Waren und Dienstleistungen, einschließlich illegaler Drogen, von den Nutzern der Website sowohl gekauft, als auch verkauft wurden. Ross William Ulbricht war damals 26 Jahre alt, als er Silk Road gründete. Er betrieb die illegale Plattform von 2011 bis 2013.

Silk Road setzte Bitcoins ein, um laut Gerichtsdokumenten in weniger als drei Jahren immerhin den Gegenwert von 1,2 Milliarden Dollar an illegalen Verkäufen zu erzielen. Zudem erreichten die Site 80 Millionen Dollar an Provisionen.


Video: Deep Web – der Untergang der Silk Road.

Silk Road-Gründer landete für seine Visionen im Gefängnis

Im Jahr 2013 sperrten die Strafverfolgungsbehörden Silk Road und verhafteten ihren Besitzer und Betreiber Ross Ulbricht. Dieser war außerdem auch bekannt als „Dread Pirate Roberts“. Eine New Yorker Bundesjury hat ihn 2015 in sieben Anklagepunkten für schuldig befunden. Darunter Verschwörung zum Vertrieb von Betäubungsmitteln und ebenso Geldwäsche. Man hat Ulbricht im Jahr 2015 infolge zu einer mehrfach lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

Während des Anrufs resümierte Ross Ulbricht, Silk Road ins Leben gerufen zu haben, ohne vorher zu wissen, wie es angenommen würde oder wie genau es Verwendung fände. Sein Wunsch war es allerdings, die „einzigartigen Eigenschaften von Bitcoin“ dafür mit einzubringen. Er habe versucht, einen Marktplatz zu schaffen, der seinen Platz außerhalb der Mainstream-Regulierung finden sollte.

„Ich dachte, mit Bitcoin könnte ich versuchen, etwas zu tun, das tatsächlich einen Unterschied macht … Damals war ich ungeduldig. Ich habe dann meine erste Idee, die Seidenstraße, überstürzt. Da ist ein 26-Jähriger, der denkt, er müsse die Welt retten, bevor ihn jemand übertrumpft.

Ich hatte keine Ahnung, dass Silk Road funktionieren würde, aber jetzt wissen wir alle, dass es sich durchgesetzt hat. Es wurde benutzt, um Drogen zu verkaufen, und jetzt bin ich im Gefängnis. Die Ironie ist, dass ich Silk Road in erster Linie gemacht habe, weil ich dachte, ich würde die Dinge fördern, die mir wichtig sind: Freiheit, Privatsphäre, Gleichheit. Aber dadurch ich Silk Road aufbaute, landete ich infolge jedoch an einem Ort, an dem diese Dinge nicht existieren.“

Free Ross Ulbricht-Projekt: Bitcoins sollen Freiheit fördern

Ulbrichts Familie und Freunde von ihm haben ein Free Ross Ulbricht-Projekt ins Leben gerufen. Damit möchten sie immerhin Unterstützung für eine Straf-Reduzierung für ihn gewinnen. Ulbricht nutzte das Interview, um an die Bitcoin-Community zu appellieren, die „freiheitsfördernden Qualitäten der Technologie“ zu erkennen und damit auch Fällen wie seinem eigenen zu helfen. Ulbricht meint abschließend:

„Bitcoin ist stark. Bitcoin ist mächtig. Wir sind mächtig. Und unsere Arbeit ist noch nicht beendet. Es ist Zeit aufzuwachen, es ist Zeit, den nächsten Schritt zu tun.“

Tarnkappe.info

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.